TV-Tipp : Das große Insektensterben

Eine Libelle mit leicht beschädigten Flügen landet auf einem Holzgeländer - immer mehr Insektenarten sterben aus.
Eine Libelle mit leicht beschädigten Flügen landet auf einem Holzgeländer - immer mehr Insektenarten sterben aus.

Seit Jahren schrillen bei Naturschützern die Alarmglocken. Immer mehr Insektenarten sterben aus. Eine Arte-Dokumentarfilmer schildert den Status Quo der Menschheit aus der Sicht von Bienen, Libellen und Co.

svz.de von
24. November 2018, 00:01 Uhr

Der Regisseur Torsten Mehltretter befasst sich seit vielen Jahren auf filmische Weise mit gefährdeten Tierarten.

An diesem Samstag (21.55 Uhr) zeigt der Kultursender Arte seine Naturdokumentation «Das große Insektensterben» - sie soll etwas an der Wahrnehmung eines Problems ändern, das vor allem deshalb so massiv ist, weil es auf den ersten Blick kaum einer erkennt.

Es geht um Insekten. Um Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Libellen, deren Populationen seit vielen Jahren kontinuierlich sinken. Erst 2017 veröffentlichten Experten neue Studien. Erstmals belegten auch Langzeitbeobachtungen, was Wissenschaftler bereits über kurze Zeitabstände feststellen konnten. Sie kommen zu einem schockierenden Ergebnis: In den letzten 30 Jahren sind rund 75 Prozent der Insekten von unserem Planeten verschwunden.

Thematisch ähnliche Naturdokumentationen wie «More Than Honey» haben zum Teil große mediale Aufmerksamkeit auf Filmfestivals erlangt und es damit auch zu einer gewissen Popularität gebracht. Mehltretter setzt in seinem Film «Das große Insektensterben» bei kein Wissen voraus: Er definiert das Problem, schildert die Folgen, formuliert Gründe und zeigt mögliche Lösungswege auf.

Dazu gehört, dass er dem Zuschauer erst einmal näherbringt, wofür Insekten wichtig sind: Sie sind Bestäuber, Aasverwerter, Pflanzen- sowie Fleischfresser und halten dadurch entscheidende Kreisläufe der Natur aufrecht. Was passiert also, wenn die kleinen Lebewesen plötzlich nicht mehr da sind? Forscher aus aller Welt, von denen in «Das große Insektensterben» unzählige zu Wort und letztlich zum selben Ergebnis kommen, befürchten, dass der Kreislauf des Lebens selbst dadurch ins Wanken geraten könnte.

Das größte Problem: Der Rückgang der Arten ist nach Aussage des Films bis zum jetzigen Zeitpunkt unumkehrbar. Der Prozess lässt sich zwar verlangsamen, doch die besagten 75 Prozent fehlen der Erde für immer. Wer daran zweifelt, dem liefert Mehltretter sogar für Laien ersichtliche Beweise, etwa wenn ein Forscher mitten in der Nacht große Netze im Wald aufstellt, mithilfe von Zuckerwasser Nachtschwärmer anlockt und trotzdem kaum welche auftauchen.

Die Gründe dafür sind schnell aufgezählt: Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel, städtische Bebauung und massiver Rückgang von Grünflächen. Dafür werden vor laufender Kamera Bienen seziert und Insektenherzen unter dem Mikroskop begutachtet. Und immer wieder stellt Mehltretter poetisch anmutende Aufnahmen von in freier Wildbahn lebenden Insekten Bildern gegenüber.

Die Leidenschaft für die Thematik ist den an diesem Filmprojekt beteiligten Insektenliebhabern zu jedem Zeitpunkt anzusehen. Umso mehr hallt mit dem Abspann von «Das große Insektensterben» die Erkenntnis nach, dass ein Masterplan für eine Lösung des Problems noch lange nicht in Sicht ist. Doch wenn Mehltretter mit seinem Film eines gelingt, dann das Schaffen einer Sensibilität dafür, wie wichtig Insekten für uns sind.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen