zur Navigation springen

Graham Nash wird 75 : Alt-Hippie krempelt sein Leben um

vom
Aus der Onlineredaktion

Graham Nash hat Musikgeschichte geschrieben. Der Sänger und Gitarrist wird 75

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Alles anders – und das innerhalb kürzester Zeit. Kurz vor seinem heutigen 75. Geburtstag hat Graham Nash sein Leben einmal komplett auf den Kopf gestellt. Der Sänger und Gitarrist trennte sich nach fast 40 Jahren Ehe von seiner Frau, zog von Hawaii nach New York zu seiner neuen Freundin und kündigte seinen ehemaligen Bandkollegen David Crosby, Stephen Stills und Neil Young die Zusammenarbeit auf.

Auslöser sei die Veröffentlichung seiner Autobiografie „Wild Tales“ 2013 gewesen, erzählte Nash jüngst dem US-Musikmagazin „Rolling Stone“. „Nachdem die herausgekommen war, begann ich wirklich zu absorbieren, was ich mit meinem Leben gemacht hatte. Die Dinge, von denen ich dachte, dass sie mich am glücklichsten machen, haben das eigentlich gar nicht getan. Also habe ich mir gesagt: Wie lange lebe ich noch? Ich kann das so weitermachen, oder meinem Herzen folgen.“ Also ließ er sich von seiner Frau Susan Sennett, mit der er drei erwachsene Kinder hat, scheiden und zog von Hawaii nach New York. „Ich habe einen Dschungel für den nächsten eingetauscht.“

Seine neue Freundin, die Fotografin Amy Grantham, ist gerade einmal halb so alt wie er. Sie lernten sich hinter der Bühne bei einem Konzert kennen. „Schon vom ersten Moment an war klar, dass etwas Radikales mit mir passierte.“ Wie die Menschen auf die Beziehung reagierten, sei „interessant“, sagt Nash. „Das verstehe ich. Es ist ein bisschen amüsant. Aber da kann ich nichts machen. Ich hing in einer nicht zufriedenstellenden Beziehung fest und Amy hat Feuer in mir entfacht.“

Während des ganzen „emotionalen Chaos“ in seinem Leben habe er „geschrieben und geschrieben“, sagt Nash, der einst auch kurz mit der kanadischen Sängerin Joni Mitchell liiert war. Im vergangenen Jahr entstand so das Soloalbum „This Path Tonight“, damit tourt Nash bis April durch Kalifornien.

Mit seinen alten Musik-Mitstreitern will der 1942 im britischen Blackpool geborene Nash, der inzwischen die britische und die US-Staatsbürgerschaft besitzt, momentan allerdings nicht so viel zu tun haben.

Die Popband The Hollies, mit der er zahlreiche Erfolge gefeiert hatte, hatte er schon Ende der 60er-Jahre verlassen. Gemeinsam mit David Crosby und Stephen Stills hatte er danach Crosby, Stills and Nash gegründet. Die Band war unter anderem beim legendären Woodstock-Festival aufgetreten und hatte mit Songs wie „Teach Your Children“, „Just a Song Before I Go“ oder „Wasted on the Way“ große Erfolge feiern können. Auch Neil Young war häufig dabei. Aber vor allem seine Beziehung zu Crosby habe sich verschlechtert, sagt Nash. „Wir waren immer einer Meinung, jetzt nicht mehr.“ Zudem habe er die Geduld verloren, die anderen immer motivieren zu müssen. „Jetzt gerade will ich einfach nichts mit Crosby zu tun haben. So einfach ist das.“

Aber in einem Interview erinnerte er sich vor einigen Jahren auch an gute Zeiten – vor allem den Mauerfall. „Wir waren gerade im Gebäude der Vereinten Nationen in New York, als wir die Fernsehbilder aus Berlin sahen. Unfassbar! Uns war klar: Da müssen wir sofort hin. Selten in der Bandgeschichte waren wir uns so schnell über etwas einig. Die Reise hat übrigens Stephen Stills bezahlt – er war der einzige, der gerade eine Kreditkarte dabei hatte. Drei Alt-Hippies flogen mit Plastikgeld zum Berliner Mauerfall: Die Welt hat sich wirklich verändert, oder?“

Und so ganz ausschließen will Nash eine Wiedervereinigung der Band dann auch nicht, wie er dem „Rolling Stone“ sagte. „Wenn Crosby zu mir käme und vier Songs spielen würde, die mich umhauen – was sollte ich dann anderes machen als Musiker, egal wie sauer wir aufeinander sind?“ Bis dahin genießt Nash aber erstmal sein „irgendwie unglaubliches“ neu umgekrempeltes Leben. „Ich bin entweder der verrückteste Spinner, oder der mutigste. Genau weiß ich es noch nicht.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen