David Garrett in Schwerin : „Unlimited“-Tour: Musikalische Reise ohne Grenzen

David Garrett freut sich, dass auch junge Menschen in seine Konzerte kommen.
David Garrett freut sich, dass auch junge Menschen in seine Konzerte kommen.

Auf seiner „Unlimited“-Tour mit Band und der Neuen Philharmonie Frankfurt gastiert Stargeiger David Garrett auch in Schwerin

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10. Mai 2019, 12:00 Uhr

„Rock’n’Roll“ hat sich David Garrett auf seinen rechten Unterarm tätowieren lassen – doch wer dem Geiger gegenüber sitzt, gewinnt eher den Eindruck eines netten Mannes, der trotz seiner schweren Stiefel so gar nichts vom wilden Rock-Musiker an sich hat. Mag der 38-Jährige auch auf der Bühne gern die Seiten wechseln und wie jetzt auf seiner „Unlimited“-Tour in Titeln wie „Thunderstruck“ den Hardrockern von AC/DC huldigen, im Gespräch zeigt sich eher eine weiche Note auf seinen Zügen. Am 22. Mai gastiert der gebürtige Aachener nun mit Band und der Neuen Philharmonie Frankfurt in Schwerin – Christoph Forsthoff hat mit Garrett über Imagewandel und Crossover-Projekte gesprochen und ist mit ihm auf Kindheitsspuren gewandelt.

Erinnern Sie sich noch an den 28. August 1991?
David Garrett (überlegt): Hamburg, Gerd Albrecht, Sarasate Zigeunerweisen.

Ich bin schwer beeindruckt...
Garrett (lacht): ... ich habe ein gutes Gedächtnis.

Ich saß an jenem Tag im Publikum, als Sie mit gerade einmal zehn Jahren in der Laeiszhalle mit den Hamburger Philharmonikern spielten. Wie sah denn damals der Zukunftstraum des kleinen David aus, der ja im Grunde schon ganz oben angekommen war...
Ich hatte keinen Traum – und wahrscheinlich hat auch kein Kind mit zehn Jahren wirklich einen Traum bezüglich seiner Zukunft. Dafür ist man viel zu jung, hat zu wenig gesehen und zu wenig erlebt. Natürlich habe ich gemerkt, dass die Leute viel Interesse für mich und mein Geigenspiel gezeigt haben, aber im Grunde wusste ich gar nicht, was ich da so tue.

Und wann ist Ihnen dies dann bewusst geworden?
Mit 16 oder 17 Jahren – plötzlich wird dir klar, wie viele Leute involviert sind und auch die Erwartung haben, dass du gut spielst. Und auf einmal merkst du, welch einer Drucksituation du eigentlich ausgesetzt bist: Mit der musst du dann erstmal klar kommen, dich von dieser befreien und dich wieder auf dich selbst besinnen. Vielleicht war dies auch ein Grund, dass ich mir dann diese Auszeit in New York genommen habe.

Es kam dann ja relativ rasch Ihr Image- und Sound-Wechsel vom eher konservativen Klassikkonzert zum Event mit Klassik-Hintergrund, vom Wunderkind zum Geigenrebell mit schwerem Nietengürtel – was hat Sie zu dieser Veränderung getrieben?
Meine Persönlichkeit, die sich entwickelt hat – schließlich wird man älter (lacht). Zudem hatten in meiner Kindheit und frühen Jugend meine Eltern stets Wert darauf gelegt, die Klamotten für mich zu kaufen, ohne mich zu fragen (lacht) – und das führte natürlich auch zu diesen teilweise haarsträubenden Bühnen-Outfits. Was nicht heißt, dass ich es selber besser gemacht habe… aber so eine Findungsphase, wo man auch mit Klamotten experimentiert, ist völlig normal.

Nun hat sich damals nicht nur Ihre Kleidung verändert, sondern auch der Sound...
...ich habe die Klassik eigentlich immer zweispurig betrieben. Ich fand das einfach spannend und habe über ein, zwei Jahre auch erlebt, was das für einen Wechsel im Publikum bewirkt: Wenn man heute zu mir ins Klassikkonzert kommt, sind da junge Menschen – und das ist toll.

Die Kollegen von der „Zeit“ sahen das anders und schrieben, Sie seien einer totalitären Vermarktungsmaschinerie in den Rachen geworfen und in eine Pop-Marke verwandelt worden...
...mache ich wirklich diesen Eindruck? Glauben Sie mir: Alle, die jemals mit mir zu tun gehabt haben, hätten sich gewünscht, mir etwas sagen zu können, doch das war gar nicht möglich (lacht).

Was erwartet Ihr Publikum nun in Schwerin?
Das Programm wird viele Stücke beinhalten, die ich über die letzten zehn Jahre im Crossover- wie auch im Klassik-Bereich aufgenommen habe. Stücke, mit denen ich viele wunderbare Erinnerungen verbinde, ein musikalisch-emotionaler Rückblick und für mich die tolle Möglichkeit, diese Werke auch noch einmal neu zu entdecken.

Taugen solche Crossover-Projekte als Brücke zur Klassik für die Massen?
Das ist für mich keine Frage, sondern ein Fakt. Ich habe durch meine Konzerte Brahms, Tschaikowsky, Sibelius, Bruch und Mozart so vielen Menschen näher gebracht, die sich diese Musik vorher nie angehört haben! Kinder schicken mir Nachrichten, sie hätten wegen mir angefangen Geige zu lernen, junge Menschen kommen in meine Konzerte – was will ich mehr?

Ihre Kollegin Julia Fischer sagt, solche Crossover-Projekte seien kein Weg, um ein Publikum zur Klassik zu führen, sondern um ein Publikum zu David Garrett zu bringen.
Jeder hat seine Meinung – ich freue mich riesig, so vielen Menschen klassische Musik näher gebracht zu haben. Und so sehr ich Julia schätze – eine ganz tolle Geigerin und sehr liebe Kollegin –, möchte ich ihrer Aussage doch ein Stück weit widersprechen: Wenn ein Kind anfängt, wegen mir Geige zu spielen, dann geht das über meine Person hinaus.

Konzert: 22. Mai, Sport- und Kongresshalle Schwerin, 20 Uhr


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