zur Navigation springen

Liebeskomödie : «Barfuß in Paris»: Champagner und Slapstick

vom

Es ist einer der letzten Filme der französischen Diva Emmanuelle Riva: In der Komödie «Barfuß in Paris» zeigt sie unter der Regie des Darstellerduos Abel und Gordon viel Humor und trifft auf einen berühmten Gast: Pierre Richard.

svz.de von
erstellt am 31.Aug.2017 | 15:36 Uhr

So charmant ist noch nie jemand in den Fluss gefallen. Die Bibliothekarin Fiona ist bei ihrem ersten Besuch in Paris so hingerissen vom Anblick des Eiffelturms, dass sie sogar ihre Schüchternheit überwindet. Sie spricht einen Jogger an, damit er sie fotografiert.

Dann aber kippt sie vor lauter Aufregung rückwärts von der Brücke und mit einem lauten Platsch in die Seine. Auf dem Foto sind nur ihre Beine zu sehen, die senkrecht aus dem Rock ragen, während sie fällt.

Fionas Sturz in die Seine ist der Auftakt zu einer wilden Verfolgungsjagd, die viele Fans des Slapstickkinos verzaubern dürfte. Die Szene stammt aus dem Film «Barfuß in Paris», in dem die belgisch-kanadischen Komiker Dominique Abel und Fiona Gordon mit viel Humor eine zauberhaft absurde Liebesgeschichte erzählen.

Zu Beginn des Films erhält Fiona (Fiona Gordon) völlig überraschend einen Anruf. Die Kanadierin, die zurückgezogen in einem verschneiten Dorf lebt, soll ihrer Tante Martha (Emmanuelle Riva) in Paris zu Hilfe eilen. Denn Martha soll ins Altersheim. Und das, obwohl sie gerade mal 88 Jahre alt ist. Lächerlich! - findet Martha. Deshalb flieht sie vor der Pflegerin, die sie abholen will. Das hat Folgen.

Denn nun kann auch Fiona ihre Tante nicht finden. So irrt sie durch die Stadt, und plumpst schließlich in die Seine. Sie wird zwar gerettet, aber ihr Rucksack, ihr Pass und ihr Bargeld bleiben im Fluss. Zur Freude des Obdachlosen Dom (Dominique Abel), der ihre Sachen findet und den Fund mit Champagner begießt. Doch dann trifft er zufällig auf Fiona. Nach ersten Zwistigkeiten begibt sich das ungleiche Paar auf die Suche nach Martha und damit auf ein ganz und gar verrücktes Abenteuer.

Als Filmemacher haben sich Abel & Gordon einen Ruf als Meister der skurrilen Situationskomik erarbeitet: mit Filmen wie «Die Fee» (2011) oder «Rumba» (2008), die sie im Trio mit dem Regisseur Bruno Romy gedreht haben. Für ihren aktuellen Film haben die beiden Künstler, die auch die Hauptrollen spielen, mit Emmanuelle Riva eine wunderbare dritte Darstellerin gewonnen, die hier in einer ihrer letzten Rollen zu sehen ist. Die Grande Dame des französischen Kinos starb im Januar dieses Jahres im Alter von 89 Jahren. Riva trifft in dem Film zudem auf einen charmanten Kollegen, der in einem Gastauftritt zu sehen ist: Pierre Richard, der zurzeit auch in einer Hauptrolle im Kino zu sehen ist («Monsieur Pierre geht online»).

Diese vier versierten Darsteller machen aus der Komödie «Barfuß in Paris» ein überaus unterhaltsames Leinwanderlebnis. Ein Beispiel: Die Szene, in dem Riva und Richard auf einer Parkbank sitzen und mit ihren tanzenden Füßen flirten, darf wohl als Anwärter auf eine der schönsten Liebesszenen der Filmgeschichte gelten.

Neben dem Tanz spielt auch die Musik eine wichtige Rolle, etwa mit Stücken aus Schostakowitschs «Jazz Suite Nummer 1». Nicht zuletzt lebt der Film von seinem Sprachwitz. Wer mag, sollte sich ihn im englisch-französischen Original mit Untertiteln ansehen. Keine Angst: Zuschauer werden viel aus den jeweiligen Situationen heraus verstehen, auch wenn sie kein Wörterbuch mit ins Kino nehmen.

Denn «Barfuß in Paris» ist eine leichtherzige Hommage an die Situationskomik des Slapstick-Kinos. Abel und Gordon arbeiten in ihren Filmen mit vielen Running Gags und Sketchen. Der Humor und die Dialoge erinnern mal an Größen des Genres wie Laurel und Hardy oder Jaques Tati, mal an Stummfilm-Helden wie Buster Keaton oder Harold Lloyd, dessen weltbekannte Szene, in der er am Zeiger der Uhr eines Wolkenkratzers hängt, in «Barfuß in Paris» auf eine Leiter des Eiffelturms verlegt wird.

Barfuß in Paris, Frankreich/Belgien 2016, 83 Min., FSK o.A., von Abel & Gordon, mit Dominique Abel, Fiona Gordon, Emmanuelle Riva und Pierre Richard

Barfuß in Paris

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen