TV-Tipp : Der Sohn

Katharina (Mina Tander) ist verzweifelt.
Katharina (Mina Tander) ist verzweifelt.

Wie gut kennt eine Mutter ihr Kind? Und weiß sie wirklich, was es alles so treibt? Davon erzählt der TV-Film «Der Sohn», der jetzt im Ersten gezeigt wird.

svz.de von
06. September 2017, 00:01 Uhr

Eine Mutter ist besorgt um ihren pubertierenden Sohn, der an Asthma leidet. Als er anfängt, sich nächtens herumzutreiben, macht sie sich noch mehr Sorgen - zumal eine junge Frau tot aufgefunden wird. Kann ihr Kind ein Mörder sein? Von alldem erzählt der Film «Der Sohn», der an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) im Ersten zu sehen ist.

Katharina (Mina Tander) ist Friseuse und lebt mit ihrem 16-jährigen Sohn Stefan (Nino Böhlau) in einer norddeutschen Kleinstadt. Von einem Vater ist nichts zu erfahren. Stefan hat schweres Asthma, seit er ein Baby war. Und seine Mutter hat nächtelang an seinem Bett gesessen, um auf seinen Atem zu achten.

Auch jetzt will sie ständig wissen, wo er steckt - sogar wenn er seiner Ausbildung zum Landschaftsgärtner nachgeht oder spätabends wegbleibt. Sie glaubt zunächst, dass er schwul sein könnte, doch er ist zaghaft verliebt in Lilijana (Ale Sophia Boudodimos). Währenddessen lernt seine Mutter beim Einkaufen den netten Supermarktkassierer Detlef Schröder (Godehard Giese) kennen.

Er wird von Stefan als Eindringling betrachtet, und er lässt es ihn und seine Mutter deutlich spüren. «Meine Mutter ist eine Heilige. Ich bin ihr nur peinlich», sagt er einmal. Sie bemerkt nicht, dass er seine Übermutter, die ihn noch immer wie ein kleines Kind behandelt und sogar seinen Laptop kontrolliert, einfach satt hat und sich von ihr lösen möchte.

Die Tragödie im Film rührt auch daher, dass Katharina nicht offen zeigen kann, was sie empfindet, und sich ganz allmählich von der Wirklichkeit entfernt. Das bemerkt sie selber nicht, aber auch die Menschen um sie herum nicht. Irgendwann schreien sich Mutter und Sohn nur noch an («Du Monster») und schlagen sich sogar.

Regisseur Urs Egger (62, «Die Seelen im Feuer», «Gotthard») legt hier ein düsteres Kammerspiel vor, das nur am Rande ein Krimi ist, als eine Joggerin erdrosselt wird. Das Ganze läuft allmählich auf eine Katastrophe hinaus. «Die Grundsituation in dieser Geschichte hat eine fast klaustrophobische Enge. Der pubertierende Sohn, die übergriffige alleinerziehende Mutter. Was sich hier abspielt, ist eine Tragödie, und ich habe das noch nie so konsequent erzählt», zitiert das Erste den Regisseur.

Das ist nahezu greifbar. Alles ist irgendwie eng in diesem Mutter-Sohn-Drama: die Wohnung, der Friseursalon, ja selbst die Parkanlagen. Egger fügt hinzu: «Die Mutter rutscht in eine fast psychotische Phase hinein, in der die Ängste überhandnehmen, und sie sich zwanghaft in Gedanken mit ihrem Sohn beschäftigt. Stefan dagegen hat die Nase voll von ihren Nachstellungen; er kann nicht mehr und wird aggressiv, was die Mutter wiederum auf fatale Weise missversteht und bestärkt.»

Je weiter der Zuschauer diesen furchtbaren Zweikampf verfolgt, umso größer wird die Beklemmung, die sich einstellt - insbesondere zum drastischen Ende, das konsequent erscheinen mag, aber dennoch Unverständnis auslöst.

Mina Tander (38, «Seitenwechsel», «Mama geht nicht mehr») besticht durch ihr intensives Spiel ebenso wie Nino Böhlau (18, «Durch den Vorhang», «Wenn Frauen ausziehen»). Sie zeigen als einsame Mutter und eigenbrötlerischer Sohn, dass sie sich nicht einmal um gegenseitiges Verständnis bemühen. Während er einfach nur weg will, will sie ihn behalten - was ihr am Ende auch gelingt. Allerdings ganz anders als vermutet.

Der Sohn

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