Verurteilter Vergewaltiger : Strafmaß verkündet: 23 Jahre Haft für Harvey Weinstein

Harvey Weinstein unterlag vor Gericht seinen Anklägerinnen. Mehr als 80 Frauen erhoben Vorwürfe.
Harvey Weinstein unterlag vor Gericht seinen Anklägerinnen. Mehr als 80 Frauen erhoben Vorwürfe.

Ende Februar sprach eine Jury den Ex-Hollywood-Mogul wegen Sexualverbrechen schuldig. Nun wurden seine E-Mails enthüllt.

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11. März 2020, 16:05 Uhr

New York | Rund zwei Wochen nach dem Schuldspruch gegen den früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein wegen Sexualverbrechen wurde am Mittwoch das Strafmaß verkündet. Dem 67-Jährigen drohten bis zu 29 Jahre Haft. 23 Jahre nannte Richter James Burke, meldete die Nachrichtenagentur AP am Mittwoch. Die Verteidigung hat bereits angekündigt, in Revision gehen zu wollen. Weinstein war am Mittwoch im Rollstuhl zur Verkündung erschienen.

Die Staatsanwaltschaft hatte das Gericht im Vorfeld der Verkündung noch einmal zu einer harten Strafe aufgefordert. Weinstein habe jahrzehntelang Frauen missbraucht, beginnend 1978 als er als Musikproduzent in Buffalo arbeitete. Zudem zeige er bislang keine Reue.

Vergewaltigung dauert nicht nur für den Moment der Penetration, sondern für immer. Schauspielerin, die 2013 von Weinstein vergewaltigt wurde, während ihrer Aussage

Bahnbrechendes Urteil Ende Februar

Eine Jury hat Weinstein Ende Februar wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung an zwei Frauen für schuldig befunden. Nicht schuldig sei er aber in den beiden schwersten Anklagepunkten des "raubtierhaften sexuellen Angriffs" sowie einem noch schwereren Vorwurf bezüglich Vergewaltigung.

In dem aufsehenerregenden Prozess ging es vor allem um zwei Vorwürfe: Weinstein soll 2006 die Produktionsassistentin Mimi Haleyi zum Oral-Sex gezwungen und die heutige Friseurin Jessica Mann 2013 vergewaltigt haben. Die MeToo-Bewegung feierte das Urteil als Meilenstein – kritisierte aber auch, dass Weinstein nicht in allen Anklagepunkten für schuldig befunden wurde.

Video: MeToo-Meilenstein: Weinstein der Vergewaltigung schuldig

Weinstein ätzte gegen Jennifer Aniston und bat Milliardäre um Hilfe

Am Dienstag hat das Gericht 1000 Seiten unter Verschluss gehaltene Dokumente freigegeben, darunter Weinsteins E-Mailverkehr. US-Medien berichten mit Verweis darauf, dass ein Boulevard-Reporter Weinstein 2017 auf das Gerücht ansprach, die Schauspielerin Jennifer Aniston werfe ihm sexuellen Missbrauch vor. Weinstein habe darauf geantwortet: "Jen Aniston sollte getötet werden." Ein Sprecher von Aniston stellte klar, die Schauspielerin sei kein Opfer von Weinstein gewesen und habe dies auch nie behauptet.

Außerdem enthüllen die Dokumente, dass Weinstein mächtige Milliardäre um Hilfe bat, um seinen Job als Chef der Weinstein Company behalten zu können. Seine E-Mails zeigen "Page Six" zufolge, dass Weinstein den früheren New Yorker Bürgermeister Mike Bloomberg anschrieb sowie Amazon-Gründer Jeff Bezos, Apple-Chef Tim Cook und Lloyd Blankfein, den damaligen Chef der Investmentbank Goldman Sachs. Die Firmenbosse sollten einen Brief an Weinsteins Vorstand schreiben, der für eine zweite Chance für Weinstein wirbt.

Nach Urteil, erst zur Herzoperation, dann ins Gefängnis

Nach dem Urteil war Weinstein nicht wie ursprünglich geplant sofort in das berüchtigte New Yorker Gefängnis Rikers Island gebracht worden, sondern wegen Schmerzen in der Brust und hohen Blutdrucks zunächst in ein Krankenhaus. Dort unterzog er sich einige Tage später Medienberichten zufolge erfolgreich einer Herzoperation und wurde danach nach Rikers Island gebracht.

Mehr als 80 Frauen werfen Weinstein sexuelle Übergriffe vor. Die Anschuldigungen gegen den Produzenten, im Herbst 2017 von der "New York Times" und dem Magazin "New Yorker" veröffentlicht, waren der Anfang der MeToo-Bewegung. Überall auf der Welt erkannten viele Frauen und auch einige Männer ihre eigenen Geschichten in denen der mutmaßlichen Weinstein-Opfer wieder – sie begannen, diese Geschichten unter dem Schlagwort #MeToo ("Me too"/"Ich auch") zu sammeln.

Die 'Silence Breakers': Auch in Los Angeles werfen mehrere Frauen Harvey Weinstein Sexualverbrechen vor. Seine Verurteilung in New York erhöht nun die Wahrscheinlichkeit einer Anklage gegen den Ex-Filmmogul in LA. Foto: AFP/FREDERIC J. BROWN
AFP/FREDERIC J. BROWN
Die "Silence Breakers": Auch in Los Angeles werfen mehrere Frauen Harvey Weinstein Sexualverbrechen vor. Seine Verurteilung in New York erhöht nun die Wahrscheinlichkeit einer Anklage gegen den Ex-Filmmogul in LA. Foto: AFP/FREDERIC J. BROWN

Weinstein droht auch Prozess in Los Angeles

Die juristischen Kämpfe sind für Weinstein auch nach dem Verfahren in New York nicht zu Ende. In Los Angeles wurde er ebenfalls wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung angeklagt. Auch dort könnte es zum Prozess kommen. Davon abgesehen verhandeln seine Anwälte weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit zivilen Klägerinnen um Entschädigungen.

Von den ersten Vorwürfen zum Urteil

Die Entwicklung der Weinstein-Affäre im Überblick:

5. Oktober 2017
Die "New York Times" bringt die Weinstein-Affäre ins Rollen. Die Zeitung berichtet, gestützt auf die Aussagen mehrerer Frauen, über Vorwürfe der sexuellen Belästigung durch den Hollywood-Produzenten über einen Zeitraum von fast drei Jahrzehnten.
10. Oktober
Die Affäre weitet sich aus: Im Magazin "New Yorker" beschuldigen drei Frauen Weinstein der Vergewaltigung.
25. Mai 2018
Weinstein wird von der New Yorker Justiz offiziell der Vergewaltigung und weiterer sexueller Vergehen gegen zwei Frauen beschuldigt. Eine der Frauen ist die frühere Schauspielerin Lucia Evans.
2. Juli
Die Staatsanwaltschaft erhebt neue Anklagepunkte gegen Weinstein. Dabei geht es um einen mutmaßlichen sexuellen Angriff auf eine frühere Produktionsassistentin im Jahr 2006.
11. Oktober
Die Vorwürfe mit Bezug zur Schauspielerin Evans werden angesichts von Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Frau fallengelassen – eine schwere Schlappe für die Staatsanwaltschaft.
26. August 2019
Die Staatsanwaltschaft erweitert die Anklage um Vorwürfe der Schauspielerin Annabella Sciorra, die Weinstein einer Vergewaltigung in den 90er Jahren beschuldigt.
11. Dezember
Medienberichten zufolge erzielt Weinstein eine Einigung mit mehr als 30 Frauen. Sie sollen insgesamt 25 Millionen Dollar erhalten.
6. Januar 2020
Begleitet von einem gewaltigen Medieninteresse beginnt in Manhattan der Prozess gegen Weinstein wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung zweier Frauen. Am selben Tag wird Weinstein von der Staatsanwaltschaft in Los Angeles formal zweier anderer Sexualverbrechen beschuldigt.
22. Januar
Nach der zweiwöchigen Auswahl der Geschworenen halten Anklage und Verteidigung ihre Eröffnungsplädoyers. In den folgenden Wochen werden zahlreiche Zeugen befragt.
24. Februar
Das Geschworenengericht spricht Weinstein der Vergewaltigung in einem minder schweren Fall und der schweren sexuellen Nötigung schuldig.
11. März
In New York soll das Strafmaß gegen Weinstein verkündet werden.
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