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Leute : Carolin Kebekus: „…oder relativ schnell nackt“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Komikerin Carolin Kebekus wollte nie auf Niedlichkeit reduziert werden – das hat sie eindrucksvoll geschafft

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Carolin Kebekus (36) spielt erstmals die Hauptrolle in einem Kinofilm („Schatz, nimm du sie!“, ab 16. Februar). Eigentlich muss man sich wundern, dass das erst jetzt passiert: In den vergangenen Jahren ging die Karriere der Kölnerin („PussyTerror TV“) steil nach oben.

Im Gespräch mit Jonas-Erik Schmidt spricht Kebekus über ängstliche Frauen, den Humor in der „Nein heißt Nein“-Debatte und warum sie als Kind den Drang verspürte, „Penis!“ zu brüllen.

Sie spielen in Ihrer ersten Kinohauptrolle eine für deutsche Komödien eher ungewöhnliche Rolle: eine Frau, die nicht nur Stichwortgeberin für den Mann ist. Hätten Sie überhaupt eine andere Rolle angenommen?
Kebekus: Nein. Ich habe schon unheimlich viele Bücher bekommen, in denen die Frau einfach austauschbar war. Entweder man ist ein Dummchen oder relativ schnell nackt. Oder man ist so eine ganz „crazy“ Frau, die in der Großstadt lebt und keinen Mann bekommt, weil sie so ganz „crazy“ ist. Es gibt wenige gute Geschichten mit einer Frau im Mittelpunkt.

Woran liegt das?
Ich glaube, dass auch den Frauen im Kinopublikum unterstellt wird, dass sie lieber Filme mit süßen Jungs sehen wollen wie Schweighöfer oder M’Barek. Das ist aber glaube ich eine falsche Annahme. Auch Frauen wollen vor allem gute Geschichten.

Sie beklagen des öfteren, dass sich Frauen unter Wert verkaufen.
Ja. Ich finde, dass Frauen grundsätzlich etwas ängstlicher sind, weil es ihnen in der Erziehung so beigebracht wird. Da heißt es dann, man solle sich als Frau eher zurückhalten, nicht dass einer denkt, man sei schwierig oder gar zickig.

Viele Attribute, die bei Männern positiv ausgelegt werden wie Zielstrebigkeit und Karrierebewusstsein werden bei Frauen eher negativ besetzt. Eine Frau, die zielstrebig ihren Weg geht, gilt als eiskalt. Uns Frauen würde es unterm Strich einfach besser stehen, wenn man sich klar macht, dass uns nicht jeder lieb haben muss.

Vor diesem Hintergrund müssten Sie doch Frauke Petry von der AfD eigentlich etwas abgewinnen können.
Weil Sie so zielstrebig ist? Also bitte. Sagen wir es so: Es muss auch in der Randgruppe der krassen Menschen Frauen geben. Mit Frauke Petry sind wir zumindest in der Arschloch-Quote bei der Gleichberechtigung einen Schritt weiter gekommen.

Sie pflegen bei Ihren Auftritten eine unverstellte, explizite Sprache. Auch in Interviews sprechen Sie zum Beispiel häufiger über Penisse. Woher kommt das?
Dazu muss man jetzt aber mal klarstellen, dass ich das in Interviews nie aus dem Zusammenhang herausgerissen sage! Aber grundsätzlich stimmt das. Das war auch schon immer so, keine Ahnung, woher das kommt. Ich glaube, mich hat es immer gestört, wenn man mich auf Niedlichkeit reduziert hat. Da musste ich dann immer erstmal ein „Penis!“ entgegenbrüllen.

Auf der Bühne machen Sie auch Witze über Themen, die bei anderen Komikern als sperrig gelten dürften. Sie sprechen zum Beispiel über Gewalt an Frauen.
Ja, und das ist sehr lustig. Ich halte da ja keine missionarische Rede. Aber bei vielen Themen, die mich da beschäftigen, liegt Humor schon drin. Zum Beispiel bei der „Nein heißt Nein“-Debatte. Wenn man sich vergegenwärtigt, was in Deutschland erlaubt war, ist das einfach lustig.

Werden wir Sie jetzt häufiger in Filmen sehen? Vielleicht auch in ganz anderen Rollen?
Total gerne. Aber kein Produzent kommt direkt auf die Idee, mich als psychopathische Mörderin im „Tatort“ zu besetzen. Womöglich würde ich daran auch grandios scheitern. Aber ich würde das gerne machen.

Hintergrund zum Kinofilm „Schatz, nimm du sie!“
Im Kinofilm „Schatz, nimm du sie!“ spielt Carolin Kebekus eine Mutter, die ihren Kindern das Leben zur Hölle macht – damit sich diese freiwillig für ein Leben beim Vater entscheiden. Das Paar will sich nämlich scheiden lassen und beide Ex-Partner haben ganz eigene Karrierepläne. Das Drehbuch der Komödie (Regie: Sven Unterwaldt) basiert auf dem französischen Film „Mama gegen Papa – Wer hier verliert, gewinnt“, dreht sich aber voll und ganz um seine Hauptdarstellerin, die sich so direkt und schnoddrig geben kann, wie auf der Bühne.

 

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