Maja Lunde : Botschafterin der Bienen

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Die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde zieht mit ihrem Buch Hunderttausende in ihren Bann

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06. September 2017, 12:00 Uhr

Dass Maja Lunde mit Vornamen Maja heißt, könnte man als Vorsehung deuten, wenn ihre Eltern denn in den 70er-Jahren den Zeichentrickfilm von der Biene Maja gekannt hätten. Das haben sie aber nicht, und so darf man es dann vielleicht Schicksal nennen, dass Maja Lunde und die Bienen zu einer Symbiose zusammengefunden haben, die enorm erfolgreich ist. Das Buch „Die Geschichte der Bienen“ der norwegischen Schriftstellerin hat Hunderttausende Leser begeistert. Vor allem in Deutschland ist die Fangemeinde groß. Seit Mai führt der Roman die Spiegel-Bestseller-Liste an, der BTB-Verlag hat seit dem Erscheinen im März 220 000 Exemplare verkauft.

Dabei geht es bei diesem Buch nicht in erster Linie um die Bienen, sondern um Menschen in drei verschiedenen Epochen, die mit Bienen zu tun haben: um den Erfinder eines Bienenstocks in England im Jahre 1852, um einen Imker in den USA 2007, dem plötzlich die Bienen wegsterben, und um ein Paar in China 2098, wo die Blüten mit Hand bestäubt werden müssen und dem gemeinsamen Kind etwas zustößt. Kein Science-Fiction, sondern die Beschreibung dessen, was war und was vielleicht auf uns zukommt, wenn wir das Sterben der Bienen nicht aufhalten.

Doch „Die Geschichte der Bienen“ ist kein Umweltroman. Es geht auch um die Beziehungen zwischen Eltern und ihren Kindern, über unausgesprochene Gefühle und Erwartungen.

Trotz des eigentlich düsteren Themas ist es Maja Lunde gelungen, ihre Leser aufzurühren. Denn die überhäufen sie nicht nur mit Komplimenten für ihr Buch, viele stellen ihr die Frage: Was kann ich für die Bienen tun? „Darüber freue ich mich sehr“, sagte die 42-Jährige, „nicht nur, weil ich die Menschen dazu gebracht habe, über etwas nachzudenken, worüber sie vorher nicht nachgedacht haben, sondern weil sie auch etwas tun möchten.“ Sie gebe dann Tipps, welche bienenfreundlichen Blumen man im Garten pflanzen könne und dass man mit dem Verzicht auf Flugreisen und Fleisch schon einen Beitrag zu einem besseren Klima leisten könne.

„Das mit den Bienen ist nicht etwas, das abstrakt oben in der Atmosphäre geschieht. Es geschieht in unserem eigenen Garten, und das macht uns deutlich, wie groß die Spuren sind, die wir hinterlassen.“ Doch das Gute sei, dass man was dagegen tun könne. „Wir können Blumen pflanzen. Es ist nicht immer so schwer.“

Maja Lunde ist durch ihr Buch zur Botschafterin der Bienen geworden. Kein Interview, in dem sie nicht dazu gefragt wird. Dabei sei sie weder Politikerin noch Klimaaktivistin. „Ich habe das Bienenbuch nicht geschrieben, weil ich ein politisches Manifest schreiben wollte. Ich wollte ein Buch schreiben, das ich selbst gern lesen möchte“, sagt sie. Ein Buch für Erwachsene.

„Die Geschichte der Bienen“, die 2015 in Norwegen erschien, war ihr erster Roman für Erwachsene und brachte ihr den Norwegischen Buchhandelspreis ein. Die Rechte sind inzwischen in 20 Länder verkauft. 

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