Kritik am Schulsystem : Mit sozialen Medien zum Einserschüler

Vom Fünfen- zum Einsenschreiber: Der Wiener Nachwuchs-Autor Benjamin Hadrigan hat das nach eigener Aussage durch das Lernen mit sozialen Medien geschafft. Foto: Lukas Beck
Vom Fünfen- zum Einsenschreiber: Der Wiener Nachwuchs-Autor Benjamin Hadrigan hat das nach eigener Aussage durch das Lernen mit sozialen Medien geschafft. Foto: Lukas Beck

Vom Nachhilfeschüler zum Überflieger durch soziale Netzwerke? Kein Problem, sagt der Österreicher Benjamin Hadrigan. In seinem Buch „#Lernsieg – Erfolgreich lernen mit Snapchat, Instagram und Whatsapp“ knöpft sich der 17-Jährige das Schulsystem vor und will Schülern zeigen, wie sie mit Hilfe ihrer Handys zu Einserschülern werden.

von
23. März 2019, 05:00 Uhr

Osnabrück/Wien | Über Benjamin Hadrigan heißt es auf dem Einband seines Buchs: „Er hasste das Lernen und galt als Schulversager. Bis er seine liebsten Hobbys – Snapchat, Instagram und Whatsapp – beim Lernen verwendete.“ Im Gespräch mit unserer Redaktion gibt der Nachwuchs-Autor jedoch zu: "Soziale Medien allein reichen nicht aus. Die Schüler müssen auch die Motivation aufbringen und korrekte Lerntechniken anwenden." Viele hätten "das richtige Lernen nie gelernt". Schlechte Erfahrungen in der Schule seien damit vorprogrammiert.

Ehe der Österreicher auf sein Kernthema zu sprechen kommt, übt er sich in den ersten Kapiteln seines Buchs daher eher als Motivations-Trainer statt als Social-Media-Experte. Lerntipps wie „Sei stolz auf dich“ oder „Wenn du sagst ‘Ich bin ein Lernsieger‘ dann wirst du einer" dominieren einen großen Teil der 224 Seiten.

Versagen weckt den Ehrgeiz

"Das Buch basiert auf meinen eigenen Erfahrungen", erklärt der 17-Jährige. Jahre lang habe er keinen Sinn in der Schule gesehen und sei unruhig auf seinem Stuhl hin und hergerutscht. Ärzte bescheinigten ihm ADHS und eine Lese-Rechtschreibschwäche. "Dabei wusste ich einfach nicht, wie ich richtig lernen sollte." Schließlich habe sein anhaltendes Versagen seinen Ehrgeiz geweckt. "Ich wollte beweisen, dass ich es besser kann." Er habe sich intensiv mit Lerntechniken und dem Schulsystem auseinandergesetzt – und entdeckte sein eigenes Handy als perfektes Werkzeug zum Lernen.

Die Schuld für schlechte Noten sieht Hadrigan nicht allein bei den Schülern. Der eigentliche Fehler sei vielmehr ein „hoffnungslos veraltetes Schulsystem“, unter dem Lehrer und Schüler gleichermaßen leiden. Zwischen Österreich und Deutschland gebe es auf diesem Gebiet kaum Unterschiede. Die bisherigen Versuche den Unterricht zu digitalisieren, verfolgten laut Hadrigan das völlig falsche Ziel:

„Milliarden für Computer und andere überflüssige elektronische Geräte an den Schulen wären verbranntes Geld.“


Die Schüler seien ohnehin bereits alle digitalisiert. Ihre Handys könnten schon jetzt mehr als jeder Schulcomputer. Hadrigan schlussfolgert: „Die Zukunft des Lernens besteht im Umgang mit dem Handy.“ Das fördere den Spaß am Lernen, sei effizient und erfordere zudem keine Steuergelder. Um auch den Lehrern moderne Lerntechniken näherzubringen, sei es viel sinnvoller, in Schulungen zu investieren.

Lerntypen erkennen

Aber wie funktioniert das Lernen via soziale Medien denn nun? Bevor Hadrigan den verzweifelten Schülern seine Lösung offenbart, soll ein weiteres Kapiteln den Lesern helfen, sich einem bestimmten Lerntyp zuzuordnen. Welche Funktion welcher App zum Lernen die beste ist, sei davon abhängig ob ein Schüler besser auditiv, kommunikativ, motorisch oder visuell lernt. Lerntypen sind bereits seit den 1970er Jahren eine gängige Theorie in der Pädagogik.

Digitale Lernhelfer: Soziale Meiden wie Instagram und Snapchat sollen Schülern das Lernen erleichtern. Foto: dpa/Patrick Seeger
Foto: dpa/Patrick Seeger
Digitale Lernhelfer: Soziale Meiden wie Instagram und Snapchat sollen Schülern das Lernen erleichtern. Foto: dpa/Patrick Seeger


Hadrigan zufolge können Schüler zum Beispiel über die Foto- und Video-Plattform Instagram in einem privaten Konto, das nicht von anderen Nutzern eingesehen werden kann, ihren Lernstoff sammeln. Abhängig vom Lerntyp sollen hier erklärende Videos, visualisierende Bilderstrecken oder Diskussionen strukturiert festgehalten werden. Der größte Vorteil der Dienste sei ohnehin, dass das Material jederzeit abrufbar ist und komplexe Inhalte in aller Kürze zusammengefasst werden müssen. Den Messaging-Dienst Snapchat erklärt Hadrigan zur besten Hilfe, um Gelerntes beim gegenseitigen Frage-Antwort-Spiel mit Freunden zu festigen. Die Gruppen-Chats bei Whatsapp seien optimal, um sich innerhalb einer Schülergruppe schnell und unkompliziert zu helfen. Spätestens hier wird klar, dass Hadrigan das Rad nicht neu erfindet. Er überträgt jedoch gekonnt bewährte Methoden, wie das Lernen in der Gruppe, auf die digitalen Möglichkeiten.

Jeder Schüler zählt

"Nicht alle Schüler werden meine Tipps anwenden", sagt der Österreicher. Dennoch sei jeder, der durch seinen Leitfaden besser wird, ein großer Erfolg. Seine Buchveröffentlichung unterstützt Hadrigan über www.betteracademy.eu – eine Webseite, über die er seinen Lesern für Fragen zur Verfügung steht.

Wirklich neu sind Hadrigans Lerntipps nicht. In "#Lernsieg" zeigt der Wiener jedoch kompakt und verständlich auf, welche Strategien – egal ob analog oder digital – Schüler anwenden können, um ihre Leistungen zu verbessern. Wie der junge Autor fast mantraartig über das gesamte Buch hinweg betont, sei jedoch die innere Einstellung und Motivation eines jeden Schülers mindestens genauso wichtig, wie die Lernstrategie selbst.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen