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Revision gegen Falschaussage-Urteil : Der Fall Gina-Lisa: Vom Reality-Star zum Politikum

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Am 10. Februar kommt es erneut zu einer Verhandlung im Fall Gina-Lisa Lohfink. In einer Chronologie zeigen wir, wie der Reality-Star zum Politikum wurde.

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erstellt am 09.Feb.2017 | 19:57 Uhr

Mehr als vier Jahre zog sich das Verfahren um Gina-Lisa Lohfink. Nach einer Nacht im Juni 2012 hatte sie zwei Männer der Vergewaltigung beschuldigt. 2016 steht sie selbst wegen Falschaussage vor Gericht. Der Fall landete mehrfach vor Gericht und auf den Titelseiten der Zeitungen. Reporter, Fotografen und Kamera-Teams begleiteten Lohfink zu jedem Termin. Vor dem Gericht versammelten sich weibliche Demonstranten, die als #TeamGinaLisa die 30-Jährige unterstützten.

Ganz Deutschland diskutierte darüber, wie das „Nein“ einer Frau gewertet wird – der Fall befeuerte die Debatte um die Verschärfung des Sexualstrafrechts und Politiker schalteten sich ein. Am Ende wird Gina-Lisa zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt. Am 10. Februar kommt es erneut zu einer Verhandlung im Fall Lohfink. In der Revision soll das Urteil wegen falscher Verdächtigung gegen die gebürtige Hessin aufgerollt und auf Rechtsfehler überprüft werden. Doch wie konnte es soweit kommen? Eine Chronologie:

<p>Gina-Lisa Lohnfink.</p>

Gina-Lisa Lohnfink.

Foto: dpa

Anfang Juni 2012 feiert Gina-Lisa Lohfink mit ihrer Managerin Alex Sinner deren Geburtstag in Berlin. Später verlässt sie die Party in der Diskothek „Maxxim“ mit zwei Männern, Pardis F. und Sebastian C. Was danach in einer Wohnung nahe des Berliner Ku’Damms passiert, spaltet die Republik. Die Männer filmen sich und Gina Lisa beim Geschlechtsverkehr. Zwölf Videos entstehen an diesem Morgen. Einige Sequenzen werden später im Internet zu finden sein.

<p>Gina-Lisa Lohnfink.</p>

Gina-Lisa Lohnfink.

Foto: dpa
 

Am 8. Juni erstatte die ehemalige Kandidatin der Castingshow „Germanys Next Topmodel“ Anzeige gegen die Veröffentlichung der Videos. Eine Woche später wird diese um den Vorwurf der Vergewaltigung erweitert. Die Ausschnitte der Clips zeigen, wie Lohfink mehrmals „Nein“ oder „Hör auf“ zu Pardis F. und Sebastian C. sagt. Doch das Gericht schätzt die Situation anders ein. Die beiden Männer werden wegen der Veröffentlichung der Videos zu Geldstrafen von 4500 und 5400 Euro verurteilt. Eine Vergewaltigung sieht die Kammer nicht und die Staatsanwältin geht wegen Falschbeschuldigung gegen Gina-Lisa Lohfink vor.

<p>Das Model nach einer Verhandlung.</p>

Das Model nach einer Verhandlung.

Foto: dpa
 

Wegen falscher Verdächtigung soll das Model 24.000 Euro zahlen. Ab dem 1. Juni 2016 steht Lohfink erneut vor Gericht, weil sie die Aufforderung nicht akzeptiert. Obwohl der Prozess die Frage behandeln soll, ob die 30-Jährige die Männer zu Unrecht beschuldigt hat, befeuert er weiter die Diskussion über die Verschärfung des Sexualstrafrechts. Vor den Verhandlungen warten nicht mehr nur Journalisten auf das Model. Demonstranten versammeln sich vor dem Gericht und drücken mit Plakaten und lauten Rufen ihre Solidarität mit Lohfink aus. „Nein heißt Nein“ rufen sie und sehen sich als „Team Gina Lisa“.

<p>Demonstranten zeigen ihre Solidarität mit Gina-Lisa Lohfink. </p>

Demonstranten zeigen ihre Solidarität mit Gina-Lisa Lohfink.

Foto: dpa

Um eine Frau, die sonst die bunten Seiten der Klatschpresse und Reality-Formaten von RTL und Co. füllt, ist ein Politikum entstanden. Politiker wie Familienministerin Manuela Schwesig und Justizminster Heiko Maas äußern sich zu dem Fall und stellen sich auf Lohfinks Seite. Die Debatte kocht weiter hoch.

<p>Familienministerin Manuela Schwesig und Justizminister Heiko Maas. </p>

Familienministerin Manuela Schwesig und Justizminister Heiko Maas.

Foto: dpa
 

Im Juli bringt der Bundestag eine Reform des Sexualstrafrechts auf den Weg. Mit der Verschärfung soll sexuelle Gewalt künftig leichter bestraft werden. Damit folgen die Politiker den „Nein heißt Nein“-Rufen. Nicht nur Fälle, in denen Sex mit Gewalt oder Gewaltandrohung erzielt wird, sollen geahndet werden. Es reicht schon aus, wenn sich ein Täter über den „erkennbaren Willen“ seines Opfers stellt.

<p>Lohfink im Gerichtssaal. </p>

Lohfink im Gerichtssaal.

Foto: dpa
 

Währenddessen setzt sich Gina-Lisa Lohfink in ihrem Prozess in Szene. Obwohl sie zu denVorwürfen gegen sie im Prozess schweigt, bietet sie Fotografen und Kamera-Teams eine Show. Für Interviews mit Fernsehsendern wird die Gerichtsverhandlung unterbrochen, im Saal posiert sie mit gefalteten Händen. Neben ihren Anwälten begleitete sie ihr Freund und Kollege Florian Wess. Mit ihm tritt sie nicht nur als Duo Barbie und Ken in deutschen Großraumdiskotheken und mallorquinischen Bierstuben, sondern zieht auch an seiner Seite im Januar 2017 in das Dschungelcamp von RTL.

<p>Das Model mit seinen Anwälten und Kollege Florian Wess (Mitte).</p>

Das Model mit seinen Anwälten und Kollege Florian Wess (Mitte).

Foto: dpa
 

Anfang August gehen die von ihr beschuldigten Männer juristisch gegen Lohfink vor. In einer Anzeige werfen sie ihr falsche Verdächtigung, Verleumdung, Beleidigung und üble Nachrede vor. Wenige Wochen später wird das Model vor dem Kriminalgericht Moabit zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt. Richterin Antje Ebner hat keinen Zweifel daran, dass der Sex zwischen Gina Lisa, Pardis F. und Sebastian C. einvernehmlich geschah. Zudem beschreibt sie das Vorgehen Lohfinks und ihrer Anwälte als „Verhöhnung und Irreführung aller Frauen und Männer, die tatsächlich Opfer einer Straftat geworden sind.“

<p>Demonstranten am Tag der Urteilsverkündung. </p>

Demonstranten am Tag der Urteilsverkündung.

Foto: dpa
 

Ihre Anwälte erklären zunächst in Berufung gehen zu wollen, die Politik wendet sich von Lohfink ab. Nach Gina-Lisas Auftritt im Dschungelcamp wartet nun am 10. Februar der nächste Prozess am Berliner Kammergericht auf das Model. Die Verteidiger haben sich nun für eine Revision entschieden und wollen klären, ob Rechtsfehler in der Verhandlung gemacht wurden. Hierfür werden weder neue Beweise erhoben noch Zeugen gehört. Auch Gina-Lisa Lohfink muss nicht anwesend sein. Die Presse wird sicherlich vor Ort sein.

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