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WOCHENEND-INTERVIEW : Beste Freundin und Nervensäge

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Conni-Erfinderin Liane Schneider weiß: „Conni ist gar nicht so brav.“

Kinder lieben sie, Eltern sind häufig von ihr genervt: Conni mit der roten Schleife im Haar. Erfunden wurde die Heldin vieler Pixi-Bücher von der Grundschullehrerin Liane Schneider aus dem niedersächsischen Garbsen – für ihre Tochter Conni.

Als ich Kollegen sagte, dass ich mich zum Interview mit Liane Schneider treffe, konnte damit niemand was anfangen. Als ich sagte, dass ich mich mit der Erfinderin der Conni-Bücher treffe, wussten alle sofort Bescheid. Stört es Sie, dass man Sie trotz Ihres Erfolges kaum kennt?
Nein, das ist bei Autoren ja häufig so, dass man nicht so im Fokus steht. Ich finde es aber auch ganz angenehm, nicht überall erkannt zu werden.

Die Figur Conni haben Sie einst für Ihre Tochter Conni erfunden, als sie 1990 in den Kindergarten kam. Haben Ihnen andere Kinderbücher nicht zugesagt? Warum hatten Sie das Bedürfnis, selbst ein Buch zu schreiben?
Ich habe schon immer gerne geschrieben und gemalt und öfters unsere Familienerlebnisse aufgeschrieben. Aber damals war es das erste Mal, dass ich an ein Buch dachte, das ich auch einem Verlag zuschicken wollte.

Die Bilder, die Sie damals gemalt haben – dienten die als Vorlage für die Conni, wie wir sie heute kennen? Mit Ringelpulli und roter Schleife im Haar?
Nein, die sah ganz anders aus. Ich habe damals Aquarelle gemalt, die sich nicht wirklich für Pixis eigneten. Und auch optisch hat die Pixi-Conni nicht viel mit meiner Tochter gemein – wobei sie zufällig solche Kleidung gerne getragen hat und Eva Wenzel-Bürger (die auch die erste Figur Pixi gezeichnet hat, Anm. d. Red.) sie wirklich schön zeichnet. Sie zeichnet auch sehr lange daran.

Wie lange dauert es denn, bis so ein Pixi-Buch fertig ist?
Von meinem ersten Entwurf bis zur Veröffentlichung? Zwei Jahre.

Wie bitte? Für ein kleines Pixi-Buch?

Ja, das kann man sich schwer vorstellen. Aber wir haben da sehr hohe Qualitätsstandards.

Das Manuskript für „Conni kommt in den Kindergarten“ haben Sie damals dem Carlsen-Verlag unverlangt eingesandt – und prompt eine Zusage erhalten, was höchst selten ist. Jetzt, 20 Jahre später, ist eine richtige Conni-Welt entstanden. Mit Pixi-Büchern, Bilderbüchern, Hörspielkassetten, einer Fernseh-Serie und sogar einem Musical. Dennoch haben Sie die ganze Zeit über weiterhin als Lehrerin gearbeitet – warum?
Naja, der Erfolg von Conni kam ja erst sehr langsam und über viele Jahre hinweg. Es ist jetzt auch nicht so, dass ich durch Conni reich geworden bin. Mein Auto ist zehn Jahre alt. Außerdem mochte ich es, als Lehrerin zu arbeiten und weiterhin den Kontakt zu den Kindern zu haben. Das reale Leben, sozusagen.

Haben Ihre Schüler auch die Conni-Bücher gelesen?

Ja, manchmal habe ich ihnen auch welche vorgelesen. Sie waren quasi mein Testpublikum (lacht).

Conni ist weder besonders stark noch besonders verrückt. Ihre Geschichten drehen sich um ganz Alltägliches. Warum mögen Kinder Conni so sehr?
Gerade deshalb. Weil sie ein ganz normales Kind mit ganz normalen Erlebnissen ist. Weil sie sich mit ihr identifizieren können und sie als Freundin erleben.

Wie ist es denn für Ihre Tochter Conni, so eine Berühmtheit zu sein? Und wie steht sie heute als Erwachsene zu den Büchern?
Für sie und ihre Freunde war es damals normal, dass ich über sie schreibe. Manche ihrer Freunde kommen ja auch in den Pixis vor. Ich schreibe aber nur über die Conni im Kindergartenalter und im ersten Grundschuljahr. Mittlerweile ist meine Tochter Doktorandin, als Berühmtheit sieht sie sich sicher nicht.

Sie sind nicht mehr die einzige Conni-Autorin, es gibt ein ganzes Team. War es schwer, Ihre Figur zumindest teilweise aus den Händen zu geben?
Wohl ähnlich schwer wie ein Kind loszulassen, wenn es erwachsen wird. Aber für eine einzige Autorin wäre der Arbeitsumfang gar nicht zu stemmen. Und der Verlag wollte Conni auch für Ältere zugänglich machen. Es gab auch viele Leser, die aus den Kindergartengeschichten herausgewachsen waren und weiterhin gerne Conni-Geschichten lesen wollten. Gleichzeitig wollte meine Tochter nicht, dass ich über ihre Erlebnisse mit 12, 13 Jahren schreibe. Sie hat gesagt, dass sie mir gar nichts mehr erzähle, wenn ich darüber schreibe. So passte das ganz gut.

Nun soll sogar ein Kino-Film über Conni gedreht werden – mit Emma Schweiger in der Hauptrolle. Was sagen Sie zu dieser Besetzung?

Inhaltlich bin ich an dem Film ja nicht beteiligt, da es in dem Film um die ältere Conni geht. Die Entscheidung für Emma Schweiger finde ich aber gut. Wenn man ein anderes, noch völlig unbekanntes Mädchen genommen hätte, dann wäre sie womöglich ständig auf die Rolle der Conni festgelegt gewesen.

So sehr Kinder Conni auch lieben – viele Eltern sind völlig genervt von ihr. Zum einen, weil sie die Geschichten ständig vorlesen müssen, zum anderen, weil Conni so brav ist. Ich habe mal einen ziemlich bösen Artikel über die „Streberin Conni“ gelesen.
Das höre ich öfters. Dabei ist sie gar nicht so brav. Beim Umzug stellt sie sich vor ihre Zimmer und will die Nachmieter nicht hereinlassen. Sie ist so sauer, dass sie mit ihren knapp sechs Jahren die Wohnungstür hinter sich zuknallt und rausrennt. Auch Conni trotzt und quengelt an der Kasse, weil sie ein Ü-Ei will. Und natürlich geht Eltern ein Buch, das sie x-mal vorlesen müssen, auf den Keks. Das ist doch völlig normal. Aber für Kinder ist Wiederholung wichtig, das fördert das eigene, selbstständige Lesen.

Mit Verlaub: Conni geht zum Arzt, Conni zieht um, Conni backt Pizza – das sind ja nun alles keine weltbewegende Themen. Wieso ist denn nicht vorher schon jemand auf die Idee gekommen, solche Kinderbücher zu schreiben?
Manchen Autoren mögen diese Geschichten vielleicht banal erscheinen – aber sie sind es nicht. Nicht für Kinder. Für Kinder ist der erste Besuch beim Arzt eine große Sache. Oder die erste Übernachtung bei einer Freundin. Kleine Kinder können sich darin wiederfinden.

Conni-Bücher, Conni-Kassetten, Conni-Apps – das Angebot an Geschichten ist groß. Was ich in Spielzeugläden bislang jedoch – anders als bei Prinzessin Lillifee oder Hase Felix – noch nicht gesehen habe, sind Bettwäsche, Rucksäcke, Zahnbürsten, Regenschirme, Kleidung…
Ich glaube, es gibt einen Rucksack und auch Bettwäsche, das ist aber gar nicht so bekannt. Es stimmt, dass sich der Verlag beim Merchandising eher zurückhält. Das hat einfach mit der Figur zu tun. Conni soll eine beste Freundin sein. Und von seiner besten Freundin kauft man keine Bettwäsche.

Sie wirken auf mich sehr bescheiden, und ich habe in Vorbereitung auf dieses Gespräch kaum etwas über Sie im Internet gefunden. Dabei ist Conni in zig Sprachen übersetzt worden, sogar in Syrien oder Taiwan kann man die Bücher lesen. Sie müssen doch jede Menge Fanpost bekommen.
Die erhält ja der Verlag. Wie viele Leser ich so habe, bekomme ich kaum mit. Ich sitze alleine für mich am Schreibtisch, ich weiß das gar nicht. Und wenn ich das dann doch einmal mitbekomme, dann ist es überwältigend.

Wann haben Sie denn einmal erlebt, wie beliebt Sie sind?
Das war bei der Premiere des Conni-Musicals in Hamburg. Der Veranstalter hatte die O2-Arena dafür gemietet, und ich habe vorsichtig gefragt: Denkt ihr denn wirklich, dass ihr die voll kriegt? Und am Ende war es ausverkauft und 7000 Leser waren da.

Mittlerweile ist Ihre Tochter erwachsen, Sie schreiben aber immer noch über die kleine Conni. Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Meine Freunde haben Kinder oder Enkelkinder. Von denen lasse ich mich inspirieren.

Ich muss Ihnen zum Schluss noch persönlich danken: Mit meinem Vornamen war ich immer eine ziemliche Exotin. Dank Ihnen bin ich nun die Heldin meiner Tochter. Eigentlich erstaunlich, dass trotz des Erfolgs der Figur der Vorname Conni kein Modename geworden ist.
Das ist doch auch gut so. Es würde mich auch stören, wenn überall Mädchen so heißen würden.

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