Früherer Partei-Chef : „Er wird fehlen“: SPD zum Tod von Hans-Jochen Vogel

Hans-Jochen Vogel, ehemaliger Parteivorsitzender der SPD und Bürgermeister von München, ist tot.
Hans-Jochen Vogel, ehemaliger Parteivorsitzender der SPD und Bürgermeister von München, ist tot.

Hans-Jochen Vogel machte vor wenigen Jahren seine Parkinson-Erkrankung öffentlich.

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26. Juli 2020, 14:22 Uhr

München | Der frühere SPD-Chef Hans-Jochen Vogel ist tot. Er starb am Sonntagmorgen im Alter von 94 Jahren in München, wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Umfeld der Familie erfuhr.

Hans-Jochen Vogel: Mit 34 Jahren Oberbürgermeister in München

Mit 34 Jahren wurde der 1926 in Göttingen geborene Professoren-Sohn Oberbürgermeister in München – und damit jüngstes Stadtoberhaupt einer deutschen Großstadt. Die 4444 Amtstage an der Isar prägten Vogel stärker als spätere Stationen. Er trug dazu bei, die Olympischen Spiele 1972 nach München zu holen. Wegen heftiger Auseinandersetzungen mit der SPD-Linken warf der damalige Vertreter der Parteirechten das Handtuch und ging in die Bundespolitik.

Als SPD-Kanzlerkandiat Helmut Kohl unterlegen

Die Karriere von Hans-Jochen Vogel war gezeichnet von vielen Glanzpunkten, aber auch Niederlagen: Bundesbau- und Bundesjustizminister, für knapp vier Monate Regierender Bürgermeister in Berlin, SPD-Partei- und Fraktionschef – und Kanzlerkandidat. Doch da unterlag er Helmut Kohl.

In der SPD galt Vogel zeitlebens als gutes Gewissen mit unerschütterlichen moralischen Grundsätzen. Abgesehen vom großen Thema "soziale Gerechtigkeit" trieb Vogel bis ins hohe Alter aber noch ein anderes Problem um: der drohende Zerfall Europas. Schon als der Austritt Großbritanniens aus der EU sich erstmals abzeichnete, sagte Vogel, dass 70 Jahre Frieden in Europa nur durch die Überwindung des Nationalismus möglich geworden seien.

Merkel: "Eine der prägenden politischen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete Vogel als "eine der prägenden politischen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit". "Sein Wirken war und ist Inspiration und Vorbild für viele Menschen in Deutschland", ließ Merkel über eine Regierungssprecherin auf Twitter schreiben. Ihre Gedanken seien bei der Familie Vogels. Dieser war am Sonntag im Alter von 94 Jahren gestorben.

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Würdigung von SPD

Die SPD würdigt Hans-Jochen Vogel als "großen Sozialdemokraten". In einer Erklärung des Parteivorstands hieß es am Sonntag: "Er war der erste Vorsitzende der wiedervereinigten SPD. Er war ein großer Sozialdemokrat, ein Vorbild, ein Freund. Hans-Jochen Vogel kämpfte sein Leben lang für sozialdemokratische Werte, eine gerechte Welt und für ein einiges Europa. Er wird fehlen."

Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken schrieb auf Twitter: "Deutschland und die SPD haben Hans-Jochen Vogel viel zu verdanken." Er habe wie kaum ein anderer für Verständnis und Fürsorge, Demokratie und Menschlichkeit gestritten. Generalsekretär Lars Klingbeil schrieb: "Mit Hans-Jochen Vogel ist ein ganz großartiger Mensch von uns gegangen. Jemand, der dieses Land über Jahrzehnte geprägt hat und dem wir alle viel zu verdanken haben."

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Söder: "Herausragende Persönlichkeit"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CDU) schrieb, Deutschland verliere eine "herausragende Persönlichkeit". "Über Parteigrenzen hinweg genoss er durch seine glaubwürdige Politik und authentische Art höchstes Ansehen."

FDP-Fraktionsgeschäftsführer Marco Buschmann erklärte auf Twitter: "Hans-Jochen Vogel war ein authentischer und bescheidener Sozialdemokrat. Anders als anderen ex-SPD-Chefs wäre es ihm nie in den Sinn gekommen, seinen Ruhestand zu versilbern."

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Parkinson-Erkrankung öffentlich gemacht

Seine Parkinson-Erkrankung hatte Vogel erst wenige Jahre vor seinem Tod öffentlich gemacht, bis zuletzt lebte er mit seiner Frau Liselotte in einer Seniorenresidenz in München. Hier ließ er sich – sofern es seine Gesundheit zuließ – von Freunden, Journalisten und auch Parteifreunden besuchen. Mit ihnen diskutierte er dann auch gerne über hochaktuelle Fragen wie die Flüchtlingskrise oder die Gefahren, die rechten Strömungen ausgehen. Wer Vogel erreichen wollte, der brauchte aus heutiger Sicht viel Geduld – bis zu seinem Tod verschmähte er Handy und Computer.

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