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Der Schleicher von Wimbledon : Der Meisterdieb von Wimbledon

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der „Schleicher“ führt die Polizei an der Nase herum. Seine Beute beträgt bisher etwa zehn Millionen Pfund

svz.de von
erstellt am 12.Apr.2016 | 21:00 Uhr

London hat viele exklusive Wohngegenden. Knightsbridge etwa, oder Hampstead, wo selbst bescheidene Villen einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Londons Meisterdieb hat sich dagegen ein Viertel im Südwesten der Stadt ausgesucht, das er zu seinem exklusiven Revier erklärt hat: Wimbledon, das Mekka des Tennissports, und der Wohnort von Reichen und Superreichen. Seit zehn Jahren macht er hier die Gegend unsicher, mehr als 200 Einbrüche gehen auf sein Konto. Auf rund zehn Millionen Pfund schätzt die Polizei seine bisherige Beute, und es sieht nicht danach aus, als ob er sich bald zur Ruhe setzen wollte.

Der „Wimbledon Prowler“ wird er genannt, der Schleicher von Wimbledon, weil er katzengleich im Schutz der Nacht auf seine Beutezüge geht, leise, unerkannt und nicht zu fassen.

2006 begann die Einbruchsserie. Typischerweise besucht der Meisterdieb seine Zielobjekte mehrfach, späht Alarmsysteme aus und knackt Schlösser. Oft nimmt er zuerst nur kleine Sachen mit – hier einen Ring vielleicht, dort etwas, aber nicht alles Bargeld aus einer Brieftasche. Spuren des Einbruchs gibt es nicht, wer etwas vermisst, mag denken, es war die Putzfrau. Wenn der „Wimbledon Prowler“ zum letzten Mal kommt, dann ist das allerdings nicht mehr zu übersehen. Eine Familie verlor einen Safe, in dem sich eine halbe Million Pfund an Juwelen befunden haben soll.

Der Mann plant seine Beutezüge methodisch, führt sie akribisch aus und Glück hat er auch. In den zehn Jahren seiner Tätigkeit ist er ein Dutzend Mal überrascht, aber niemals gefasst worden. Aufnahmen von ihm gibt es ebenfalls reichlich. Doch er weiß stets, wo die Überwachungskameras montiert sind, trägt einen Fischerhut und hält sich die Hand vors Gesicht, wenn er an den Kameras vorbeiläuft. In einem Video ist zu sehen, wie er einen Tresor aus dem Fenster auf den Rasen wirft und danach ruhig auf die Terrasse tritt und den schweren Safe durch den Garten schleppt.

Zu seinen Opfern gehört auch Boris Becker. Der deutsche Tennisstar, der Wimbledon zu seiner zweiten Heimat gemacht und sich dort eine Villa gekauft hat, ist mehrmals überfallen worden. „Es ist, als ob mir meine Freiheit genommen wäre“, klagte seine Ehefrau Lilly, „ich kann mein Wohnzimmer nicht mehr genießen, weil es zum Garten hinausgeht, durch den er ein paar Mal gekommen ist.“ Die Beckers haben jetzt neue Alarmanlagen eingebaut und ihr Heim in eine Festung verwandelt.

Ein anderes berühmtes Opfer ist der Fußballer Nicolas Anelka. Er hatte den Einbrecher auf frischer Tat ertappt und jagte ihn durch seinen Garten. Zu peinlich für den damaligen Premier-League-Fußballer, dass der Meisterdieb schneller war.

Und was tut die Polizei? Wohl ihr Möglichstes, aber es bringt nicht viel. Eine Taskforce von 30 Beamten ist dem Täter auf der Spur, doch bisher vergebens. Man hat Polizisten nächstens in Bäumen sitzen und in Gartenhütten lauern lassen, um ihm auf die Schliche zu kommen.

Kommissar Dan O'Sullivan, der die Taskforce leitet, hat die Öffentlichkeit zur Mithilfe aufgerufen. „Jemand muss diesen Mann kennen“, sagte er. Der Gesuchte soll Mitte Dreißig und mittlerer Körpergröße sein, heißt es, athletisch, gelenkig, organisiert und diszipliniert.

 

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