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William Cody : Buffalo Bill jagte keine Büffel

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Büffeljäger, Postreiter und Schreck der „Rothäute“: William Cody verkörperte den Cowboy wie kein zweiter. Seinen Mythos hatte er selbst erschaffen.

svz.de von
erstellt am 08.Jan.2017 | 09:00 Uhr

Vor 100 Jahren, am 10. Januar 1917, starb der schon zu Lebzeiten weltberühmte William Frederick Cody, besser bekannt als Buffalo Bill. Sein Name steht praktisch synonym für den Wilden Westen, oder genauer gesagt: für das, was sich Europäer darunter vorstellen. Mit der Wahrheit hat es der Westmann nämlich nicht immer so genau genommen, meinen Kritiker. Hier kommen die größten Irrtümer und Missverständnisse, die er teilweise selbst in die Welt gesetzt hat.

Buffalo Bill jagte Büffel

Ganz klar, wer „Buffalo“ Bill heißt, muss irgendetwas mit Büffeln zu tun haben. Büffel hat William Frederick Cody aber nie gejagt, sondern Bisons, genauer gesagt: Amerikanische Bisons (Bison bison). Im Englischen nennt sich der Bison gerne schlicht und einfach „buffalo“, was uns im Deutschen aber auf die falsche Fährte bringt und ihn hierzulande auch als „Indianerbüffel“ bekannt gemacht hat. Den Spitznamen Buffalo Bill bekam Cody durch einen seiner frühen Jobs. Als die Eisenbahngesellschaft Kansas Pacific Railway eine neue Strecke mitten durch die Prärie verlegte, versorgte er die Arbeiter nämlich mit Bisonfleisch. Bei den Mengen, die er herbeischaffte, war er bald als der „Buffalo Bill“ bekannt. Seinen eigenen Angaben nach schoss er 4000 bis 5000 Stück pro Jahr. Immer wieder prahlte er damit, nur zwölf Schüsse für ganze elf Tiere zu benötigen, und das, obwohl er sie vom Pferderücken aus schoss und nicht wie spätere Jäger es machten, aus der fahrenden Eisenbahn heraus. Mit anderen Worten: Er war einer derjenigen, die den Amerikanischen Bison um Haaresbreite ausgerottet hätten.

Seinerzeit war die Bisonjagd ein beliebter „Freizeitspaß“, den George Armstrong Custer einmal als die „aufregendste aller amerikanischen Sportarten“ bezeichnete. Wie sehr dieser „Sport“, aber auch die Fleisch- und Lederbeschaffung die Amerikanischen Bisons damals dezimierten, weiß der kanadische Ökonom M. Scott Taylor vom National Bureau of Economic Research in Cambridge, Massachusetts. In seiner 2007 veröffentlichten Studie geht er davon aus, „dass im 16. Jahrhundert in Nordamerika etwa 25 bis 30 Millionen Bisons lebten. Im späten 19. Jahrhundert (also nach Ankunft der europäischen Siedler) waren davon nicht einmal mehr 100 Tiere übrig“. Dank intensivster Artenschutzbemühungen konnte der Bison praktisch in allerletzter Sekunde vor dem Aussterben bewahrt werden. Heute gibt es wieder Zehntausende dieser imposanten Tiere.

William Frederick Cody trank nur Apfelsaft

Da geht die Saloon-Tür auf, ein strahlender Held und knallharter Westmann tritt ein – und dann bestellt er sich einen Apfelsaft? Nein, das ist natürlich nur ein verbreiteter Irrtum, in Wahrheit war der „Stone Fence“ das Lieblingsgetränk Buffalo Bills. Zwar besteht der in der Tat aus Apfelsaft, aber eben nur zur Hälfte. Die andere Hälfte, die bei Cody auch gerne mal etwas größer sein durfte, war purer Whisky.

In seiner Show zollte Königin Victoria der amerikanischen Fahne ihren Respekt

Viele der Zuschauer, die damals die Show „Buffalo Bill’s Wild West“ besuchten, mit der Cody ab den 1880er Jahren durch Amerika und Europa tingelte, waren anschließend tief beeindruckt von dem, was sie da gesehen hatten. Zeitzeugen überschlugen sich geradezu mit ihren Lobpreisungen. So etwas hatten sie zuvor noch nie gesehen. Kein Wunder, rückte der Westmann doch gleich mit Hunderten Darstellern an, unter ihnen echte Indianer, wie der berühmte Häuptling Sitting Bull, gestandene Cowboys, hervorragende Kunstschützen und unzählige Pferde, sowie mehrere Bisons.

Mit seiner Show prägte William Frederick Cody das Bild vom Wilden Westen über viele Generationen hinaus bis zum heutigen Tage, und zwar nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika. Ja, man könnte fast sagen: Er hat den Wilden Westen erst erfunden. Da Buffalo Bill aber vor allem ein begnadeter Selbstdarsteller und PR-Mann in eigener Sache war, ist es vielleicht auch kein Wunder, dass er es mit der Wahrheit nicht immer so genau nahm, wenden zumindest Kritiker ein. So ist es zwar richtig, dass Königin Victoria seine Show besuchte, als diese 1887 in London gastierte. Dass sie aber überwältigt von den gezeigten Darbietungen der amerikanischen Fahne ihren Respekt gezollt haben soll und somit den noch jungen USA, ist eine reine Erfindung.

Das Wettschießen mit William Comstock brachte ihm seinen Spitznamen ein

William Frederick Cody strickte fleißig am eigenen Mythos, etwa in seiner Autobiographie und in anderen Veröffentlichungen. Wie er angeblich zu seinem Spitznamen gekommen sein will, ist unter anderem in „True tales of the plains“ aus dem Jahre 1908 zu lesen. Darin heißt es, den Spitznamen habe er sich in einem öffentlichen Wettschießen mit William Comstock erworben, der wie er Bisonjäger und Scout war. Angeblich ging es dabei um ein Preisgeld von 500 Dollar, was damals eine ansehnliche Summe war. Wer in acht Stunden die meisten Bisons erschießen könnte, sollte dieses Preisgeld erhalten, so die Legende.

In der Tat fanden damals derartige Wettbewerbe statt. Unwahr ist allerdings, sagen Historiker, dass Comstock bei diesem Wettstreit 46 Bisons geschossen haben soll und er selber ganze 69 Stück, was ihm das verdiente Preisgeld eintrug und darüber hinaus den prestigeträchtigen Namen „Buffalo Bill“. „Der Cody-Comstock-Wettbewerb hat in Wahrheit niemals stattgefunden“, meint Louis S. Warren, Buffalo-Bill-Experte und Professor für die Geschichte des US-Westens an der Universität von Kalifornien. „Das wäre auch gar nicht möglich gewesen, denn zu dieser Zeit wurde William Comstock gerade wegen Mordes gesucht.“

Buffalo Bill: Der mann, der den Wilden Westen erfand
William Frederick Cody wurde am 26. Februar 1846 in Le Claire, Iowa, geboren. Der kleine William bekam früh die Härten des Wilden Westens zu spüren, denn sein Vater, Isaac Cody, war ein Sklaverei-Gegner, was der Familie Morddrohungen und gezielte Anschläge einbrachte. Alle weiteren Informationen über Williams Jugend seien allerdings mit Vorsicht zu genießen, meint Buffalo-Bill-Experte Louis S. Warren. Vieles sei aus Publicity-Gründen erfunden. „Er ritt niemals für den Pony Express“, meint Warren, und obwohl er in der Tat als Scout arbeitete, so doch nicht für General Custer. „Die beiden Männer mochten sich nicht besonders.“ Wahr ist aber, dass Buffalo Bill schon früh gegen Indianer kämpfte und Bisons schoss. Er versuchte sich als Goldsucher, Wagenlenker und reitender Postzusteller. 1866 heiratete er Louisa Frederici, mit der er vier Kinder hatte. 1869 lernte Cody den Journalisten Ned Buntline (richtiger Name: Edward Zane Carroll Judson Sr.), der ihn in seinen Geschichten zu der lebenden Legende aufbaute, die wir heute kennen. Freundschaften mit Western-Größen wie „Wild Bill“ Hickok oder auch Häuptling Sitting Bull schlossen sich an. 1879 schrieb er die Autobiographie, die seinen Ruf festigte. 1883 vermarktete Cody sich selbst und den Wilden Westen in seiner Show „Buffalo Bill’s Wild West“, mit der er durch die USA und Europa tourte. 1886 baute er in Nebraska eine Ranch, 1895 gründete er das Städtchen Cody in Wyoming. In seinen letzten Jahren widmete er sich dem Wasserbauprojekt in Wyoming, das heute seinen Namen trägt: Buffalo Bill Dam. Am 10. Januar 1917 starb Cody.

 

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