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Silly im Interview : „Der Name AfD ist eine Lüge“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ein Gespräch mit Silly-Frontfrau Anna Loos und Gitarrist Uwe Hassbecker über alte Zeiten, das neue Album und Pegida

Silly war eine der wichtigsten Bands der DDR. Nach dem Mauerfall suchte sie nach neuen Wegen. Dann starb 1996 Frontfrau Tamara Danz mit nur 43 Jahren an Krebs. Vor gut zehn Jahren übernahm die Schauspielerin und Sängerin Anna Loos ihre Rolle. Heute erscheint mit „Wutfänger“ das dritte Album in dieser Formation. Auch im Gespräch mit Caroline Bock in der Plattenfirma ist Anna Loos die Frontfrau. Sie quatscht viel und gern. Buddy, der Schoßhund von Gitarrist Uwe Hassbecker, schlummert derweil friedlich in einer Tasche auf dem Boden. Caroline Bock sprach mit den beiden.

Das Lied „Wutfänger“ auf Ihrem neuen Album klingt politisch, als Ansage gegen Hass. Sie haben sich auf Facebook vergangenen Sommer für Flüchtlinge stark gemacht. Ist das jetzt die Fortsetzung einer Botschaft?
Loos: Der Song ist schon vor etwa zwei Jahren entstanden. Wir haben damals zusammengesessen und gedacht: Wenn hier nicht richtig etwas passiert, wird es einen echten Rechtsruck geben. Das ist etwas, vor dem wir Angst haben. Das war schon vor zwei Jahren totales Thema bei uns: Wer fängt die Leute auf? Was machen die Volksparteien? Beschäftigen sie sich mit den Leuten, die Angst haben, oder wird es einen Rechtsruck geben? Und den haben wir jetzt. Damit setzt sich dieses Lied auseinander. Wut wird erzeugt durch Angst. Man muss versuchen, den Leuten die Angst zu nehmen. Es wäre geil, wenn es einen Impfstoff geben würde, eine Schluckimpfung. Als erstes würde ich sie an alle Politiker weltweit verteilen.

Können Sie mit der Musik etwas ausrichten? Silly-Fans gehen doch eh nicht zu Pegida, oder?
Loos: Da bin ich mir nicht so sicher. Ich glaube, dass viele Leute auch unsere Platte hören, die vielleicht mal auf einer Pegida-Demonstration waren oder, vielleicht auch nur aus Protest, die AfD gewählt haben. Wir sagen: Der Name, AfD, ist eine Lüge. Das ist keine Alternative für Deutschland. Und wir stehen für Offenheit, Toleranz und Hilfsbereitschaft. Es geht vor allem darum, eine Haltung zu haben und damit Anstöße zu geben.

Hassbecker: Eigentlich will man es nicht wahrhaben, aber rechtes Gedankengut ist sehr tief in die Mitte der Gesellschaft eingesickert. Nicht nur als Künstler, als Band, sondern als Menschen haben wir die Verantwortung, Farbe zu bekennen und den Mund aufzumachen.

Haben Sie da schon in Ihrem Umfeld negative Erfahrungen gemacht?
Bei einem Konzert in Dresden mit Herbert Grönemeyer für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit, da hat jemand aus unserem direkten Umfeld gesagt, er versteht nicht, dass wir mitspielen. Da habe ich die Welt nicht mehr verstanden.

An Silly hat viele Jahre das Etikett „Ost-Band“ geklebt. Ist das heute noch so?
Loos: Wir sind halt aus dem Osten, das ist unsere Herkunft. Silly war für mich meine Jugend, Tamara meine Heldin. Ich verbinde viele Momente in meinem Leben mit Musik von Silly. Das waren einfach im Osten Stars. Es wird immer mit der Band zu tun haben, auch wenn es jetzt eine andere Konstellation und Zeit ist. Heute empfinden wir uns als Berliner Band. Für uns gesehen sind wir schon lange keine Ost-Band mehr. Unsere Wurzeln liegen dort und wir sind die Kinder des Ostens, aber den Osten gibt es seit 26 Jahren nicht mehr und so lange hat die Band in der DDR auch keine Musik gemacht. Wir denken, leben, arbeiten und lieben im hier und jetzt.

Hassbecker: Wir haben uns selbst während der Zeit in der DDR nicht als Ost-Band begriffen. Es ist auch kein Problem, so lange es mit den Erfahrungen und Empfindungen von Leuten zu tun hat, die wie wir, oder auch die mit uns im Osten groß geworden sind. Wenn es gemeint ist, um uns in eine Schublade zu stecken, dann ist es falsch.

Ist es traurig, dass es die Etiketten Ost/West noch gibt?
Hassbecker: Es nervt manchmal.

Ist Ihnen durch Silly schon mal eine Fernsehrolle flöten gegangen, Frau Loos?
Loos: Oh, einige, auch Kinorollen. Aber ich habe als Schauspielerin das Glück, dass ich meine Projekte planen kann. Als ich angefangen habe mit Silly, war es wie ein luxuriöses Hobby. Das hat sich geändert. Jetzt ist es fast mehr mein Erstberuf.

Wie funktioniert das Wechseln zwischen Schauspiel und Musik?
Loos: Das funktioniert ganz einfach. Ich bin ja auch noch Mutter, Freundin und Frau. Das habe ich gelernt im Laufe meines Lebens. Einfach abschalten. Ich schließe meine Haustür auf und sage: Ich bin jetzt Mutti. Das kann man lernen, autogenes Training. Sonst wird man ja verrückt. Man kriegt nicht immer alles unter einen Hut, manchmal ist auch Chaos.

Hassbecker: Das geht aber nicht nur ihr so. Das war heute auch nicht geplant, dass der Hund mit hier ist…

Spielt es für Sie eine Rolle, dass Sie mit Männern in der Band spielen?
Loos: Es gibt auch Frauen in unserem Team. Aber ich bin immer schon ein Jungstyp gewesen, hatte als Kind kaputte Knie, habe Fußball gespielt, hatte ein Mofa und habe mit meinem Vater in der Garage geschraubt. Ich hab auch Freundinnen, aber ich bin einfach sehr gerne mit Jungs unterwegs.

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erstellt am 06.Mai.2016 | 08:00 Uhr

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