Bizarres Interview zum Epstein-Skandal : Prinz Andrew weist Missbrauchsvorwürfe zurück: Ich kann gar nicht schwitzen

Prinz Andrew versucht, die Missbrauchsvorwürfe zu entkräften. Eine seiner Erklärungen erscheint jedoch kurios.
Prinz Andrew versucht, die Missbrauchsvorwürfe zu entkräften. Eine seiner Erklärungen erscheint jedoch kurios.

In einem BBC-Interview bedauert er sein Verhalten. An eine andere Sache kann er sich aber nicht erinnern.

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17. November 2019, 09:56 Uhr

London | Der britische Prinz Andrew hat Anschuldigungen einer Frau, die im Rahmen der Epstein-Affäre Missbrauchsvorwürfe gegen ihn erhoben hat, kategorisch zurückgewiesen. "Ich habe keinerlei Erinnerung daran, diese Dame jemals getroffen zu haben", sagte der Bruder von Thronfolger Charles am Samstag der BBC mit Blick auf Virginia Giuffre. Sie wurde nach eigenen Worten jahrelang von US-Millionär Jeffrey Epstein missbraucht und auch zum Sex mit dessen wohlhabenden Freunden – einschließlich Prinz Andrew – gezwungen.

Es war das erste Mal, dass der 59-jährige Prinz sich in einem Interview über die Beziehung zu Epstein äußerte, der im August in seiner Gefängniszelle Suizid begangen hatte. Der US-Multimillionär soll jahrelang minderjährige Mädchen und junge Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Er hatte gute Kontakte zu zahlreichen Politikern und Prominenten.

Weiterlesen: Causa Epstein: Wer war noch in den Missbrauchsskandal verwickelt?

Prinz Andrew: Kann sexuellen Kontakt kategorisch ausschließen

Giuffre, die früher Roberts hieß, gibt an, sie sei drei Mal zum Sex mit dem britischen Prinzen gezwungen worden. Nach ihren Aussagen war sie beim ersten Mal, im Jahr 2001 in London, erst 17 Jahre alt. Sie nannte zwei andere Gelegenheiten in New York und auf Epsteins Privatinsel in der Karibik.

Prinz Andrew wies Giuffres Anschuldigungen in der Vergangenheit wiederholt zurück. In dem ungewöhnlichen BBC-Interview vom Samstag betonte Andrew: "Ich habe immer wieder und häufig gesagt, dass wir niemals irgendeinen sexuellen Kontakt hatten." Er könne "absolut kategorisch sagen, dass es nie passiert ist". Er könne sich nicht erinnern, die Frau überhaupt jemals getroffen zu haben.

Nach einer Anhörung in den USA im August hatte Giuffre vor Reportern gesagt, Prinz Andrew wisse "genau, was er getan hat, und ich hoffe, dass er reinen Tisch macht".

Foto verbreitet sich – aber ist es echt?

Auf einem weit verbreiteten Foto ist mutmaßlich der Prinz zu sehen, wie er seinen Arm um die damals 17-jährige Giuffre legt, im Hintergrund zeigt das Bild Epsteins Ex-Freundin Ghislaine Maxwell. Unterstützer des Prinzen zweifeln die Echtheit des Bildes an.


Andrew sagte dazu in dem BBC-Interview, es handle sich um "die Fotografie einer Fotografie einer Fotografie". Er glaube nicht, dass "das Foto in der Weise aufgenommen wurde, die da angedeutet wird". So sei er auch niemals in der oberen Etage von Maxwells Londoner Wohnung gewesen, aus der die Aufnahme stammt. Niemand könne nachweisen, ob das Bild manipuliert worden sei, aber er erinnere sich nicht daran, dass es jemals aufgenommen wurde.

Andrew gibt an, er habe nicht der verschwitzte Tänzer sein können

Als BBC-Moderatorin Emily Maitlis die Details der Tatnacht schildert, so wie Giuffre sie erinnert, gibt Prinz Andrew eine bizarre Antwort. "Sie beschrieb, dass sie mit Ihnen getanzt hat und dass Sie stark geschwitzt haben, sodass sie sich womöglich ein Bad einlassen wollte", sagt Maitlis. Prinz Andrew erwidert:

Nein, bei der Schwitz-Sache gibt es ein kleines Problem: Ich habe diese medizinische Eigenart, sodass ich nicht schwitze – das heißt, zu der Zeit konnte ich gar nicht schwitzen, weil ich eine Überdosis an Adrenalin im Falklandkrieg erlitten habe, als auf mich geschossen wurde. Also war es zu der Zeit für mich fast unmöglich zu schwitzen. Prinz Andrew


Nur weil er in der jüngeren Vergangenheit "mehrere Dinge" unternommen hätte, sei er nun wieder in der Lage zu schwitzen. "Also tut mir leid es zu sagen, aber das war diese Art Krankheit die zeigt, dass ich es nicht getan habe."


"Für ein Mitglied der Königlichen Familie nicht geziemend"

Als Mitglied der königlichen Familie ist der zweitälteste Sohn von Königin Elizabeth II. im Missbrauchsskandal um Epstein schweren Vorwürfen ausgesetzt. Bereits im Sommer hatte er sich deshalb zu einer Erklärung genötigt gefühlt. Auch der Buckingham Palast hatte damals die Vorwürfe gegen Prinz Andrew zurückgewiesen: "Seine Königliche Hoheit verurteilt die Ausbeutung eines jeden Menschen und die Unterstellung, er würde solches Verhalten dulden, daran teilnehmen oder dazu animieren, ist abscheulich", hieß es.

In dem Interview bedauert Andrew nun sein eigenes Verhalten: Er trete sich täglich selbst dafür, dass er auch nach der Verurteilung noch bei Epstein gewesen sei, weil es "für ein Mitglied der Königlichen Familie nicht geziemend" sei, sagte er. "Es war ein bequemer Ort zum Verweilen, aber es war definitiv falsch, das zu tun." Vielmehr bemühe sich die Königliche Familie, die höchsten Standards und Bräuche aufrechtzuerhalten. Er habe enttäuscht, so einfach sei das.

Das komplette Interview mit Prinz Andrew bei "BBC Newsnight" (Englisch):


Britische Medien zerpflücken "Randy Andy"

Britische Medienkommentatoren wiesen nach der Veröffentlichung eines Interviewauszugs darauf hin, dass Andrew nicht bestritten habe, mit der jungen Frau Sex gehabt zu haben, sondern nur darauf beharre, sich nicht an ein Treffen mit ihr zu erinnern. "Prinz Andrews schockierendes Interview war ein Versuch, seinen Ruf zu retten – aber es hat bloß mehr Fragen aufgeworfen", schrieb die "Sun". Dies seien verzweifelte Zeiten für "Randy Andy", erinnerte die Zeitung zudem an den Spitznamen des Prinzen, der in den 1980er-Jahren als Playboy galt.

Hier ein Foto von Andrew 2001, auf dem er definitiv nicht schwitzt, spotten diverse Twitternutzer:


Seine Ex-Frau Fergie verteidigt ihn

Gegen die Vorwürfe hielt, wie schon früher, seine Ex-Frau Sarah "Fergie" Ferguson. "Andrew ist ein wahrer und echter Gentleman", twitterte die Herzogin von York am Freitagabend. Er sei nicht nur pflichtbewusst, sondern immer auch freundlich und gutherzig. Das Ex-Paar, dessen Ehe bis zur Scheidung 1996 von diversen Affärengerüchten begleitet wurde, pflegt heute ein sehr freundschaftliches Verhältnis.


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