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Hellmuth Karasek : Bloß keine Langeweile

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Kritiker, Autor und Moderator Hellmuth Karasek wird heute 80 Jahre

„Ich wollte Journalist werden, natürlich auch, um die Großen dieser Welt zu interviewen, sprechen, kritisieren und bewundern zu können“, schreibt Hellmuth Karasek in seiner Autobiografie „Auf der Flucht“. Und das ist ihm auch gelungen: Ob Hollywood-Regisseur Billy Wilder, Schauspiellegende Marlene Dietrich oder der exzentrische Woody Allen – Karasek hat sie alle getroffen. Ein breites Publikum kennt ihn aber vor allem aus der ZDF-Sendung „Das literarische Quartett“, die er zwölf Jahre lang neben Marcel Reich-Ranicki prägte. Heute (4. Januar) wird Karasek 80 Jahre alt.

„Billy Wilder, mit dem ich fünf Sommer lang an seiner Biografie geschrieben habe, und Marcel Reich-Ranicki, mit dem ich zwölf Jahre lang im ,Literarischen Quartett“ zusammenarbeitete, sind beruflich die wichtigsten Menschen in meinem Leben gewesen“, sagt der Kritiker, Autor und Moderator. Auch ein wahrer Freund war ihm Literaturkritiker Reich-Ranicki, der im September 2013 starb. Mit ihm war er mehrmals in Urlaub gefahren. „Literatur war sein Leben, und damit hat er jeden mitgerissen.“

Geboren wurde Hellmuth Karasek 1934 als eines von fünf Kindern im mährischen Brünn. Ende des Zweiten Weltkrieges floh die Familie nach Bernburg/Saale in Sachsen-Anhalt. Nach dem Abitur übersiedelte Karasek 1952 in die Bundesrepublik und studierte in Tübingen Germanistik, Geschichte und Anglistik.

Seine journalistische Laufbahn begann Karasek bei der „Stuttgarter Zeitung“, danach war er Theaterkritiker bei der Wochenzeitung „Die Zeit“ in Hamburg. Es folgten 22 Jahre im Kulturressort beim „Spiegel“. Seine Erfahrungen verarbeitete Karasek in dem Roman „Das Magazin“, was ihm viele übel nahmen. Bis 2004 war er Mitherausgeber des Berliner „Tagesspiegel“. Neben zahlreichen Büchern schreibt Karasek heute für Zeitungen wie „Die Welt“ und das „Hamburger Abendblatt“.

„Das Fernsehen hat mein Leben am meisten verändert“, versichert Karasek. Seitdem kennen die Menschen sein Gesicht, auch wenn sie ihn manchmal mit Literaturnobelpreisträger Günter Grass verwechseln. Noch immer geht er auf Lesereise, schreibt im Moment wieder an einem neuen Buch. Seitdem er keine Kritiken mehr schreiben muss, lese er lieber Sachliteratur als Belletristik, gehe lieber in die Oper als ins Schauspiel. Den Lesereisen will er treu bleiben. „Die Leute sagen zwar: Warum tust Du Dir das an? – Aber ich möchte mich nicht langweilen mit mir selber.“

Die künstlerischen Gene hat Karasek, der in zweiter Ehe mit der Kulturredakteurin Armgard Seegers verheiratet ist, an seine vier Kinder weitergegeben: Sohn Daniel (54) aus erster Ehe ist Intendant am Theater in Kiel, Tochter Laura (31) hat im vergangenen Jahr ihren ersten Roman („Verspielte Jahre“) veröffentlicht. „Sie wollte einen künstlerischen Beruf ergreifen, aber ich habe zu ihr gesagt: Lerne was Anständiges - und da hat sie Jura studiert.“ Als sie ihm die ersten hundert Seiten ihres Romans vorgelegt habe, war er jedoch überzeugt: „Das musst Du unbedingt weitermachen!“


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erstellt am 04.Jan.2014 | 06:50 Uhr

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