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Stars auf dem roten Teppich : Dauerlächeln ist „ein reiner Albtraum“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Berlinale, Grammys, bald die Oscar-Verleihung: Dauerlächeln auf dem roten Teppich. Aber was halten Stars eigentlich von dieser Show?

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Sie sitzen auf dem Rücksitz ihrer Limousine, richten nochmal Abendkleid oder Smoking, checken die Frisur. Es ist die Stille vor dem großen Blitzlichtgewitter. Dann öffnet sich die Autotür. Raus ins Getümmel. Rauf auf den roten Teppich. Für die Stars sind die nächsten Meter nicht nur Glamour, sondern vor allem Arbeit.

Fans wollen Selfies, Fotografen den perfekten Schnappschuss, Reporter knackige Zitate. Der ganz normale Promi-Wahnsinn eben. „Der rote Teppich ist ein Spiel“, sagt Sängerin Nena. „Wenn man Lust darauf hat, ist das ganze Getrudel okay. Ich reiße mich aber nicht darum, auf roten Teppichen ,zu spielen‘.“

Immer lächeln, immer freundlich, immer gut gelaunt. Nicht jedem Promi ist danach zumute. Judith Holofernes, Frontfrau von Wir sind Helden und mittlerweile solo unterwegs, geht nur noch ungern zu solchen Events. Vor allem wegen der wild durcheinander rufenden Fotografen. „Es ist einfach eine furchteinflößende Situation. Man wird von vorne bis hinten angeschrien. Zeitgleich soll man aber entspannt und passabel aussehen. Die Fotos, die dabei entstehen, sind für immer im Internet. Ich finde es einen reinen Albtraum.“

Das sieht die amerikanische Sängerin Miley Cyrus genauso. Sie kündigte im vergangenen Jahr an, nie wieder über den Promi-Teppich zu gehen. „Warum sollte ich, während Menschen hungern, auf einem roten Teppich sein? Weil ich wichtig bin? Weil ich berühmt bin? So bin ich nicht gestrickt.“ Und Til Schweiger erklärt bei der Berlinale: „Wenn ich mal durch den Hintereingang auf eine Gala gehen kann, feier ich das immer wie einen kleinen Sieg.“

Für andere ist der Teppich-Dreiklang aus Fans, Fotografen und Fragestellern verlockend. Schließlich können Musiker und Schauspieler sich und ihre neuen Songs und Filme optimal vermarkten. „Es ist eine gute Gelegenheit, auf aktuelle Projekte aufmerksam zu machen, Fragen zur neuen Platte zu beantworten, aus denen dann Meldungen gemacht werden. Das ist sinnvoll“, meint etwa Smudo von den Fantastischen Vier.

Auf den ersten Blick weniger sinnvoll erscheinen allerdings die Fragen, die sich viele Reporter – nicht nur aus dem Boulevard – für den kurzen Star-Smalltalk ausdenken. „Was sagen Sie zur Lage in Syrien?“, „Wie war Ihr erster Kuss?“ „Haben Sie Frühlingsgefühle?“ gehören zum Standard. „Es ist oft belanglos. Ich werde wirklich jedes Jahr gefragt, was ich Weihnachten mache. Und jedes Jahr sage ich, dass ich mit der Familie feiere“, sagt Smudo amüsiert.

Schauspieler und Teppich-Routinier Matthias Schweighöfer drückt es so aus: „Es ist immer wieder spannend, weil man nicht weiß, mit welchen kongenialen Fragen die Journalisten auf einen zukommen. Kann man richtig antworten oder bleibt einem nur die Lüge?“

„Albtraum“, „Spiel“, „Lüge“ – mit Glanz und Glamour hat der Promi-Teppich für viele Stars offenbar nichts zu tun.

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