Immer wieder sonntags : 25 Jahre Pilcher im ZDF - der Wunsch nach dem Gegenpol

Die britische Schriftstellerin Rosamunde Pilcher und der Produzent ihrer Herzschmerz-Romanverfilmungen, Michael Smeaton. /ffp New Media
Die britische Schriftstellerin Rosamunde Pilcher und der Produzent ihrer Herzschmerz-Romanverfilmungen, Michael Smeaton. /ffp New Media

Rosamunde Pilcher, Inga Lindström, Katie Fforde - sie alle müssen gegen den «Tatort» im Ersten von Sonntag zu Sonntag bestehen. Pilcher schafft dieses Kunststück nun schon seit 25 Jahren.

svz.de von
07. Oktober 2018, 00:01 Uhr

Am 30. Oktober feiert das deutsche Fernsehen ein Jubiläum, mit dem bei Ausstrahlung von «Stürmische Begegnung» 1993 nicht viele rechneten: ein Vierteljahrhundert Rosamunde-Pilcher-Filme.

An diesem Sonntag (7. Oktober, 20.15 Uhr) ist der 148. der in Südengland gedrehten Melodrama-Reihe («Wo dein Herz wohnt») zu sehen. Ein Ende ist nicht in Sicht - Brexit hin, Brexit her.

Produzent der Filme ist zusammen mit seiner Partnerin Heidi Ulmke seit Beginn Michael Smeaton (66). «Ich glaube, je größer die Unsicherheiten in der Welt werden und politische Geister, die wir längst verjagt zu haben glauben, existieren, besteht der Wunsch nach einem Gegenpol», sagt Smeaton, Sohn eines Schotten und einer Berlinerin.

Die Vorlagengeberin selbst, Rosamunde Pilcher, ist inzwischen 94 Jahre alt. Smeaton war jüngst zu ihrem Geburtstag in Dundee. Sie sei in guter Verfassung, berichtet er und habe ein phänomenales Gedächtnis. In England sei sie relativ unbekannt. Sie schreibe inzwischen nicht mehr - aber das macht nichts.

Denn bevor Pilcher einst ihre ersten beiden großen Romane veröffentlichte, hat die Schriftstellerin laut Smeaton eine Unmenge an Kurzgeschichten für Frauenzeitschriften zu Papier gebracht. Diese wiederum habe sie akribisch in Kurzform, mit jeweils in wenigen Sätzen Inhalt, im Stil einer Buchhalterin in einem schwarzen Büchlein zusammengefasst, das jetzt sicher eingelagert in einem Safe liegt.

Es ist ein wenig wie beim Erdöl: Dieser kleine Schatz ist nicht unendlich, reicht locker noch viele Jahre. «Pilcher-Filme wird es auch noch geben, wenn sie nicht mehr auf der Welt ist», sagt Smeaton. Etwa fünf bis sechs Herzschmerz-Produktionen werden jährlich an Englands Südwestküste bei Cornwall gedreht. Die Vereinbarung von Smeatons Firma ffpnewmedia und dem ZDF laufe zumindest bis 2021. Verlängerungen sind alle fünf Jahre möglich.

Die Methode, deutsche Schauspieler in schöne Landschaften außerhalb der Landesgrenzen zu verpflanzen, hat sich nicht nur im Fall Pilcher bewährt. Inzwischen entstehen auf solche Weise auch andere Beiträge fürs ZDF-«Herzkino» wie zum Beispiel die der Inga-Lindström-Reihe in Schweden. Ob der Brexit einen Einfluss auf die Pilcher-Umsetzung haben wird? Unter Umständen auf Einreise- und Arbeitserlaubnis? Er hoffe nicht, so Smeaton.

Mittlerweile haben vier bis fünf Millionen Deutsche sonntagabends trotz der knallharten «Tatort»-Konkurrenz ihre Verabredung mit Pilcher und den anderen «Herzkino»-Marken. An diesem Sonntag geht es in der Geschichte «Wo dein Herz wohnt» um die junge Schottin Lilli Miller (Anna Herrmann), die kurz vor ihrer Hochzeit ein Cottage in Cornwall erbt - damit ist in ihrem Leben natürlich bald nichts mehr so, wie es vorher war.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen