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Hamburg : „Das größte Kaff der Welt“

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Autor des Buches „111 Gründe, Hamburg zu hassen“ hasst Hamburg gar nicht so sehr

Sehr ruhig, fast ein bisschen schüchtern wirkt Uwe Uns, wie er dort auf einem Flachdach im Hamburger Stadtteil St. Pauli hockt. Doch die Worte, die er in gelben Lettern an einen Schornstein pinselt, sprechen für ein anderes Gemüt. „Hamburg ist wie der 111 Kilo schwere Schlüssel für den Keuschheitsgürtel Ihrer Angebeteten“ schreibt er. Es ist eine Textstelle aus seinem Buch „111 Gründe, Hamburg zu hassen“, das am Sonnabend erscheint.

Schon am Vortag liest er in einer Kunstgalerie in der Innenstadt aus dem Werk. Auf 260 Seiten beschreibt Uwe Uns, warum Hamburg „das größte Kaff der Welt“ und „ein Moloch mit verschiedenen Leveln“ ist. Er hasse Hamburg, „weil die Mieten Nieten sind“ und weil beim Schlagermove „mehrere dutzend Trucks mit blöd winkenden Menschendarstellern in einer Parade des Schreckens“ durch St. Pauli fahren. Ein besonders schlechtes Zeugnis erhält der Straßenverkehr: „Hassen Sie Hamburg ruhig. Hamburg hasst Sie auch. Zumindest, wenn Sie Radfahrer sind.“

„Uwe Uns“ ist nur ein Deckname, unter dem der 41-Jährige über die Kreuzfahrtbegeisterung der Hamburger, Hagenbecks Tierpark oder die Eigenarten der „Deppendorfer“ herzieht. Nach eigenen Angaben lebt der Autor seit zehn Jahren in der Stadt. „Im dritten Jahr habe ich gemerkt, wie schlimm es hier ist“, sagt der bärtige Mann mit seichtem bayerischen Dialekt. Er tarnt sich mit einer Sonnenbrille und tief ins Gesicht gezogener Mütze, auf der gewollt falsch „Hambrug“ steht. Bald habe er festgestellt, dass in Hamburg alles zur Touristenattraktion tauge, was „die niedrigsten menschlichen Bedürfnisse anspricht“, wie zum Beispiel der Fischmarkt, der „vom Flair her stinkt“. Schlimmer noch seien die Touristen, die „die Stadt verstopfen“.

So harsche Worte treffen nicht überall auf Zuspruch. „Touristen beleben unsere Stadt – im positiven Sinne“, sagt der Sprecher der Hamburg Tourismus GmbH, Sascha Albertsen. Vorbehalte der Bürger gegenüber wachsenden Gästezahlen nehme man aber sehr ernst. „Ich habe in meinem Buch nichts beschrieben, was ich in Wirklichkeit mag“, betont Uwe Uns, der nach eigenen Angaben Sozialarbeiter ist.

Nur beim FC St. Pauli habe er sich schwer getan. Der sei nicht wirklich „hassenswert“, erhält im Buch dann aber doch eine ordentliche Abreibung. Zum Vorwurf, der FC St. Pauli sei „schlimmer als eine Lebensmittelvergiftung und die FDP“, möchte sich der Verein nicht äußern. Auch das Hamburger Franzbrötchen kommt bei Uwe Uns nicht gut weg. Es sei „eine missglückte Version der gemeinen Zimtschnecke“, schreibt er. Bäcker Jürgen Berg, der sein Handwerk seit 61 Jahren ausübt, sieht da feinere Unterschiede. Die traditionelle Zimtschnecke bestehe nun mal aus Hefe-, die Hamburger Version aus Blätterteig.

Dass so mancher Kritiker es nicht gerade mutig finden könnte, unter einem Decknamen mit Hamburg abzurechnen, sei ihm „egal“, sagt Uwe Uns und rührt dabei in der gelben Fingerfarbe. Als ein paar Sonnenstrahlen durch den grauen Oktoberhimmel brechen, zieht er die Brille ein Stück von der Nase. Sein Blick schweift über die Dächer von St. Pauli. „Schöne Stadt, dieses Hamburg“, sagt er – ohne dabei die Stimme zu heben.

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