Berühmter Talkshow-Auftritt : Schlagfertig gegen Sigmar Gabriel: Ex-Putzfrau Susanne Neumann gestorben

Susanne Neumann diskutierte mit SPD-Chef Gabriel während eines 'Townhall-Meetings' im August 2016 in Gelsenkirchen.
Susanne Neumann diskutierte mit SPD-Chef Gabriel während eines "Townhall-Meetings" im August 2016 in Gelsenkirchen.

Nach ihrem Eintritt in die SPD wurde sie zur "Stimme der Basis". Familie und Wegbegleiter würdigen ihren Kampfgeist.

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15. Januar 2019, 14:52 Uhr

Gelsenkirchen | Die bundesweit bekannte Gewerkschafterin und Ex-Putzfrau Susanne Neumann ist tot. Sie sei am Sonntagabend nach langer schwerer Krankheit im Alter von 59 Jahren zu Hause gestorben, sagte ihr Ehemann Bernd Neumann der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Neumann war 2016 nach einem Talkshow-Auftritt in die SPD eingetreten. Sie wurde kurz darauf bekannt, als sie dem damaligen SPD-Chef Sigmar Gabriel bei einer Partei-Veranstaltung riet, aus der großen Koalition auszusteigen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) schrieb bei Twitter: "Mit ihrer mutigen und direkten Ansprache hat sie vielen Menschen aus dem Herzen gesprochen. Wir trauern um eine engagierte Streiterin für soziale Gerechtigkeit."

"Sie hat mir vor schon langer Zeit gesagt, dass ihre letzte Demo auf dem Friedhof sein wird", sagte Bernd Neumann. Über ihre Krankheit hatte die Gewerkschafterin mehrfach öffentlich gesprochen. Schon 2015 sei ihr gesagt worden, dass sie das nächste Weihnachtsfest vermutlich nicht mehr erleben werde, sagte ihr Ehemann. Doch sie habe lange gekämpft. "Diese Frau hatte so eine unglaubliche Kraft. Ich weiß nicht, woher sie die genommen hat."

Kurs der SPD-Führung und Groko deutlich kritisiert

Neumann hatte sich immer deutlich gegen den Kurs der SPD-Parteiführung ausgesprochen. Eine Rentenreform, die Einführung einer Bürgerversicherung, die Defizite an Schulen und in der Pflege abzubauen – diese Themen waren ihr wichtig. Neumann war eine strikte Gegnerin der Neuauflage der großen Koalition im vergangenen Jahr. Im Dezember vergangenen Jahres wurde bekannt, dass sie nach zweieinhalb Jahren wieder aus der Partei ausgetreten war.

Auch die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt würdigte Neumann. "Susanne war direkt, aber man konnte sehr gut mit ihr arbeiten", sagte der Bezirksvorsitzende Georg Nießing in Gelsenkirchen. Sie sei seine Vorgängerin in dem Ehrenamt von 2009 bis 2017 gewesen. Seit 1981 hatte sie nach eigener Aussage als Putzfrau gearbeitet.

Der Bundestagsabgeordnete Marco Bülow (parteilos) erklärte bei Twitter: "Ich bin sehr dankbar dafür, diese engagierte Frau kennengelernt zu haben, mit ihr für eine soziale Politik zu streiten. Sie macht mir Mut und mahnte mich, klar und authentisch zu bleiben."

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Anfang Februar soll Neumanns Urne nach Angaben ihres Ehemannes beigesetzt werden. "Den Baum, unter dem sie begraben werden soll, hat sie sich selbst ausgesucht. Auch dabei hat sie alles in der Hand gehabt", sagte er.

Weiterlesen: Susanne Neumann im Interview – "Schulz muss jetzt dicke Bretter bohren"

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