EM und Politik : Die Fußball-Kanzlerin

Jubel auf der Ehrentribüne: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck
Jubel auf der Ehrentribüne: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck

Wie ihr Vorgänger Gerhard Schröder weiß auch Merkel um die Macht der Bilder

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10. Juni 2016, 21:00 Uhr

„Viel Glück“ wünscht die Kanzlerin. Sie werde versuchen, „fast alle Spiele“ zu verfolgen. Wird man sie auch diesmal in Frankreich wieder auf der Tribüne jubeln und in der Kabine gratulieren sehen? „Ich habe noch keine konkreten Pläne“, will sich Angela Merkel nicht festlegen. Doch dürfte sie sich den Auftritt als Fan im Kreise der Fußballnationalmannschaft bei der EM nicht nehmen lassen.

Den Auftakt gegen die Ukraine am Sonntagabend wird die Fußball-Kanzlerin allerdings doch verpassen. Schließlich sitzt sie im Regierungsflieger auf dem Weg nach China, lässt sich aber laufend über den Spielstand informieren. Die Mannschaft sei „total motiviert“, werde wieder zusammenwachsen und zeigen, was Deutschland
ausmache: „Vielfalt, gemeinsamer Wille zu gewinnen, Toleranz, Respekt und der Wunsch, dass sich die Fans an gutem Mannschaftsfußball erfreuen können“.

Wird die EM in Frankreich wieder zu einem Sommermärchen für das deutsche Team und die Fans? Läuft es gut für Manuel Neuer und die DFB-Elf, wollen sich auch Politiker und allen voran die Kanzlerin in dem Erfolg son- nen.  Wie  zuletzt am 13. Juli 2014 beim WM-Finalsieg gegen Argentinien im Mara-canã-Stadion in Rio de Janeiro. Nach Konrad Adenauer 1954, Helmut Schmidt 1974, Helmut Kohl 1990, hatte Merkel damals als Kanzlerin zum vierten WM-Titel gratuliert.

Das Fußballfieber wird auch das politische Berlin erreichen. Public Viewing im Ministerium, Fankurve im Bundestag, dienstfrei für Fußballfans. WM-Stimmung im Regierungsviertel. Auf die Unterstützung Merkels können Jogi Löw und Oliver Bierhoff bereits seit Jahren bauen, auch in schwierigen Zeiten.

Schon als Jürgen Klinsmann vor der WM 2006 in der Kritik stand, war Merkel zur Stelle, machte Mut und übte demonstrativ den Schulterschluss. Anrufe und SMS auf dem Handy von Bundestrainer Jogi Löw und Manager Oliver Bierhoff gehören ebenso dazu wie Besuche im Trainingslager oder Einladungen ins Kanzleramt.

Die Kanzlerin und der Fußball – es waren Bilder, die um die Welt gingen, im Jahr 2006, als für viele Deutsche die Menschwerdung von Angela Merkel begann: Deutschlands schwarz-rot-goldenes Sommermärchen, und Bilder von einer Kanzlerin, wie man sie bis dahin nicht für möglich gehalten hatte.

Fußball und Politik – wie ihr Vorgänger Gerhard Schröder weiß auch Merkel um die Macht der Bilder und den Stellenwert der „schönsten Nebensache der Welt“ beim Wahlvolk.

„Ich jedenfalls gehe ins Stadion, weil ich Lust habe, die Spiele zu sehen“, weist die Regierungschefin den Verdacht von sich, König Fußball nur instrumentalisieren zu wollen. Noch macht Merkel ein Geheimnis daraus, ob und wann sie zu Jogis Jungs nach Frankreich fliegen wird.
 

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