zur Navigation springen
Leute

18. November 2017 | 20:50 Uhr

TV-Tipp : Das Luther-Tribunal

vom

Die evangelische Kirche feiert 500 Jahre Reformation. Das ZDF-Dokudrama am Reformationstag konzentriert sich jedoch nicht auf das Jahr 1517, sondern auf den April 1521. Und es spart sehr menschliche Nöte des Reformators nicht aus.

svz.de von
erstellt am 31.Okt.2017 | 00:01 Uhr

«Hier stehe ich, ich kann nicht anders» - mit diesen Worten soll Martin Luther 1521 seine Kritik am Papst vor dem Wormser Reichstag als Gewissensentscheidung verteidigt haben.

Das Zitat sei ihm jedoch angedichtet worden, so die Macher des Dokudramas «Das Luther-Tribunal», das das ZDF am Reformationstag (20.15 Uhr) zeigt. Mit ihrem Film wenden sich Autor Friedrich Klütsch und Regisseur Christian Twente gegen die Verklärung des Reformators.

Sie wollen ihn als Menschen zeigen, mit Zweifeln und Schwächen. So gibt es gleich drei Szenen, deren Überschrift lauten könnte: «Hier sitze ich und kann nicht». Denn Luther leidet unter Verstopfung und macht daraus auch kein Geheimnis.

Im Zentrum des Dokudramas steht die Begegnung zwischen Luther, (Roman Knizka) Kaiser Karl V. (Mateusz Dopieralski). Weitere Hauptfiguren sind Luthers Schutzpatron Friedrich III., Kurfürst von Sachsen (Bernd Stegemann), der Papstgesandte Hieronymus Aleander (Alexander Beyer) und der Leiter des Tribunals, Johann von der Ecken (Holger Daemgen). Der fordert Luther auf, sich zu seinen antipäpstlichen Schriften zu bekennen und sie zu widerrufen. Doch Luther fügt sich nicht.

Kurfürst Friedrich III. fühlt sich dem 19-jährigen Kaiser ebenbürtig und lädt ihn vor und nach dem Tribunal zu einem Wannenbad ein. Nebeneinander im warmen Wasser sitzend, macht der Senior dem kaiserlichen Neuling klar, wie Politik geht. «Wir lieben dich doch alle», versichert er seinem Badegast. Der Papst, der Luther schon zum Ketzer erklärt hat, behält nicht das letzte Wort.

Der Film konzentriert sich auf den April 1521 - das ist 496 Jahre her, nicht 500. Die Filmemacher rechtfertigen diese Entscheidung so: Worms sei der entscheidende Wendepunkt der Reformation gewesen. Außerdem sei das Tribunal viel besser dokumentiert als der Thesenanschlag zu Wittenberg, erklärt Filmredakteur Stefan Brauberger.

Im ersten Verhör vor dem Kaiser fehlen Luther noch die Worte, er weiß nicht einmal, wie er Kaiser und Reichsstände anreden soll. Der «Mönch aus Wittenberg» bekommt einen Tag Bedenkzeit. Er nutzt sie und übt seinen Auftritt in einem Stall. «Mächtigster Kaiser!» - so redet er einen Ochsen an, «Durchlauchtigste Fürsten!» die Schweine. Unter dem Gegacker von Hühnern kehrt seine Redekunst zurück.

Luther findet die Kraft für einen starken Auftritt, an dessen Ende er ausruft: «Solange ich nicht durch Zeugnisse der Schrift oder durch die Vernunft überwunden werde, solange werde ich nur meinem Gewissen gehorchen und nichts widerrufen.» Dass das sehr sperrig formuliert ist, erkennt im Film einer seiner Gefährten beim Druck der Rede in Wittenberg. Er fügt der Flugschrift das berühmte Zitat hinzu: «Hier stehe ich, ich kann nicht anders.»

Pressemappe

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen