Till Lindemann und Co. als KZ-Häftlinge : Wirbel um neues Rammstein-Video: KZ-Anspielung als PR-Zweck?

Rammstein-Frontmann Till Lindemann.
Rammstein-Frontmann Till Lindemann.

Ein neues Werbevideo der Band Rammstein zeigt die Musiker als todgeweihte KZ-Häftlinge. Jüdische Verbände sind empört.

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28. März 2019, 08:05 Uhr

Berlin | Eine kurze Videosequenz der international bekannten deutschen Rockband Rammstein mit Bezug zu NS-Verbrechen hat am Donnerstag Irritationen ausgelöst. Darin sind Bandmitglieder in der gestreiften Kleidung von KZ-Insassen zu sehen, wie sie mit Stricken um den Hals an einem Galgen stehen. Unter anderem der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung reagierte empört. Rammstein reagierte nicht auf die Kritik; am Donnerstagabend stellte sich heraus, dass die Sequenz im Video der Band zu ihrer neuen Single "Deutschland" zu sehen ist.

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Die etwa 30 Sekunden lange Videosequenz mit den Bandmitgliedern in KZ-Häftlingskleidung war am Dienstag auf der Facebook-Seite der Band veröffentlicht. Einer der Musiker trägt darin einen gelben Stern, ein anderer ein rosa Dreieck. Mit gelben Sternen markierten die Nazis Juden, sogenannte rosa Winkel wiesen in Konzentrationslagern auf Homosexuelle hin.

Am Donnerstagabend veröffentlichte Rammstein dann auf YouTube und der Band-Website das vollständige Video. In dem aufwändig produzierten Film spielen unter anderem Darsteller in Rüstungen aus römischer Zeit, es gibt Verweise auf die 1920er Jahre und die DDR.

"Instrumentalisierung und Verharmlosung des Holocaust"

Auch die KZ-Szene ist erneut zu sehen. Eine spätere Sequenz zeigt die Häftlinge, wie sie mehrere Nazis erschießen. In dem Lied im typischen Rammstein-Sound heißt es über Deutschland: "Will dich lieben und verdammen" sowie "man kann dich lieben und will dich hassen". Zusammen mit der Veröffentlichung der Single kündigte die Band für Mitte Mai ein neues, unbetiteltes Album an.

Der kurze Clip mit der KZ-Hinrichtungsszene hatte für Unmut gesorgt. Eine etwaige Instrumentalisierung zu Werbezwecken wäre "äußerst verwerflich", erklärte Karl Freller, Direktor der Stiftung bayerischer Gedenkstätten, in München.

Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, kritisierte das Video. "Die Instrumentalisierung und Verharmlosung des Holocaust, die sich in den Bildern zeigen, sind unverantwortlich", sagte er der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag. Die Band habe "eine Grenze überschritten".

Der Antisemitismusbeauftragte der Regierung, Felix Klein, äußerte sich ähnlich. Die Inszenierung todgeweihter KZ-Häftlinge stelle für ihn die "Überschreitung einer roten Linie dar", sagte er der Zeitung

Die 1994 in Berlin gegründete Band Rammstein ist für aufwändige Konzertinszenierungen sowie provokante Musikvideos und Liedtexte bekannt. Diese wurden schon öfter kontrovers diskutiert. Die Gruppe gehört zu den weltweit erfolgreichsten deutschen Bands.

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"Nicht beleidigen, herabsetzen oder schänden"

Die Sprecherin der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem rief zu einem verantwortlichen Umgang mit der Erinnerung an die ermordeten Juden auf. Yad Vashem kritisiere "nicht generell künstlerische Arbeiten, die an Holocaust-Bilder erinnern", sagte sie der Zeitung. Respektvolle künstlerische Darstellungen könnten legitim sein. Sie dürften die Erinnerung an den Holocaust jedoch keinesfalls beleidigen, herabsetzen oder schänden – und nicht nur als "bloßes Werkzeug" dienen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Auch Schleswig-Holsteins Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Karin Prien (CDU), äußerte auf Twitter Kritik zum Video:

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Die Landespolitikerin ist jüdischer Herkunft und Vorsitzende des Jüdischen Forums der CDU.

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Direktor lädt Rammstein nach umstrittenem Clip ins KZ Dachau

Wegen der umstrittenen Video-Sequenz mit KZ-Anspielungen hat der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller (CSU), die Deutschrock-Band Rammstein in die KZ-Gedenkstätte Dachau eingeladen. Ein abschließendes Urteil wollte Freller am Donnerstag zwar noch nicht fällen, weil noch unklar sei, welchen Hintergrund das Video habe. Eindeutig sei aber: "Das Leid und die Unmenschlichkeit des Holocaust verbieten sich für Werbezwecke oder Effekthascherei zur Bekanntmachung von Produkten ganz gleich welcher Art in diesem Fall wohl ein neues Musikalbum."

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