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Harry Belafonte : „Daaaay-ooo, day-ay-ay-ooo"

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Calypso-King“ Harry Belafonte wird heute 90 – und gibt sich fröhlich und kämpferisch wie eh und je

svz.de von
erstellt am 01.Mär.2017 | 08:00 Uhr

Das größte Geschenk kommt von seiner Heimatstadt New York: Grammy, Oscar und viele andere Preise hat Harry Belafonte schon. Doch nun wird gleich eine ganze Stadtteil-bibliothek seinen Namen tragen, natürlich in Harlem, da wo er heute vor genau 90 Jahren geboren wurde. „Harlem hat einen ganz speziellen Platz in meinem Herzen und ich fühle mich geehrt, dass ich jetzt einen speziellen Platz in Harlem haben werde“, kommentierte Belafonte.

Mit zwei lang gezogenen Silben wurde Belafonte einst zum Weltstar: „Daaaay-Ooo“ singt er zum Auftakt des Calypso-Hits „Banana Boat Song“, längst ein Ohrwurm-Klassiker. Mehr als 100 Millionen Platten mit Songs wie „Island in the Sun“, „Matilda“ und „Jump in the Line“ verkaufte Belafonte, spielte in mehr als 40 Filmen mit und engagierte sich immer auch politisch.

An der Seite von Martin Luther King kämpfte er für schwarze Bürgerrechte in den USA, mit Nelson Mandela gegen die Apartheid in Südafrika und als Unicef-Botschafter für Kinder auf Haiti und im Sudan. Seine Lebensgeschichte ist die Geschichte Amerikas im 20. Jahrhundert.

1927 wird Belafonte im Schwarzenviertel Harlem geboren, verbringt aber einen großen Teil seiner Jugend in der jamaikanischen Heimat seiner Mutter. Im Zweiten Weltkrieg dient er in der US Navy und besucht danach in New York die legendäre Schauspielschule des emigrierten deutschen Regisseurs Erwin Piscator gemeinsam mit Kollegen wie Tony Curtis und Marlon Brando. Gerne wäre er der „erste schwarze Hamlet“ geworden, wie er einmal in einem Interview sagte. Stattdessen wurde es Hollywood mit Filmen wie „Bright Road“ (1953) und Otto Premingers „Carmen Jones“ (1954).

Die Musik kam hinzu und Belafonte, Sohn eines Schiffskochs aus Martinique und einer Hilfsarbeiterin aus Jamaika, wurde zum „Calypso-King“. Hinter der heiteren Urlaubsmusik steckt ein Aufschrei gegen Sklaverei. „So haben meine Vorfahren eben ihren Protest verpackt. Schwarze Kunst war immer verschlüsselt“, sagt Belafonte.

Abseits der Musik verschlüsselt er seine Kritik nicht – ob an Präsidenten wie George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump oder auch an seinen Musikkollegen, denen er vorwarf, sich nicht mehr um ihre „gesellschaftlichen Pflichten“ zu kümmern.

In seiner 2012 erschienenen Autobiografie „My Song“ sprach Belafonte auch von seinen dunklen Seiten, von seiner Spielsucht und Untreue. Zwei Ehen zerbrachen, in dritter Ehe ist der Vater von vier Kindern seit 2008 mit der Fotografin Pamela Frank verheiratet.

Zu Deutschland hat Belafonte eine ganz besondere Beziehung. Die Deutschen seien seine größten Fans, sagte er einmal. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Gründe dafür durchschaue.“ „Die Dankbarkeit, die Liebe und Herzlichkeit, die mir von diesem deutschen Publikum entgegengebracht wurde, zählt zu den schönsten Erinnerungen meiner Karriere.“

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