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TV-Tipp : Der große Trip - Wild

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Kaum eine Komödie ohne Reese Witherspoon. Die Blondine vom Dienst beherrscht Hollywoods Unterhaltung. Aber sie kann auch anders.

svz.de von
erstellt am 29.Aug.2017 | 00:01 Uhr

«Natürlich blond», «Natürlich blond 2», «Mein Schatz, unsere Familie und ich» oder «Woher weißt Du, dass es Liebe ist?» - Reese Witherspoon, heute 41 Jahre alt, hat Hollywoods Komödienkultur in diesem Jahrtausend deutlich mitgeprägt.

Die lustige Blondine kann aber auch anders. In dem 2014 entstandenen Spielfilm «Der große Trip - Wild» begibt sich Witherspoon auf Selbstfindungskurs - und nimmt dafür kilometerlange Strecken zu Fuß in Kauf. Das Erste zeigt den Film an diesem Dienstag um 22.45 Uhr.

Der Streifen basiert auf dem Bestseller «Der große Trip - Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst» von Cheryl Strayed. In der autobiografischen Erzählung beschreibt sie ihren Trek 1995 auf dem Pacific-Crest-Wanderweg, von der Mojave-Wüste an der Grenze zu Mexiko, durch Kalifornien und Oregon bis in den US-Staat Washington. Fast 1800 Kilometer legte die damals 26-Jährige in über drei Monaten alleine zurück.

Blutig gelaufene Zehen und blaue Flecken am ganzen Körper, Heroin-Spritzen und Sex mit Fremden: So kennt das Publikum Witherspoon noch nicht. Mit ihrer mutigen Tour-de-Force in ihrer Rolle als ehemalige Heroinsüchtige, die sich auf einen extremen Fußmarsch begibt, krempelt sie ihr Image um. «Der große Trip» war dann auch Oscar-verdächtig. Es blieb aber bei der Nominierung. Dasselbe gilt für den Golden Globe.

Es ist ein abenteuerlicher Trip, aber mehr noch eine Reise nach innen. Der plötzliche Krebstod ihrer Mutter hatte Strayed aus der Bahn geworfen. Sie flüchtete sich in Heroin und Sex mit Fremden, ihre Ehe platzte. Dann traf sie die mutige Entscheidung, ihr Leben in der Wildnis wieder in den Griff zu bekommen.

Ein schwieriges Unterfangen, sagt Witherspoon, die erstmals als Country-Sängerin June Carter in der Johnny-Cash-Biografie «Walk the Line» ernstgenommen und 2006 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, über ihren Film. «Die Hauptperson ist eine Frau, die am Ende kein Geld hat, keinen Mann, keine Eltern, keinen Job, keine Chancen, und doch ist es ein Happy End», erzählte sie vor dem US-Kinostart der «New York Times». Als Produzentin konnte sie den kanadischen Regisseur Jean-Marc Vallée («Dallas Buyers Club») gewinnen.

Der fängt die Mischung aus dem beschwerlichen Selbstfindungstrip und grandiosen Naturerlebnissen fesselnd ein. Witherspoon sieht man die Tortur an: ohne Make-up, mit Schrammen und Blasen an den Füßen, meist kämpferisch, aber auch dem Zusammenbruch nahe. Von Eitelkeit keine Spur. In Flashbacks wird das Leben der Protaginistin geschildert: Die eigenen Fehltritte und Lebensängste, die harte Kindheit in einer zerrütteten Familie, die enge Beziehung zu ihrer Mutter (Laura Dern), die jung stirbt.

Männer kommen nur am Rande vor, der Ex-Ehemann, One-Night-Stands und Begegnungen auf dem Wanderpfad. Doch «Der große Trip - Wild» ist kein reiner Frauenfilm. Das Drehbuch des britischen Autors Nick Hornby («About a Boy») berührt mit Lebensfragen, die sich jeder stellt: Wie lassen sich Grenzen überwinden? Wie kämpft man gegen Ängste an? Wie findet man zu sich?

Der große Trip im Ersten

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