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„Eulenspiegel“-Autor Ernst Röhl gestorben : Der Sprachsezierer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beliebter Satiriker begann seine Karriere bei der SVZ in Parchim

von
erstellt am 18.Feb.2015 | 07:30 Uhr

Der Satire-Autor Ernst Röhl ist tot. Der 77-Jährige starb nach langer Krankheit am Montag im brandenburgischen Zepernick, wie die „Eulenspiegel“ Verlagsgruppe gestern mitteilte.

Röhls Spezialität war die satirische Sprachkritik. Er habe mit Witz und Ironie Beschönigungen der Herrschenden aufgedeckt, so der Eulenspiegel Verlag.

Ernst Röhl wurde am 25. Dezember 1937 in Neu Ruthenbeck bei Crivitz geboren. Von 1943 bis 1952 besuchte er die Dorfschule in Goldenbow und die Zen-tralschule in Friedrichsruhe. Anschließend dann die Oberschule in Parchim, wo er 1956 das Abitur ablegte. Von 1956 bis 1957 war er bei der Parchimer Kreisredaktion der Schweriner Volkszeitung als Volontär tätig.

Von 1957 bis 1961 studierte er Journalistik an der Karl-Marx-Universität Leipzig und war Mitglied des Studentenkabaretts „Rat der Spötter“, das von dem heute populären Schauspieler Peter Sodann geleitet wurde.

Der kritische Grundton der jungen Kabarettisten gefiel den Mächtigen ganz und gar nicht. Laut Verlagsangaben wurde er als „Rädelsführer“ des Kabaretts nach einer Aufführung verhaftet und abgeurteilt. Wegen „staatsfeindlichem Kabarettspiel“ musste Röhl mit fünf weiteren Kommilitonen von 1961 bis 1962 ins Gefängnis.

Anschließend „durfte“ Ernst Röhl sich von 1962 bis 1964 als Sägewerker und Gießereiarbeiter „in der Produktion bewähren“, wie es damals hieß. Später schlug er sich als Korrektor durch, bis er seine künstlerische Heimat bei der beliebten Satire-Zeitschrift „Eulenspiegel“ fand, wo er von 1965 bis 1997 als Redakteur arbeitete.

Im „Eulenspiegel“ Verlag kamen etwa 20 Bücher von Röhl heraus, u.a. „Ich wünschte, ich wär mein Bruder – 99 unernste Gedichte“, „Fünf Jahre sind genug – neue DDR-Witze“, „Rat der Spötter. Das Kabarett des Peter Sodann“, „Esel sei der Mensch – der größte Quatsch des Jahrhunderts“ oder „Das große deutsche Blabla“.

Auch nach der Wende verstummte Ernst Röhl nicht – im Gegenteil. Er beschrieb den „Ostler, das unbekannte Wesen“ und feierte „Einigkeit und recht viel Freizeit“. Seine Geschichten hießen jetzt „Frau X lädt Peter Hartz zum Essen ein“, „Das konsumistische Manifest“ oder „Rostbrätl weltweit“. Seine letzte Publikation wurde 2010 unter dem Titel „Wörterbuch der Heuchelsprache“ veröffentlicht.

Wer noch einmal durch den humoristischen Kosmos des Ernst Röhl wandeln möchte – zum 70. Geburtstag des Satirikers, Erzählers und Entertainers erschien im Dezember 2007, natürlich ebenfalls im „Eulenspiegel“ Verlag, „Das dicke Ernst Röhl Buch“.

Mit Ernst Röhl haben alle Freunde intelligenter Satire einen der begnadeten Sprachsezierer deutscher Zunge verloren.

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