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Dennis Kalff : Der Rattenfänger der Reeperbahn

vom
Aus der Onlineredaktion

Dennis Kalff ist zwischen funkelnder Leuchtreklame und gut gelaunten Partygängern dem Ungeziefer auf der Spur

svz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Würde Dennis Kalff mit der Methode des Rattenfängers von Hameln arbeiten und die Reeperbahn entlang flöten, vermutlich wäre Deutschlands sündigste Meile binnen Minuten mit den lästigen Nagern übersät. Dann noch schnell mit ihnen zur Elbe herunter...man kennt das Ende. Doch so einfach sei das mit der Schädlingsbekämpfung nicht, weiß der 40-jährige Chef einer Firma aus Hamburg-Barsbüttel, die mit ihren zwölf Mitarbeitern auf Jagd nach Ratten, Bettwanzen, Schaben oder auch Tauben geht. Besonders schlimm sei es seit vergangenem Jahr im Bezirk Mitte, vor allem auf St. Pauli, stöhnt Kalff.

„Wir können zurzeit schon von einer Rattenplage sprechen. Das Nahrungsangebot ist einfach zu groß, es werden zum Beispiel Reste von Dönern oder Burgern achtlos weggeschmissen. Das ist wie ein Paradies für Ratten. Die verziehen sich dann in ihre Kuschelgebüsche und leben wie Gott in Frankreich“, sagt der Schädlingsbekämpfer, der in seinen 20 Dienstjahren auf dem Kiez schon so einiges erlebt hat.

Die Hamburger Gesundheitsbehörde meldete kürzlich einen Rekord von Hinweisen auf Rattenbefall: Waren es in 2015 noch 1281 Meldungen in der Hansestadt, so stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 1640 - Tendenz steigend. Spitzenreiter war dabei der Bezirk Wandsbek mit 450 Meldungen, gefolgt von Mitte mit 247 und Nord mit 245. Das Problem: Eine Ratte bringt es pro Jahr auf 600 Nachkommen. Und die übertragen jede Menge Krankheiten. „Damit die Rattenbekämpfung auch flächendeckend und über die einzelne Grundstücksgrenze hinaus durchgeführt werden kann, gibt es in Hamburg eine Rattenverordnung. Diese verpflichtet den Bürger dazu, Ratten oder Zeichen eines Rattenbefalls unverzüglich an die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz zu melden“, sagt deren Pressesprecher Ahrendt.

Gebucht wird er sowohl von Privatleuten und Unternehmen als auch von Städten und Kommunen. Die Aufgaben sind vielfältig: Viele Supermärkte, Bäckereien, Großküchen, Hotels oder Restaurants sind regelmäßige Kunden, um für ihren Betrieb eine nahtlose Schädlingsbekämpfung dokumentieren zu können. Gefühlt habe er auf St. Pauli schon in jedem dritten Haus gearbeitet, lacht er und erzählt die Geschichte, als er vor einigen Jahren zum Einsatz in einen Sado-Maso-Keller gerufen wurde. Ein ans Andreaskreuz geketteter Kunde hatte sich über Mausbefall beschwert. „Das war natürlich einfach nur Weltklasse. Ich hab meine Falle aufgestellt und bin wieder los.“

Ein weiteres berufliches Standbein für den Kammerjäger ist die Reinigung und Desinfektion von Krankenwagen oder Einsatzfahrzeugen der Polizei. „Man muss schon einen gesunden Magen haben und darf sich nicht vor Blut oder Exkrementen scheuen. Es geht aber auch um die Bekämpfung von gefährlichen Krankenhauskeimen oder Viruserkrankungen wie Hepatitis.“ Hauptgeschäft ist und bleibt die Schädlingsbekämpfung auf den Straßen und in den Gebäuden Hamburgs - ganz ohne die sagenhafte Flöte des Rattenfängers. Die bindet sich das Hamburger Original höchstens mal zum Karneval um.

 

 

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