ZDF-Reportage : Claus Kleber bangt um die Pressefreiheit

Claus Kleber (2.v.l.) und sein Übersetzer Issmail (l) im Gespräch mit syrischen Flüchtlingen auf Lesbos in einer Szene des Films «Unantastbar».
Claus Kleber (2.v.l.) und sein Übersetzer Issmail (l) im Gespräch mit syrischen Flüchtlingen auf Lesbos in einer Szene des Films «Unantastbar».

Claus Kleber hat für einen neuen Film viele Länder bereist, um aufzuspüren, wie es um die Menschenrechte bestellt ist. Er warnt vor weiteren Einschränkungen - auch für Journalisten.

svz.de von
27. November 2018, 10:51 Uhr

Mainz (dpa) - Der ZDF-Journalist Claus Kleber befürchtet in vielen Ländern eine zunehmende Einschränkung der Pressefreiheit und anderer Menschenrechte. «(US-Präsident) Donald Trump geht mit seinen Mitteln da ran - bisher war das hauptsächlich diese „Fake-News-Brüllerei".

Dann macht er, was alle totalitären Herrscher machen: die freie Presse zerstören», sagte der Moderator des «heute-journals» der Deutschen Presse-Agentur. «Trump versucht, dem Vertrauen der Bürger in eine faire Qualitätsberichterstattung den Boden zu entziehen. (...) Diese Entwicklung ist sehr gefährlich, weil eine Bevölkerung, die nichts mehr glaubt, am Ende alles glaubt, und zwar demjenigen, der am lautesten brüllt.»

Kleber nannte auch Ungarns Premier Viktor Orban, den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Jaroslaw Kaczynski, Chef von Polens PiS-Partei, als Beispiele für die Einschränkung von Rechten. «Sehen Sie Orban, die Pressegesetze, sehen Sie die Inbesitznahme der Presse in Polen, sehen Sie Erdogan mit den meisten inhaftierten Journalisten auf der Welt», sagte der Moderator. Bei Trump beginne der «teuflische Mechanismus» mit dem Aussondern von Minderheiten, dem Schaffen von Sündenböcken und dem Aufpeitschen von Emotionen. «Der nächste Schritt folgt: das Zerbrechen der Kontrollmechanismen, die unabhängigen Gerichte und die freie Presse. Gegen beide geht man vor - Erdogan mit Gefängnis, Trump mit "Fake News", Orban und Kaczynski mit Besetzen der wesentlichen Kanäle mit Gefolgsleuten.» Das könne und müsse man aufhalten, sagte er.

In seinem neuen Film «Unantastbar» beschreibt Kleber, wie es um die Menschenrechte in politisch aufgewühlten Zeiten steht - zum 70. Jahrestag der UN-Menschenrechtserklärung, beschlossen von der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948. Der ZDF-Journalist geht in mehreren Ländern wie China, Myanmar oder der Türkei auf Spurensuche und lässt zahlreiche Gesprächspartner zu Wort kommen - zum Beispiel den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck, Ex-US-Außenministerin Madeleine Albright und den chinesischen Politikwissenschaftler Zhang Weiwei aus Schanghai. Es geht in dem Film um Kontrolle, den Umgang mit Minderheiten und um Umweltschutz. «Unantastbar» ist ab diesem Dienstag in der ZDF-Mediathek zu sehen.

«Der Kampf ist nicht gewonnen», sagt Kleber in seinem Film, den er mit Angela Andersen drehte. «Er muss weitergehen, denn selbst das Erreichte ist in Gefahr.» Eine neue Generation von Führern stelle Demokratie und Menschenrechte in Frage. Der ZDF-Moderator machte beim Drehen in Indonesien selbst Erfahrungen mit staatlicher Kontrolle: «Das Land hätte uns sehr interessiert, weil der fundamentalistische Islam dort auf dem Vormarsch ist», sagte Kleber. «Uns wurde letztlich das Visum zugesagt mit der Auflage, dass beim gesamten Dreh ein Beamter des Innenministeriums dabei sein wird. Daraufhin haben wir verzichtet, die Menschen hätten nicht mehr mit uns geredet.»

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