Britisches Wunderkind : Alma im Wunderland

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Elfjährige Komponistin feiert morgen mit ihrer Oper „Cinderella“ in Wien Premiere

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28. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Die Musik kommt zu Alma Deutscher oft im Traum: „Manchmal finde ich eine Melodie mitten in der Nacht. Dann wache ich auf, krieche aus dem Bett und schreibe sie in meinen Notizblock“, sagt die elfjährige Komponistin. „Cinderella“ ist ihre erste große Oper. Am 29. Dezember hat sie Premiere im Wiener Casino Baumgarten. Seit Wochen ist die junge Britin deshalb in der österreichischen Hauptstadt und arbeitet mit den Sängern und Musikern.

Die Elfjährige wird oft als Wunderkind bezeichnet – sie komponiert nicht nur, sondern spielt auch Violine und Klavier. Sogar Vergleiche mit Wolfgang Amadeus Mozart werden gezogen. Solche Behauptungen weist Alma mit viel Selbstbewusstsein und perfekter Kinderlogik zurück: Nur ein kleiner Mozart zu sein, wäre langweilig. „Es ist viel interessanter, Alma zu sein.“

Für ihre Oper hat Alma nicht einfach die Geschichte vom Aschenputtel vertont: Ihre Cinderella ist Musikerin. „Ich wollte nicht, dass sie ein hübsches Mädchen ist, das putzt und den Mund hält. Ich wollte, dass sie klug ist. Und eine Komponistin.“ Die Worte purzeln nur so aus ihrem Mund, während sie aufgeregt die Handlung erklärt: Die böse Stiefmutter ist Chefin eines Opernensembles, der Prinz ein Poet, die Stiefschwestern pompöse Primadonnen, die komplizierte Arien singen.

Ihre Tochter habe mit weniger als zwei Jahren schon perfekt Melodien nachgesungen, erzählt Almas Vater Guy Deutscher. „Wir bemerkten sehr, sehr früh, dass ihre Beziehung zur Musik etwas sehr Besonderes war“, sagt der israelische Sprachwissenschaftler. Als Alma etwa vier war, habe sie ihre eigenen Melodien entwickelt. Inzwischen erhält sie einmal pro Woche Unterricht per Video-Link von einem Lehrer in der Schweiz. Zudem arbeitet sie mit dem deutschen Komponisten und Klarinettisten Jörg Widmann.

Trotz dieser formalen Ausbildung entwickelt Alma ihre Musik in ihrer Fantasie, im Spiel oder im Schlaf. Solche Melodien in eine komplexe Oper umzuwandeln, ist harte Arbeit, wie sie zugibt. „Cinderella“ wurde in einer kürzeren Form als Kammeroper vergangenes Jahr in Israel aufgeführt, aber für die Premiere in Wien hat die Komponistin neues Material hinzugefügt und das Stück voll orchestriert.

Alma, die von ihren Eltern zu Hause unterrichtet wird, könne sich voll entfalten, Kind sein und ihre Fantasie ausleben, sagt Dominik Am Zehnhoff-Söns. Der deutsche Regisseur inszeniert die Oper. Bei den Proben arbeitet Alma direkt mit den jungen Sängern und Sängerinnen sowie Vinicius Kattah, dem in Brasilien geborenen Dirigenten. Sie sitzt am Klavier, ihre Schwester Helen blättert die Partitur um.

Teile der Oper erinnern an Wagner, andere an Schubert oder Operetten. Auch moderne Elemente tauchen auf. Jede Melodie und Phrase sei aber wohlüberlegt, sagt Alma. Bei der Arbeit mit den Sängern bittet sie hier um einen wärmeren und tieferen Ton, dort um etwas mehr Anlehnung an Puccini, und sie erklärt gleichzeitig die inneren Beweggründe der Figuren.

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