Lady Jana : Beruf: Fetischistin & Sadistin

„Lady Jana“ ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Domina.
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„Lady Jana“ ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Domina.

Domina „Lady Jana“ bietet Fetisch-Klinikspiele, Tierdressur, Zwangsernährung und vieles mehr

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11. September 2017, 21:00 Uhr

Von der Decke des bordeauxrot gestrichenen Zimmers baumeln Metallketten und Seile, an den Wänden hängen Folterwerkzeuge, Dildos, Fesselriemen, Peitschen, Klammern, Knebel, Augenbinden und Gewichte. Es riecht nach Leder und Kerzenrauch. In der Mitte des mit dunkelbraunem Laminat ausgelegten Fe-tischraums des Studios in Hamburg-Hammerbrook thront eine Fesselliege.

Zu der zierlichen Frau mit den langen, hellblonden Haaren kommen Männer, die Lust auf „BDSM“ haben, die Abkürzung für „Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism“, also Fesselung und Disziplin, Dominanz und Unterwerfung, Sadismus und Masochismus.

Was treibt eine Frau dazu, Domina zu werden? „Lady Jana“ wuchs in Sachsen-Anhalt in der DDR auf. Bereits als Jugendliche sei sie von Machtspielen in Filmen fasziniert gewesen, erzählt sie. „Aber ich konnte nie definieren, was es ist.“ Nach der Wende sei sie das erste Mal mit der Szene in Berührung gekommen. Seitdem war ihr klar: „Ich bin Fetischistin und Sadistin“.

Sie hatte zunächst eine Kinder- und Jugendboutique, doch die lief irgendwann schlecht. Daraufhin sei sie 2005 eine hauptberufliche Domina geworden.

Eine Domina muss laut „Lady Jana“ viel Einfühlungsvermögen besitzen, um ihr Gegenüber nicht zu verschrecken. Sie schaue in die Abgründe der menschlichen Psyche und müsse sich darauf einlassen, aber sie entdecke auch die Verletzlichkeit. Fremde Menschen offenbaren ihr Wünsche, die sie oft nicht einmal mit ihrem Partner teilen können. Von Atemreduktion über Fetisch-Klinikspiele, Tierdressur bis hin zu Zwangsernährung – die Liste der angebotenen Diensten ist lang. Für die Männer, die zu ihr kommen, konstruiert sie eine bizarre Fantasiewelt.

Einen typischen „Gast“, so wie sie ihre Kunden nennt, gebe es nicht, sagt sie. „Das ist ganz unterschiedlich. Es sind Arme, es sind Reiche. Bei manchen weiß ich, dass sie sich jeden Cent zusammensparen müssen, um eine ,Session’ bei mir zu bekommen. Und manche brauchen das Ausgeliefertsein, weil sie wirklich viel Verantwortung tragen und als Chefs große Firmen leiten“, erklärt die zweifache Mutter.

Ihr ältester Gast sei 83 Jahre alt gewesen. „Er litt unter Parkinson und stand total auf Bondage, weil er das Gefühl erleben wollte, nicht zu zittern“, berichtet sie.

Als klassische Domina hat „Lady Jana“ nach eigenen Angaben keinen Sex mit ihren Gästen. Sie dürften sie nicht einmal berühren, sagt sie – außer, sie erlaube es ihnen. Gäste, die ihr ein Drehbuch für die „Session“ vorgeben möchten, seien bei ihr nicht willkommen. „Das bin ich nicht, da kann ich mich nicht ausleben“, betont sie.

„Pervers und krank“ – als „Lady Jana“ ihrem Freundeskreis von ihren Neigungen erzählte, erfuhr sie viel Ablehnung. Im Gegensatz zu ihrer Familie, die weiter zu ihr steht, wandten sich ihre Bekannten ab. „Es gehört wirklich Kraft dazu, sich zu outen“, sagt sie. Auch ihre Ehe sei letztlich an mangelnder Akzeptanz und fehlendem Verständnis zerbrochen. Auch heute sei es noch schwierig für sie, einen Partner zu finden – einen Macho sucht die Domina natürlich nicht.

Seit dem Erfolg der Romanreihe „Fifty Shades of Grey“ der Autorin E. L. James wurden sadomasochistische Sexualpraktiken popularisiert. Die Erotik-Besteller erschienen 2011 und 2012 und verkauften sich weltweit mehr als 100 Millionen Mal. Wie viele Menschen in Deutschland „BDSM“ praktizieren, ist nicht bekannt. Matthias Grimme, Sprecher der Bundesvereinigung Sadomasochismus und Chefredakteur des SM-Magazins „Schlagzeilen“ schätzt die Zahl praktizierender „BDSM“-ler auf „etwa drei bis acht Prozent der Bevölkerung“.

Auch im Internet gibt es viele Anhänger der Sexualpraktiken. Das soziale Netzwerk „Sklavenzentrale“ ist laut den Betreibern mit mehr als 200  000 Nutzern die größte deutschsprachige „BDSM“-Plattform. Die Anzahl der SM-Studios kann das Statistische Bundesamt nicht beziffern.

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