zur Navigation springen

Ernste Komödie : «Der Wein und der Wind»: Zeit der Reife im Burgund

vom

Cédric Klapisch, Macher der Komödienerfolge rund um die «L’auberge espagnole», legt in «Der Wein und der Wind» wieder einen Film über junge Leute auf Selbstfindungstrip vor. Diesmal spielt seine Geschichte in der uralten Winzerregion Burgund.

svz.de von
erstellt am 07.Aug.2017 | 10:46 Uhr

Berlin (dpa) – Cédric Klapisch ist ein französischer Erfolgsregisseur des Jahrgangs 1961, der seine Filme vorzugsweise in Großstädten ansiedelt. So etwa die romantische Studentenkomödie «L’auberge espagnole» in Barcelona sowie deren Nachfolger «Wiedersehen in St. Petersburg» und «Beziehungsweise New York».

Doch nun hat es den Pariser hinaus aufs Land gezogen – ins agrarisch geprägte, für seine Spitzenweine weltberühmte Burgund (Bourgogne) im Herzen Frankreichs. Dort geht es Klapisch abermals, wenn auch im Ton gesetzter, um junge Leute, die ihren Weg in die Zukunft finden müssen.

Dem Regisseur, der das Drehbuch für «Der Wein und der Wind» mit seinem Jugendfreund Santiago Amigorena verfasst hat, gelingt allerdings die Schilderung von Natur und Weinbau im Verlauf eines Erntejahres beeindruckender als das Beziehungs- und Entwicklungsgeflecht der Geschwister Jean, Juliette und Jérémie: Nach Jahren der Abwesenheit kehrt hier der ältere Jean auf das einst von ihm fluchtartig verlassene Weingut der Familie zurück, auf dem der Vater im Sterben liegt. Neben der Klärung mancher alter Probleme sowie ihrer jeweiligen Selbstfindung müssen die drei Hauptpersonen schließlich entscheiden, wer das Traditionsgut weiterführen wird.

Juliette, die noch keine Gelegenheit hatte, sich in der von Männern dominierten Branche zu behaupten? Der jüngere Jérémie, der mit der Tochter schick-mondäner Winzernachbarn liiert ist, die ihn nach ihren Vorstellungen ummodeln wollen? Jean, der in Australien mit einer Weinbäuerin Vater eines kleines Sohns ist? Oder etwa alle drei Geschwister zusammen? Klepisch lässt sich bei der Darstellung seiner Themen spürbar Zeit. So als wolle er zeigen, dass echte Entwicklung ihre Zeit brauche. «Der Film schrie direkt danach zu zeigen, dass Dinge mit der Zeit besser werden. Das ist beim Wein so und bewahrheitet sich auch in der Freundschaft», erklärt der Filmemacher in einem Interview im Presseheft.

Die eher konventionellen Persönlichkeitsbilder der drei Helden geben jedoch so viel Sorgsamkeit nicht her - am Ende entkommt Klepisch trotz sympathischer Akteure nicht der Klischeefalle. Aus langer Weile wird da leicht mal Langeweile für die Zuschauer. Weinfreaks dürften aber ihre Freude daran haben zu sehen, wie man in der Unesco-Weltkulturerberegion Burgund noch immer roten und weißen Rebensaft produziert: auf kleinen Parzellen, mit mühevoller Hand- (und Fuß-)arbeit sowie viel altem Wissen.

Gedreht wurde auf dem Gut des Schauspielers Jean-Marc Roulot, der im Film den langjährigen Mitarbeiter Marcel verkörpert. Dessen malerische Domaine bewirtschaftet die Familie seit 1830. Und Klapisch ist nicht nur sein Regisseur und Freund – sondern eigenen Angaben zufolge auch seit 1991 sein Kunde.

Der Wein und der Wind

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen