zur Navigation springen

Einzigartig : Zwischen Kupferstich und Performance - Die Elbe in der Kunst

vom

Flüsse sind von jeher Inspiration für Künstler. Auch die Elbe ist seit der Renaissance präsent in der Kunst - vom Kupferstich bis zur Performance.

svz.de von
erstellt am 15.Aug.2017 | 10:18 Uhr

Flüsse inspirieren Schriftsteller zu Gedichten, Komponisten zu Sinfonien und Künstler zu Bildern. Landschaftsmalerei scheint undenkbar ohne Flüsse. Auch die Elbe ist als Motiv prominent in der Kunst vertreten.

Ob in Kupfer gestochen, mit Bleistift gezeichnet, in Öl gemalt - realistisch, idealisiert, romantisch, impressionistisch, expressionistisch oder als Kunstprojekt.

Das wohl berühmteste Elbe-Bild malte Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, 1748. Für Andreas Henning von der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden ist der «Canaletto-Blick» eine Liebeserklärung an die Elbe. «Denn das Bild besteht vor allem aus Himmel und Wasser, mit ein bisschen Stadt.» Bellotto habe die Schönheit des Flusses begriffen, der der Stadt eine Bühne gebe und sie als Spiegelbild der Architektur lebendig mache. Auch das nahe Pirna porträtierte der Venezianer mit der Elbe - sogar 14 Mal.

Die erste böhmische Landkarte mit der Elbe wurde 1518 gedruckt. «Seit das Territorium des Kurfürstentums Sachsen künstlerisch abgebildet wird, steht die Elbe als zentraler Fluss entlang der Residenzen Dresden und Pillnitz im Zentrum der Darstellungen», erläutert die Kunsthistorikerin Anke Fröhlich-Schauseil. Nach Werken aus Renaissance und Barock, etwa der Kupferstecher- und Verlegerdynastie Merian, war es vor allem der «Vater der Sächsischen Landschaftsmalerei» Johann Alexander Thiele, auf den zahlreiche Elbe-Porträts aus Böhmen und Sachsen zurückgehen.

«Diese 1726 bis 1751 entstandenen Gemälde haben über Jahrhunderte die Wahrnehmung der Elbe als malerischen Strom geprägt», sagt Fröhlich. Ähnlich verhalte es sich mit Adrian Zinggs seit 1766 geschaffenen Ansichten der Gegenden entlang des Stroms. Ein Höhepunkt subjektiver Naturwahrnehmung aber sind Anfang des 19. Jahrhunderts die Werke von Caspar David Friedrich und den Frühromantikern in Dresden.

«Der Fluss gilt als Metapher des menschlichen Lebens, die Romantiker übernahmen das Sinnbild», sagt Holger Birkholz von der Galerie Neue Meister Dresden. Die pittoreske Landschaft des Elbsandsteingebirges bot Ende des 18. Jahrhunderts den Humus zur Entfaltung der deutschen Romantik, als deren Wegbereiter Zingg gilt. Der Kunstakademie-Lehrer erwanderte das Gebiet; Friedrich, Carl Gustav Carus oder der Norweger Johan Clausen Dahl fanden Jahre später dort ebenso reichlich Motive.

Im Sommer 1810 zeichnete Friedrich die Elbquelle im Riesengebirge, die Sächsische Schweiz findet sich in den Bildern «Wanderer über dem Nebelmeer», «Morgennebel im Gebirge» und «Felsenschlucht». «Seitdem zieht sich die Elbe durch die Kunst wie eine Lebensader durch Landschaften», sagt Birkholz. Ludwig Richters «Die Überfahrt am Schreckenstein» etwa steht für einen Fels mit Burgruine bei Aussig (Tschechien), der die Fantasie von Künstlergenerationen erregte und Richard Wagner beim «Tannhäuser» inspirierte.

Während in Böhmen und Sachsen Kunstwerke in dichter Abfolge geschaffen wurden, war der Fluss im weiteren Verlauf ab Meißen über Torgau, Schönebeck, Magdeburg, Wittenberge seltener künstlerisches Motiv. Erst in Hamburg nahm die Zahl der Darstellungen durch dortige Vedutenmaler wieder zu - auch im Sinne der Selbstdarstellung des hanseatischen Bürgertums. Zu den frühesten Darstellungen zählt die Miniatur zum Stadtrecht von 1497.

Später entstehen poetisch überhöhte Landschaften. Auch Strandleben wird eingefangen, und Anfang des 20. Jahrhunderts wird das einstige Fischer- und Lotsendorf Blankenese zum Sujet. Lovis Corinth hält 1911 mit «Blick auf den Köhlbrand» die Aussicht vom Haus eines Freundes in Altona fest, Carl Becker fängt 1890 die Elbmündung ein. Zahlreiche Maler beschäftigen sich mit dem Hamburger Hafenleben, es entstehen an der Elbe auch unzählige Schiffsporträts.

Auch in Werken des Berliner Malers Max Liebermann findet sich als Fluss nicht allein die Havel, sondern auch die Hamburger Elbe. «Er hat aber immer Flüsse in Kombination mit Menschen gemalt», sagt Margret Nouwen vom Liebermann Archiv Berlin. Der Fluss sei, mit Ausnahme der beiden Pastelle «Regenstimmung auf der Elbe» und «Nach dem Regen», nie Hauptmotiv gewesen: auch im Gemälde «Terrasse im Restaurant Jacob» ist die Elbe nur Kulisse.

In Dresden indes schwelgt Oskar Kokoschka angesichts des Blickes aus seinem Akademie-Atelier und malt sieben verschiedene Versionen. Sogar im «Selbstbildnis an der Staffelei» fließt die Elbe im Hintergrund träge vorbei. Auch Max Pechstein, Fritz Bleyl und Erich Heckel verewigen sie in Öl, Ludwig Kirchner zeichnet aus Canalettos Perspektive, und Otto Dix malt Elbe-Badeanstalt und Boote am Ufer.

An der Dresdner Kunstakademie wurden die Empfindsamkeit für Naturschönheit und Stimmungen früh gefördert sowie Wahrnehmung und handwerkliches Vermögen geschult, erklärt Fröhlich die Überzahl sächsischer Elbe-Bilder.

Der Fluss inspiriert und fordert Künstler noch immer: Gerhard Richter gab einer 1957 geschaffenen Gruppe von 31 Zeichnungen nachträglich den Titel «Elbe», die schottische Künstlerin Susan Philipsz widmete ihr eine Film-Soundarbeit, der US-Amerikaner Mark Dion nutzt sie für Projekte zum Kunstdiskurs.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen