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Vom «Blauen Engel» zu «GZSZ» : Arte-Doku über «100 Jahre Ufa»

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Premieren, Partys und Propaganda. Die Arte-Dokumentation «100 Jahre Ufa» wirft einen kritischen Blick auf die Geschichte des ältesten deutschen Filmkonzerns.

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erstellt am 26.Aug.2017 | 00:01 Uhr

Marlene Dietrich wird mit dem Ufa-Film «Der blaue Engel» zum Weltstar. «Ein Freund, ein guter Freund» trällert Heinz Rühmann in den Babelsberger Studios mit Willy Fritsch und Oskar Karlweis für «Die Drei von der Tankstelle» (1930).

Heute stehen bei der Ufa die Stars der RTL-Daily-Soap «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» («GZSZ») vor der Kamera. Die historische ARD-Krankenhaus-Serie «Charité» ist ebenso eine Ufa-Produktion wie der mit dem amerikanischen TV-Oscar Emmy ausgezeichnete ZDF-Dreiteiler «Unsere Mütter, unsere Väter» mit Tom Schilling.

Die Dokumentation «100 Jahre Ufa - Im Maschinenraum des deutschen Films» blickt auf die wechselvolle Geschichte der Filmproduktionsgesellschaft zurück. Arte zeigt den Film über die Geschichte der über Jahrzehnte auch von der Politik instrumentalisierten Traumfabrik an diesem Montag um 22.10 Uhr. Regisseurin Sigrid Faltin erzählt, wie der große Ufa-Tanker in der Vergangenheit immer wieder in schweres finanzielles und politisches Fahrwasser geriet - vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und die Nazi-Zeit bis in die Nachkriegszeit. Heute gehört die Ufa zum Medienkonzern Bertelsmann.

«Es gibt keine Ufa-DNA, weil die Geschichte der Ufa zu vielgestaltig ist», sagt Ufa-Chef Wolf Bauer. Diese wechselvolle Unternehmensgeschichte wird in der Doku mit zahlreichen historischen Filmausschnitten illustriert. Auch Ufa-Schauspieler wie Mario Adorf («Das Totenschiff»), Tom Schilling («Der gleiche Himmel») und Claudia Michelsen («Der Turm») kommen zu Wort.

«Ich drehe bei der Ufa» - das habe damals einen ganz besonderen Klang gehabt, erinnert sich der im Mai dieses Jahres verstorbene Schauspieler Gunnar Möller in seinem letzten Interview. Möller drehte schon mit zwölf Jahren im Studio Babelsberg und wurde dem großen Publikum an der Seite von Liselotte Pulver in «Ich denke oft an Piroschka» bekannt.

Vor allem aber sind es Experten wie Rainer Rother von der Deutschen Kinemathek, Ralf Schenk von der Defa-Stiftung und der Filmhistoriker Friedemann Beyer, die die Ufa-Legende mit teils wenig bekannten Fakten beleuchten. «Die Ufa war immer schon national eingestellt», sagt Kinemathek-Chef Rother mit Blick auf die Vergangenheit des Unternehmens. «Es war sicher kein auf Subversion getrimmter Betrieb. Ganz das Gegenteil war der Fall.»

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges wird die Universum-Film AG (Ufa) am 18. Dezember 1917 gegründet - als Propagandainstrument für den deutschen Kaiser. Nach dem Krieg läuft die Unterhaltungsmaschinerie richtig an. Technische Innovationen prägen die 20er Jahre. Fritz Lang dreht «Die Nibelungen» (1924) - mit dem gigantischen Drachen, in dessen Inneren sechs Männer sitzen und von Lang per Telefon instruiert werden, wann das Monster Feuer speien soll.

Josef von Sternberg lässt in «Der blaue Engel» (1930) den aufstrebenden Star Marlene Dietrich «Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt» singen. Erich Pommer bringt aus den USA die Tonfilm-Operette nach Deutschland. In «Das Flötenkonzert von Sans-souci» (1930) mit Otto Gebühr werden dann bereits kriegerische Töne angeschlagen. «Die nationalen Filme der Ufa schaufeln mit am Grab der Demokratie», heißt es im Film.

Drei Tage nach Hitlers Machtergreifung 1933 feiert das nationalistische U-Boot-Drama «Morgenrot» Premiere. Auf Druck von Propaganda-Chef Goebbels werden die jüdischen Ufa-Mitarbeiter entlassen - darunter Produzent Erich Pommer, die Schauspieler Peter Lorre, Kurt Gerron und Fritz Kortner sowie die Regisseure Billy Wilder und Robert Siodmak. Doch das genügt den neuen Machthabern nicht. Die Diktatoren reißen die Macht in dem Unternehmen an sich und bringen die Filmfirma auf ihren Kurs.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschließen die Siegermächte die Zerschlagung des Konzerns. Im Sowjetbereich entsteht als Ufa-Nachfolger der volkseigene Betrieb Defa. In Westdeutschland gibt es später wieder die Ufa. Heute dränge es die Ufa nur noch selten auf die große Leinwand, resümiert Filmemacherin Faltin. Das alte Filmschiff sei mittlerweile zu einem Fernsehboot geschrumpft.

Wenn die Ufa heute Kino macht, dann sind es Filme wie «Der Medicus» oder «Ich bin dann mal weg». Ansonsten heißt es: «Alles was das Fernsehen braucht, hat die Ufa», so Klaudia Wick von der Deutschen Kinemathek. Dazu gehören Daily Soaps wie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» ebenso wie Quiz-, Casting- und Realityshows. Große Erfolge feiert die Ufa seit einiger Zeit mit ihren aufwendig produzierten TV-Mehrteilern von «Der Turm» (2012) und «Unsere Mütter, unsere Väter» (2014) bis «Der gleiche Himmel» (2017) und «Charité» (2017).

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