Vergiftung durch Opioide? : Bericht: Prince starb an Überdosis Schmerzmitteln

Der Popstar war am 21. April gestorben. Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht.

svz.de von
02. Juni 2016, 21:49 Uhr

Woran starb US-Popstar Prince? Einem Bericht zufolge ist er an einer Überdosis Schmerzmitteln gestorben. Das berichtete die Zeitung „Star Tribune“ am Donnerstag unter Berufung auf eine mit den Ermittlungen vertraute Quelle. Die Musiklegende war am 21. April gestorben. Eine Bestätigung vonseiten der ermittelnden Behörden und seinem Sprecher gab es zunächst nicht.

Der offizielle Bericht des Gerichtsmediziners zur Todesursache liegt noch nicht vor. Prince hatte sich Berichten zufolge bereits vor Jahren von Drogen und Alkohol losgesagt. Spekulationen, wonach Prince von Arzneimitteln abhängig gewesen sein soll, hatte es aber immer wieder gegeben.

Der Sänger war noch am Tag vor seinem Tod von einem Arzt behandelt worden. Zuvor hatten US-Medien zudem berichtet, dass der Popmusiker sich von einem weiteren, auf Arzneimittelabhängigkeit spezialisierten Arzt, hatte behandeln lassen sollen, bevor er in den Paisley Park Studios kollabiert in einem Aufzug entdeckt worden war. Nach früheren Polizeiangaben wies die Leiche des Sängers keine Spuren einer Verletzung auf. Die Ermittler gingen auch nicht von Suizid aus.

Prince, der 57 Jahre alt wurde und als einer der bedeutendsten Popmusiker galt, hatte zuletzt zwei Auftritte wegen einer Grippe abgesagt. Auf dem Rückflug in seinen Heimatstaat Minnesota verschlechterte sich sein Zustand derart, dass er in einem Krankenhaus einen Zwischenstopp einlegte.

Auch US-Schauspieler Heath Ledger („Brokeback Mountain“) fiel einer solchen Sucht 2008 zum Opfer. Schauspielerin Winona Ryder und Musikerin Courtney Love gestanden ihre Abhängigkeit ein - aber auch Cindy McCain, Ehefrau des Ex-Präsidentschaftsbewerbers John McCain. Sie sind die bekanntesten Betroffenen einer Sucht, die Millionen Amerikaner fest im Griff hat.

Hintergrund: Was sind Opioide, und warum sind sie so gefährlich?

Die starken Medikamente, in den 80ern fast ausschließlich nach Operationen oder bei Krebs verabreicht, wurden in den 90ern freizügiger verschrieben. Damals hatten einige mittlerweile widerlegte Studien Hinweise geliefert, dass die Suchtgefahr gar nicht so groß sei. Erst 2010, nachdem auch immer mehr Familien und Freunde der Erkrankten unbedarft zu den Schmerzpillen griffen und die US-Bevölkerung 80 Prozent der weltweit verkauften Opioid-Mittel konsumierte, wurde das Suchtproblem erkannt.

Danach wurde der Zugang zu den Medikamenten schwieriger, die Preise zogen an. Auch die Rezepturen wurden verändert, so dass Tabletten nicht mehr aufzulösen waren und in Spritzen gezogen werden konnten - eine Praxis, die die Wirkung der Substanzen noch erhöht. Jedoch hatte der Preisanstieg zur Folge, dass seitdem immer mehr Abhängige auf das chemisch eng verwandte Heroin umsteigen, weil es, vor allem von Mexiko aus, um ein Vielfaches billiger auf den Markt gebracht wird.

Besonders gefährlich ist das Präparat OxyContin, ein Langzeitschmerzmittel, das deshalb hoch dosiert ist. Während herkömmliche Opioide wie Oxycodon oder Hydrocodon etwa sechs Stunden lang wirken, verspricht ein besonderes Wirkverfahren bei OxyContin zwölf Stunden Schmerzfreiheit. Die „Los Angeles Times“ fand bei der Auswertung US-weiter Verschreibungsdaten jedoch heraus, dass mehr als die Hälfte der Langzeitnutzer von OxyContin nach Einschätzung von Gesundheitsexperten gefährlich hohe Dosen zu sich nehmen.

Eine lange kaum beachtete Gruppe von Opfern sind zudem die neugeborenen Babys abhängiger Mütter. Erste Kliniken stellen sich auf den wachsenden Bedarf nun mit eigenen, abgetrennten Behandlungsräumen für die extrem zitternden und schreienden Säuglinge ein. Einer Recherche des Senders NPR zufolge hat sich die Zahl der Opioid-abhängig geborenen Babys von 2000 bis 2012 auf 21.000 Kinder pro Jahr verfünffacht. Die Säuglinge müssen in ihren ersten Lebenswochen einen Methadon- oder Morphin-unterstützten Entzug durchstehen. Die Mütter brauchen besondere Hilfe.

 

Die US-Gesundheitsbehörde CDC schätzt, dass 2013 zwei Millionen Amerikaner von Opioid-haltigen Medikamenten abhängig waren. Die Verschreibungen der Schmerzmittel haben sich seit der Jahrtausendwende verdreifacht - ebenso die Todesfälle. 2014 stieg die Zahl der Toten durch Opioid-Schmerzmittel und durch das Comeback des chemisch eng verwandten Heroins auf den traurigen Rekord von insgesamt über 28.400 an.

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