Ingrid van Bergen wird 85 : „Alles kam anders“

Ingrid van Bergen spielte 2010 in „Der Fluch der Mauern“ bei den Störtebeker Festspielen in Ralswiek auf Rügen mit.
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Ingrid van Bergen spielte 2010 in „Der Fluch der Mauern“ bei den Störtebeker Festspielen in Ralswiek auf Rügen mit.

Schauspielerin Ingrid van Bergen kann auf ein wechselvolles Leben zurückblicken – heute wird sie 85

svz.de von
15. Juni 2016, 08:00 Uhr

Rosen für den Staatsanwalt und viel später dann die Dschungelkrone – Schauspielerin Ingrid van Bergen kann auf ein wechselvolles Leben zurückblicken. In den 50er- und 60er-Jahren gehörte die Blondine mit dem herben Charme zu den bekanntesten deutschen Schauspielerinnen, drehte mit Robert Mitchum, Kirk Douglas und William Holden. Sie machte Kabarett auch bei den Berliner „Stachelschweinen“, drehte für Kino und Fernsehen. Als Pensionsbesitzerin Lissy Flemming in der Nachkriegssatire „Rosen für den Staatsanwalt“ gelang van Bergen 1959 ihr wohl größter Erfolg. Sie stand auch für Edgar-Wallace-Verfilmungen vor der Kamera und war 1960 in „Wir Kellerkinder“ von Wolfgang Neuss zu sehen. Jetzt lebt van Bergen zurückgezogen in der kleinen niedersächsischen Gemeinde Eyendorf südlich von Hamburg, heute wird sie 85.

Sie hat Höhen erlebt und erschreckende Tiefen. Der Vater fiel im Zweiten Weltkrieg, auf der Flucht wurde sie als 13-Jährige vergewaltigt. Nachdem van Bergen 1977 ihren Geliebten erschossen hatte, saß sie mehrere Jahre im Gefängnis wegen Totschlags im Affekt, 1990 starb eine ihrer beiden Töchter mit 26 Jahren an Krebs. „Durch alle diese Dinge wird man immer stärker, aber im Wesentlichen habe ich mir meine Charakterstärke aus der Kindheit bewahrt“, sagt die Frau mit der rauchigen Stimme und dem klaren Blick. Ihre Kindheit in Ostpreußen hat die 1931 in Danzig geborene van Bergen geprägt. „Mein Herzenswunsch war immer ein Bauer, der mir neun Kinder und das Theater ermöglichen würde“, sagt sie. „Das hat der Krieg kaputt gemacht, alles kam anders.“

Sie hat sechs Ehen hinter sich – „drei mit Trauschein und drei ohne“, sagt sie –, doch heute lebt sie allein mit drei Hunden, drei Katzen und einem andalusischen Hengst. „Ich bin seit 1977 Single“, erzählt Ingrid van Bergen. „Ich habe seither nie wieder engeren Kontakt mit einem Mann gehabt als einen Handschlag – ich habe gesehen, wo das hinführen kann.“ Damals hat sie aus Eifersucht ihren Geliebten erschossen.

„Ich war im Film oft der Vamp“, erzählt van Bergen. Aber das Bild, das viele von ihr hatten, sei falsch, betont sie, während sie fast ungeschminkt den Fotografen völlig uneitel durch den Garten hinter der umgebauten Scheune führt, in der sie mit ihren Tieren lebt. „Ich bin eine gute Hausfrau, koche gern und mache gern Gartenarbeit.“

Nach ihrer Entlassung aus der Haft 1982 bekommt sie zunächst nur wenige Engagements, spielt vorwiegend in Fernsehserien einzelne Episodenrollen, immer wieder ist sie in Talkshows zu sehen. Geradeheraus gibt sie Antwort, auch kurz vor ihrem 85. Geburtstag. Mancher Satz könnte einen hartgesottenen Seemann erröten lassen, sie ist von respekteinflößender Geradlinigkeit. Toleranz und Aufrichtigkeit seien ihre wichtigsten Eigenschaften, sagt sie.

Als Siegerin der RTL-Show „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ wird sie auch jüngeren Zuschauern bekannt. „Das Dschungelcamp war toll, das würde ich sofort noch mal machen“, schwärmt die Schauspielerin sieben Jahre später.

Und was wünscht sie sich noch beruflich? „Ich würde gern noch eine Theaterrolle spielen“, sagt van Bergen. Am liebsten noch einmal die „Klatschmohnfrau“, ein Einpersonenstück über die späte Liebe zwischen zwei alten Menschen. „Ich bin am liebsten allein auf der Bühne“, sagt sie zum Schluss.

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