zur Navigation springen
Leute

22. Oktober 2017 | 23:14 Uhr

Interview : Der Bart bleibt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Viele kennen Schauspieler Antoine Monot Jr. aus der Werbung - als „Tech-Nick“. Heute spricht er über Trends, Internet und den „Fall für zwei“.

svz.de von
erstellt am 24.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Das gemütliche Äußere täuscht – Antoine Monot Jr. ist eher der Typ Hans Dampf in allen Gassen. Als „Tech-Nick“ ist er zur Werbeikone aufgestiegen, im ZDF-Krimiklassiker „Ein Fall für zwei“ (neue Folgen ab 30. Oktober) ist er in die Fußstapfen des großen Günter Strack getreten, bei Facebook folgen ihm über 35  000 Menschen und jetzt hat er auch noch sein erstes Buch geschrieben. Vor einer Lesung in Celle unterhalten wir uns in seinem Hotel über Computer, Bärte, Schweineschultern und den „Fall für zwei“.

Der Tech-Nick in Ihnen muss jetzt ganz tapfer sein.
Warum?

Ich werde dieses Interview mit einem Walkman aus dem letzten Jahrtausend aufzeichnen.
Da bin ich ziemlich schmerzfrei. Ich weiß nicht, wie Tech-Nick reagieren würde, aber ich habe damit überhaupt kein Problem.

Dabei sind Sie selbst doch auch ein ziemlicher Computer-Freak, wenn ich mir ansehe, was Sie alles twittern und posten. Bei Facebook haben Sie mittlerweile über 35  000 Follower. Und denen antworten Sie allen, wenn die was schreiben?
Ja klar, ich lese jeden Beitrag und beantworte in der Regel auch alles.

Da gibt’s dann Leute, die Sie dazu beglückwünschen, dass Sie abgenommen haben. Haben Sie?
Ja, aber schon seit zwei Jahren.

Dennoch gibt’s im neuen „Ein Fall für zwei“ ein Kind, das seine Mutter fragt „Mama, warum schreit der dicke Mann so?“.
In dieser Szene fand ich das genau richtig. Wenn mich das gestört hätte, dann hätten wir es so nicht gedreht.

Der Bauch ist also nicht mehr. Ihr Markenzeichen, der Bart schon. Was war zuerst da – Ihr Bart oder der Trend zum Bart?
Den Bart habe ich mir 2010 wachsen lassen, da gab es diesen Trend noch nicht. Ein knappes Jahr später wurde es dann Trend, richtig populär wurde es 2012 oder 2013, da hatte dann plötzlich jedes männliche Model auf jedem Plakat einen Bart. Als Trendsetter fühle ich mich jedenfalls nicht. Und ich werde den Bart auch noch haben, wenn der Trend wieder vorbei ist.

Stört so ein Rauschebart nicht beim Küssen und beim Essen?
Überhaupt nicht.

Bleiben wir kurz beim Essen: Sie haben mal gesagt, dass Sie es entspannend finden, einer Schweineschulter vier Stunden lang beim Garen zuzusehen.
Sechs Stunden. Aber ich schau ihr dabei nicht die ganze Zeit zu. Das war wohl eher die bildliche Umschreibung des Redakteurs, der das geschrieben hat. Aber es stimmt: Ich schmore sehr gerne – wenn Fleisch schmort, wird es einfach großartig.

Offenbar bei niedrigen Temperaturen, sonst würde die Schweineschulter keine sechs Stunden brauchen.

Nein, das nicht. Es hat dann schon 130 Grad. So eine ganze Schweineschulter sind ja schließlich vier, fünf oder sogar sechs Kilo. Wenn man die gut mariniert, die Schwarte einschneidet, schön bei 180, 190 Grad zehn Minuten auf beiden Seiten anbrät und dann sechs Stunden bei 130 Grad schmoren lässt, zerfällt das Fleisch und ist wahnsinnig saftig.

Ihre Spezialität?
Schmorgerichte überhaupt sind meine Spezialität. Zum Beispiel Spareribs, die drei Stunden schmoren und dann quasi vom Knochen fallen – sensationell.

Zurück zum Bart: Für Ihren Werbeauftritt als „Tech-Nick“ hätte man Sie lieber ohne Bart gehabt...
Stimmt, die haben sich überlegt, ob sie mich mit Bart wollen. Wir waren aber gerade mitten im Dreh von „Ein Fall für zwei“. Deshalb stand es außer Frage, den Bart abzunehmen.

Wie sind Sie aus der Nummer rausgekommen?
Gar nicht. Es war klar, wenn die mich wollen, müssen sie mich so nehmen wie ich bin.

Bei „Ein Fall für zwei“ war der Bart aber kein Thema?
Doch, da war das ein Thema, auch weil Bärte noch nicht so in waren wie jetzt. Da wurde darüber diskutiert, ob der Bart bleiben soll und wenn ja, ein bisschen kürzer. Heute ist das gar kein Thema mehr.

Ein anderer Teil der Marke Antoine Monot ist das nachgestellte Junior. Es gibt also einen Senior.
Das ist auch in meinem Fall so (lacht). Ich bin der Sohn meines Vaters.

Ihr Vater heißt auch Antoine?

Nein. In meinem Fall war es so, dass ich immer die Miniaturausgabe meines Vaters war. Es hieß immer: Da kommt der kleine Monot, der Monot junior. So wurde ich als Kind ständig genannt und habe es dann später in meinen Namen übernommen.

Sie haben früher mal Autogramme gesammelt und für eins von Ulrich Tukur stundenlang am Hinterausgang eines Theaters gewartet.
Er ist ein sensationeller Schauspieler, einer der größten, die wir haben, ein unfassbares Talent. Er spielte damals in Wien „Freudiana“, ein Musical über Freud, Peter Weck führte Regie. Und da bin ich als Jugendlicher hingefahren, habe mir das angeschaut und mir nachher ein Autogramm geholt. Dafür habe ich über zwei Stunden gewartet, das war's mir wert.

Und dann wollten Sie auch einer werden, der später mal Autogramme schreibt?
Nein, ich wollte gerne Schauspieler werden, aber nicht unbedingt ein Autogrammschreiber. Es ging mir immer um den Inhalt, um die Schauspielerei als solche.

Und das ging ziemlich früh los – mit 15 auf die Schauspielschule in Zürich, ein Jahr später wieder rausgeflogen.
Ich war halt wahnsinnig jung. Mit 15 ein Hochschulstudium an der Schauspielschule aufzunehmen hat nicht funktioniert.

War das Thema Schauspielerei damit erst mal abgehakt?
Überhaupt nicht. Ich habe sofort danach den Kinofilm „Tschäss“ gedreht, eine schweizerisch-deutsch-österreichische Koproduktion. Man muss halt in seinem Leben immer wieder Entscheidungen treffen, das ist jedes Mal wie an einer Weggabelung – man weiß nie genau, was passiert, wenn man jetzt links oder rechts geht.

In dem Wort Entscheidung steckt ja auch das Wort Scheiden. Das heißt, man muss sich immer von etwas trennen, nämlich von der anderen Möglichkeit. Deswegen weiß ich nicht, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich die Schauspielschule abgeschlossen hätte. Mit dem, was ist, bin ich auf jeden Fall zufrieden.

Zwischenzeitlich hatten Sie ja ganz abenteuerliche andere Beschäftigungen – einen Porno-VHS-Versand und in Zürich waren Sie Surflehrer in einem Internetcafé.
Das mit dem Versand haben wir mal versucht, als ich 15, 16 war, aber wir hatten dann auch relativ schnell wieder andere Interessen. Anfang, Mitte der neunziger Jahre war ich dann im „Cybergate“, dem ersten Internetcafé Europas. Da habe ich anderthalb Jahre lang als Surflehrer gearbeitet.

Sie haben den Leuten beigebracht, wie man im Internet surft?

Genau. Das „Cybergate“ bestand damals aus acht Rechnern und funktionierte nur in Kooperation mit IBM – die stellten eine Internetleitung zur Verfügung, die es technisch überhaupt erst ermöglichte, mit acht Rechnern gleichzeitig ins Internet zu gehen.

Würde es Sie nicht reizen, das Thema Computer auch in den „Fall für zwei“ mehr einzubringen?
Wenn es für die Geschichte Sinn macht, kann man natürlich auch das Thema Computer einbringen. Aber wir drehen ja auch nicht ständig auf dem Golfplatz, nur weil einer von uns gerne golfen geht (lacht). Ich finde, man sollte seine privaten Vorlieben da eher rauslassen.

Sind Sie denn überhaupt an Drehbuchentwicklung und Figurenzeichnung beteiligt oder spielen Sie die Rolle vom Blatt wie es kommt?

Wanja Mues und ich bringen uns ziemlich stark ein, gerade was die Figurenzeichnung betrifft. Das ist uns beiden sehr wichtig. Bei den einzelnen Fällen geben wir zwar unseren Senf dazu, gehen aber nicht so tief hinein. Uns liegt vor allem das Verhältnis unserer Figuren auch zueinander am Herzen.

Was ist Ihnen besonders wichtig?
Die Figuren müssen etwas zu erzählen haben. Es muss in der Horizontalen stimmig sein, also wenn Figuren und Episoden folgenübergreifend erzählt werden. Wir haben wechselnde Autoren und wechselnde Regisseure, wir haben keinen sogenannten Showrunner, wie man ihn aus Amerika kennt. Nahezu die einzigen Konstanten in der künstlerischen Entwicklung sind, neben dem Produzenten natürlich, Wanja und ich, deswegen engagieren wir uns sehr. Das ist auch unsere Aufgabe, auch dafür werden wir bezahlt.

Was ist in Ihren Augen der größte Unterschied zur ersten Staffel mit Ihnen und Wanja Mues?
Wir haben ziemlich genau analysiert, was in der ersten Staffel gut funktioniert hat und das haben wir dann verbessert. Das Verhältnis zwischen der Figur von Wanja und mir, das haben die Zuschauer sehr gerne gesehen, wie sie zueinander stehen, welche Reibungen sie haben.

Gab's auch Dinge, die weniger gut funktioniert haben?
Wir haben gemerkt, dass die Fälle einfacher werden sollten. Nach 30 Jahren „Ein Fall für zwei“ brauchten wir für uns einen Befreiungsschlag, um uns vom Alten zu lösen. Der war da, jetzt können die Fälle auch wieder ein bisschen einfacher werden.

Aus „Ein Fall für zwei“ wird jetzt ja quasi „Ein Fall für drei“: Bettina Zimmermann ist künftig regelmäßig als Staatsanwältin zu sehen.
Das hat mich persönlich sehr gefreut, weil ich sie kenne und sehr mag. Es macht irre Spaß, mit ihr zusammen zu spielen. Sie ist jetzt in allen vier Folgen dabei, und sie wird auch in der nächsten Staffel dabei sein.

Waren 30 Jahre „Ein Fall für zwei“ mit Claus Theo Gärtner als Matula eine Last?
Nein, überhaupt nicht. Es hat viele Gespräche gegeben, ob wir dem Ganzen einen anderen Titel geben – und ich war dabei immer ein Befürworter des alten Titels. „Ein Fall für zwei“ ist doch eine Supermarke, die wir da haben, die sollten wir weiterentwickeln und modernisieren. Ich habe darin eher eine Chance als eine Bürde gesehen.

Letztens waren Sie im „Tatort“ ein Sniper – ein Serienmörder, der das Recht in die eigene Hand nimmt. Ist so eine Schurkenrolle nicht reizvoller als die des Guten, also des Anwalts Benni Hornberg?
Das würde ich nicht sagen. Mir macht es Spaß, eine Figur zu spielen, die Ecken und Kanten und etwas zu erzählen hat. Ob das ein Sniper, ein Restaurantbesitzer oder ein Anwalt ist, ist erst mal völlig egal. Natürlich war der „Tatort“ ein echtes Geschenk.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen