Jürgen Drews : Der Schlagerkönig wird 70

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„Das ist alles so passiert“: Jürgen Drews zieht Bilanz ohne Reue / Prägende Figur der Ballermann-Musik

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02. April 2015, 12:00 Uhr

Nicht jeder fährt auf die leicht einprägsamen Schlager von Jürgen Drews ab. Die seichte Musikart hat er früher selbst nicht gemocht, gesteht er. Der „König von Mallorca“ bereut heute nichts. Er ist kaum zu stoppen. Im Gespräch am Telefon redet er schnell, singt immer wieder einige Zeilen an und antwortet auch auf Fragen, die gar nicht gestellt wurden. Wie etwa auf die, ob es das berühmte Bett im Kornfeld tatsächlich gab für ihn. „Das ist alles so passiert: Ich bin nach St. Tropez getrampt und traf ein sehr hübsches Mädchen. Sie fuhr nur kein Fahrrad, sondern Cabrio“, erfährt man.

Überhaupt: Das „Bett im Kornfeld“. Obwohl Drews die Schublade des Unterhaltungsschlagers immer wieder verlassen wollte, denkt man bei Jürgen Drews vor allem an den Evergreen von 1976.

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Die Fans seines Hits sind meist viel jünger als der Sänger. Kein Kunststück: Jürgen Drews wird am 2. April 70 Jahre alt. Drews wurde 1945 nahe Berlin geboren und wuchs in Schleswig-Holstein auf. Wenn er zurückblickt, so gibt es zwei Erkenntnisse, die ihm wichtig sind. Davon singt er auf seiner neuen Platte, die am Freitag erschienen ist: „Es war alles am Besten“. Nichts will er missen und sein Leben sei nie geplant gewesen. Er bereut nicht die ersten gescheiterte Ehe oder als er sich nach dem Durchbruch beim deutschen Publikum auf Schlager festgelegt sah und sein Glück in Amerika suchte. Anders als früher betont Drews, der Schlager habe ,,alles Gute gebracht, was ich mir nur denken kann“. Seine Musik ist eben für das Partyvolk, nicht das stille Kämmerlein. Als „König von Mallorca“ steht er in der Feriensaison noch jede Montagnacht auf der Bühne des Ballermann-Feierclubs Mega Park. Den Weg zum „König von Mallorca“ bewertet als nicht selbst gewähltes, aber willkommenes Schicksal.

Musikwissenschaftler Martin Lücke beurteilt Drews als prägende Figur des negativ konnotierten Ballermann-Schlagers. Drews Schlager seien eingängig, die Texte leicht zu merken und bringen Menschen ,,zum Mitsingen“. Außerdem habe Drews sich selbst auch als bewusst polarisiernde Kunstfigur erschaffen: „Die Rolle des Spaßvogels, der auch mal aneckt, die spielt er perfekt.“ Das gibt er auch selbst gerne zu. Dabei war er als Teenager noch schüchtern und habe statt zu singen lieber ,,ganz hinten mit zittrigen Händen mein Banjosolo gespielt.“ Als er mit der Gesangscombo Les Humphries Singers („Mama Loo“, „Mexico“) in den 1970ern Erfolge feierte, habe er sein Faible für den ihm bisher so verhassten Schlager entdeckt. Nach seinem Durchbruch als Solokünstler 1976 mit „Ein Bett im Kornfeld“ übernahm er auch kleinere Filmrollen und moderierte die „Deutsche Schlagerparade“. Den für ihn eher ruhigen 1980ern folgte in den 1990er-Jahren ein Neustartmit der Partyversion seines Sommerhits und er festigte sein Image als schriller Spaßvogel mit schrägen TV-Auftritten. Doch er betont: „Ich bin wie ich bin, ob nun einer hinschaut oder nicht.“ Nur die Party feiert er eher auf der Bühne. Anstelle von Plattenpromotion würde er seinen Geburtstag lieber beschaulich mit seiner Ramona feiern . ,,Das holen wir nach.“

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