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Raumfahrt: ISS : Alexander Gerst: Ein bisschen wie „Star Trek“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Alexander Gerst wird in zwei Jahren erster deutscher Kommandant auf der Internationalen Raumstation

Mit Alexander Gerst eine Treppe hinaufzugehen, ist eine Herausforderung. Denn der 40 Jahre alte Astronaut legt ein gewisses Tempo vor. Er ist sowieso gut in Form, und seit einigen Wochen trainiert er zusätzlich. Der Mann mit der athletischen Figur und dem kahlrasierten Schädel bereitet sich auf seine nächste Weltraum-Mission vor. Schon kurz nach seiner Rückkehr von der Internationalen Raumstation ISS hatte er im November 2014 erklärt, er wolle gerne wieder „da hoch“. Dass dieser Traum so schnell in Erfüllung gehen dürfte, hätte der Geophysiker selbst nicht gedacht. Voraussichtlich von Mai bis November 2018 wird er wieder 400 Kilometer über der Erde schweben. Und damit nicht genug: Gerst wird in der zweiten Hälfte seines Aufenthalts als erster Deutscher sogar Kapitän der Station – Kommandant im Weltraum. Es ist ein bisschen so, als würde ein Deutscher die Hauptrolle in der US-Science-Fiction Serie „Star Trek“ angeboten bekommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte Gerst. Sie freue sich sehr über diese Entscheidung, sagte Merkel gestern während eines Besuchs im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln. Denn wie so viele andere Menschen habe sie Gerst „als einen wirklichen Botschafter aus dem All kennengelernt“.

Dass es nun so gekommen ist, hat nicht nur mit Gersts fachlicher Kompetenz zu tun. Der Unicef-Botschafter ist ein Sympathieträger, wie ihn die Raumfahrt lange nicht gehabt hat. Mit seinen sehr persönlichen Facebook- und Twitter-Beiträgen aus dem All bewegte er während seiner ersten Mission viele tausend Menschen. „Damals hat Alex uns alle im wahrsten Sinne des Wortes mitgenommen“, sagt der deutsche Astronaut Thomas Reiter (57). Er ist sicher, dass Gerst 2018 „mit seiner hervorragenden Fähigkeit zur Kommunikation“ wieder punkten kann. „Zudem ist er heute viel bekannter. Da werden ihm erst recht viele aufmerksam folgen“, meint Reiter, der 1995 und 2006 im All war.

Dennoch: Ein Deutscher als Kommandant des Außenpostens der Menschheit – könnte das problematisch sein? Gersts Antwort fällt pragmatisch aus: „Es gibt nur wenige Situationen, in denen man strikte Anweisungen geben muss. Wir sind Freunde an Bord und kennen uns seit Jahren.“ Schnelle Entscheidungen seien vom Kommandanten hauptsächlich in einem Notfall gefragt, wenn zum Beispiel ein Feuer ausbricht.

Sigmund Jähn, der 1978 als erster Deutscher ins Weltall reiste, ist optimistisch. „Wenn ich Alexander etwas raten dürfte, würde ich ihm sagen: Teile deine Kräfte ein. Du hast bei deinem zweiten Raumflug die Verantwortung für die ganze Station. Aber du hast auch die moralische Unterstützung tausender Fans. Wir wissen: Du wirst es gut machen“, sagte der 79-Jährige. Klappt alles, wird Gerst der vierte Deutsche mit mindestens zwei Raumflügen sein. Deutscher Rekordhalter ist Ulf Merbold, der zwischen 1983 und 1994 dreimal im Erdorbit arbeitete. Gerst ist der elfte Deutsche im All, diese Zahl übertreffen nur die USA und Russland. Ein Wehrmutstropfen: Trotz aller Appelle etwa der für Raumfahrt zuständigen Wirtschaftsstaatssekretärin Brigitte Zypries reist wieder keine Frau zur ISS. Fast vier Jahrzehnte nachdem Jähn als erster Deutscher in den Kosmos flog, hat das Land bis heute keine Raumfahrerin.

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erstellt am 18.Mai.2016 | 21:00 Uhr

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