Musical „König der Löwen“ : „Der mit dem Vogel tanzt“

Joachim Benoit, Darsteller im Musical „König der Löwen“
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Joachim Benoit, Darsteller im Musical „König der Löwen“

Joachim Benoit ist seit 15 Jahren Zazu im Hamburger Musical „König der Löwen“

Aufgeregt tänzelt Joachim Benoit als Nashorn-Vogel Zazu um Löwenkönig Mufasa herum und versucht ihm zu erklären, warum er auf die Löwenkinder Simba und Nala nicht richtig aufgepasst hat: Dabei hält der Musicaldarsteller seine aufwendig gestaltete Puppe wie ein Puppenspieler auf der linken Hand, mit der rechten Hand bewegt er die Mechanik des Vogels: Mal lässt er ihn mit seinen blauen Augenlidern klimpern, dann schmiegt er den Kopf des Vogels mit seinem langen, orangefarbenen Schnabel an Mufasas Brust, um ihn für sich einzunehmen. Doch alles Bitten und Betteln ist vergeblich: „Sarabi besteht darauf, dass ich Dich fristlos entlasse“, sagt der Löwen-König – was sich aber als Scherz herausstellt.

Fristlos entlassen – das wurde Joachim Benoit auch im wahren Leben noch nie, im Gegenteil: Er ist einer der wenigen Musicaldarsteller, die jahrelang ein und dieselbe Rolle spielen. Möglich wird das nur durch den Dauerbrenner „König der Löwen“, der seit 15 Jahren das Publikum im Hamburger Hafen begeistert. Mehr als elf Millionen Zuschauer haben das Musical nach dem gleichnamigen Disneyfilm um Löwenkönig Mufasa, seinen Sohn Simba und seinen eifersüchtigen Bruder Scar in mehr als 6000 Aufführungen bereits verfolgt–- und Joachim Benoit war von der er-sten Vorstellung an mit dabei: „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt er über seine Rolle des Zazu, die er sogar selbst mitgestalten durfte.

Neben Slapstick und Comedy sei es eine besondere Herausforderung, mit der Puppe umzugehen: „Die Zazu-Puppe ist die komplexeste Puppe in der Show: Sie hat das größte Ausdruckspotenzial, Augen, Schnabel, Hals, alles lässt sich bewegen“, erklärt Benoit in der Puppenwerkstatt des Musicals. Besonders das Hinfallen will gelernt sein: „Du musst dich fallenlassen, ohne dich mit den Händen aufstützen zu können.“

Am Anfang hatte er tagelang Muskelkater vom Tragen der Puppe, aber „mit ordentlich Massage“ habe er das in den Griff bekommen. Und das Wichtigste: „Mir macht mein Job wahnsinnig viel Spaß. Sonst wäre ich schon lange nicht mehr hier.“

Aufgewachsen ist Joachim Benoit in einer Handwerkerfamilie in dem kleinen Dorf Dellfeld in der Nähe von Saarbrücken. Das nächste Theater war meilenweit entfernt, doch als kleiner Junge begeisterte sich Benoit für amerikanische Musicalfilme wie „Ein Amerikaner in Paris“ mit Gene Kelly, Tanzfilme mit Fred Astaire und Ginger Rogers und die Serie „Fame – Der Weg zum Ruhm“. „So was will ich auch mal machen“, habe er sich gedacht – und den Weg konsequent verfolgt.

Schon in der Schule sang er im Chor, gründete eine Musical AG, die Michael Jacksons „Thriller“ und „Cats“ auf die Bühne brachte. Als er sich bei der Hamburger Stage School of Music bewirbt, lautet das Urteil: „Du kannst nichts. Aber du bist zu allem bereit, dich nehmen wir sofort“, erinnert sich der 45-Jährige.

Dadurch, dass alle Mitwirkenden beim „König der Löwen“ – von der Maskenbildnerin bis zum Tontechniker – schon so lange zusammenarbeiten, sei so etwas wie eine Ersatzfamilie entstanden. „Das ist schon etwas ganz Besonderes, was es nur selten in der Musicalbranche gibt.“

Trotzdem freut sich Joachim Benoit auch, wenn er in seiner Freizeit etwas ganz Anderes machen kann. „Dann arbeite ich gerne handwerklich“ – oder fährt zum Urlaub in die Musicalmetropolen nach London, Las Vegas oder New York. „Die machen dort einfach die besten Shows.“ Eine Rolle beim „Cirque du Soleil“, die würde den Allround-Künstler noch reizen.

Carola Große-Wilde

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