Einflussreicher Familientherapeut : Seine Elternratgeber sind Bestseller: Jesper Juul ist gestorben

Jesper Juul starb am 25. Juli 2019 an einer Lungenentzündung.
Jesper Juul starb am 25. Juli 2019 an einer Lungenentzündung.

"Europas großer Familienretter": Der Däne starb nach schwerer Krankheit im Alter von 71 Jahren.

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26. Juli 2019, 09:28 Uhr

Odder | Der dänische Familientherapeut Jesper Juul ist am Donnerstag im Alter von 71 Jahren gestorben. Er sei nach schwerer Krankheit friedlich eingeschlafen, berichtet das Institut Familylab in Berufung auf Juuls Sohn Nicolai.

Juul lebte seit mehreren Jahren zurückgezogen in Odder an der dänischen Ostseeküste. 2012 entzündete sich sein Rückenmark, sodass er zum Pflegefall wurde. Er habe jahrelang unter starken Schmerzen gelitten, gegen die auch Medikamente nicht geholfen hätten. "Er hat jetzt sieben Jahre gekämpft, jetzt ging es nicht mehr", sagte der Gründer und Leiter der Organisation Familylab Deutschland, Mathias Voelchert. Juul starb an einer erneuten Lungenentzündung.

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Juul wurde 1948 in Vordingborg, Dänemark, geboren. Nach seinem Studium, das er sich unter anderem mit Ferienjobs als Kellner in Deutschland finanziert hatte, ließ er sich einst in Dänemark, den Niederlanden und in den USA zum Familientherapeuten ausbilden. Er arbeitete als Lehrer, Gruppen- und Familientherapeut und Konfliktberater. 2004 rief er das Projekt Familylab ins Leben, das in neun europäischen Ländern Familien berät.

Die Juul-Erziehungsmethode: Kindern auf Augenhöhe begegnen

Juul galt seit rund drei Jahrzehnten als einflussreichster Familientherapeut Europas. Der Erziehungsexperte schrieb rund zwei Dutzend Bücher. Seine Ratgeber "Was Familien trägt", "Nein aus Liebe" und "Pubertät – Wenn Erziehen nicht mehr geht" wurden Bestseller.

Als sein bekanntestes Buch gilt "Das kompetente Kind" (1997). Darin schreibt Juul, die traditionelle Erziehung ignoriere, dass Kinder Verhalten durch Imitation lernen. Sie sollten experimentieren dürfen und anhand des elterlichen Vorbilds lernen. Ständige Ermahnungen führten hingegen dazu, dass sich Kinder dumm und unzureichend fühlen. Fallen Kinder mit ihrem Verhalten auf, müsse immer die ganze Familie an ihrem Umgang arbeiten.

Selbst zuerst "ein furchtbarer Vater"

Mit seinen Werken hat Juul unzähligen Eltern bei der Erziehung unter die Arme gegriffen. Er selbst sei dabei nicht der beste Vater für seinen Sohn Nicolai gewesen, verriet der Däne im Juli 2016 dem Magazin "Nido".

"In den ersten Lebensjahren meines Sohnes war ich einer der furchtbarsten Väter, die man sich vorstellen kann", sagte er. Er habe seinem Sprössling auch mal einen Klaps auf den Hintern verpasst. Mit den Jahren sei er dann ein eher weicher Vater geworden und in ständiger Angst gewesen, dass er seinem Sohn schaden könne.

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