Großbritannien : Dem Wunderbaby geht es gut

Erleichtert tätscheln Naomi Findlay und Dean Wilkins ihre kleine Tochter Vanellope Hope.
Erleichtert tätscheln Naomi Findlay und Dean Wilkins ihre kleine Tochter Vanellope Hope.

Kind mit außen liegendem Herzen geboren – „Sah aus wie ein kleiner Hamster mit Hut“

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15. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Als Vanellope Hope Wilkins selbst 20 Minuten nach ihrer Geburt noch immer aus vollem Hals schrie, atmeten ihre Eltern zum ersten Mal seit vielen Monaten erleichtert auf. Glücklich und mit Tränen in den Augen bewunderten Naomi Findlay und Dean Wilkins ihr neugeborenes Mädchen, dessen Körper zu diesem Zeitpunkt in einen sterilen Plastikbeutel gewickelt war. Die Maßnahme war überlebenswichtig, um Infektionen zu verhindern. Denn das Baby litt unter einem äußerst seltenen Geburtsdefekt: Das Herz von Vanellope Hope schlug außerhalb der Brust, auch ein Teil des Magens befand sich außerhalb des Körpers.

Nun gab das zuständige Glenfield Hospital in der mittelenglischen Stadt Leicester Entwarnung: Nach drei großen Operationen gehe es dem drei Wochen alten Mädchen gut, teilten die Ärzte mit. Experten zufolge ist es wohl das erste Baby im Königreich, das diesen seltenen Defekt überlebt. Ein „Wunder“ nennen es die Eltern. Noch muss es künstlich beatmet werden, weil die Organe sich erst Platz verschaffen müssen, jetzt, da auch das Herz dazugekommen ist.

Naomi Findlay war neun Wochen schwanger, als die Eltern nach dem routinemäßigen Ultraschall von der Schockdiagnose erfuhren: Bei der angeborenen Fehlbildung Ectopia Cordis, so die wissenschaftliche Bezeichnung, liegt das Herz nicht wie bei gesunden Menschen hinter dem Rippenbogen im Brustkorb, sondern außerhalb davon. Die Ärzte rieten der 31-jährigen Findlay und dem 43 Jahre alten Wilkins, die Schwangerschaft abzubrechen. Es sei die einzige Option, hieß es. „Beim Blick auf das Ultraschallbild wussten wir nicht, was wir da anschauten. Es sah aus wie ein kleiner Hamster mit einem Hut auf“, sagt der Vater.

Auch wenn die Eltern verzweifelt waren, sie entschieden sich gegen eine Abtreibung, wollten das Risiko eingehen und die Hoffnung nicht aufgeben. Trotz der Statistik, laut der die Überlebenschance von Babys, die diese Fehlbildung haben, bei weniger als zehn Prozent liegt. Am 22. November brachte ein Team von 50 Spezialisten das Mädchen per Kaiserschnitt auf die Welt. Eine Stunde danach wurde es zum ersten Mal operiert. Die Ärzte setzten das Herz so weit wie möglich zurück in den kleinen Körper. Doch erst in einer dritten Operation konnten die Mediziner die Brust des Babys mit der eigenen Haut verschließen, die sie unter dem Arm entnahmen. Weil Vanellope ohne Rippen und Brustbein geboren wurde, strickten die Chirurgen zudem ein Netz, das das Herz des Mädchens schützen soll.

Nicht nur die Ärzte sind begeistert von dem seltenen Fall, der gut auszugehen scheint. „Es ist überwältigend“, sagt die Mutter. „Ich bin so froh, dass ich nicht lockergelassen habe und die Schwangerschaft nicht abgebrochen habe.“

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