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„In einer besseren Welt“ : Zwischen Gewalt und Fürsorge

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mikael Persbrandt als Arzt Anton in dem dänischen Film „In einer besseren Welt“ - ARD sendet Oscar-Streifen in der Reihe KinoFestival

Mit sichtlichem Vergnügen spielt er das enfant terrible der schwedischen Schauspielszene. Ein Typ voller Gegensätze, der einst als Balletttänzer seine ersten Schritte machte und heute als Charakterdarsteller glänzt. Mikael Persbrandt ist ein Mann, der ständig auf dem Ego-Trip zu sein scheint, sich auf der anderen Seite aber für Unicef einsetzt und andere Hilfsprojekte unterstützt.

Der Schauspieler, 1963 in Jakobsberg geboren, wurde dem deutschen TV-Publikum als Polizist Gunvald Larsson bekannt. In der Krimireihe „Kommissar Beck – Die neuen Fälle“ spielte er bis 2009 den ewig muffeligen Kollegen. Einigen Zuschauern, die etwas genauer hingeschaut haben, dürften auch die Filme „Der letzte Mord“ (1998) und „Die Spur führt ins Leere“ (2003) aufgefallen sein. In Schweden ist Persbrandt auch als Theaterschauspieler, u. a. durch Aufführungen am Königlichen Dramatischen Theater in Stockholm, bekannt. Im Kino ist er gerade in Peter Jacksons Verfilmung des Tolkien-Romans „Der Hobbit“ als Beorn zu sehen.

In einer seiner besten Rollen präsentiert ihn das Erste am Sonntag. Das ARD-KinoFestival zeigt um 23.30 Uhr den preisgekrönten Film „In einer besseren Welt“. Persbrandt verkörpert mit großer Intensität einen idealistischen Arzt. Anton ist ein Wanderer zwischen den Welten. Mehrere Monate im Jahr ringt der schwedische Mediziner in einem afrikanischen Flüchtlingscamp um jedes Menschenleben.

Daheim in Dänemark leidet Antons zwölfjähriger Sohn Elias unter den Quälereien seiner Schulkameraden. Die Dänen hassen die Schweden, und Elias bekommt das zu spüren. Anton und seine Frau Marianne haben sich getrennt, so dass der Junge nicht nur seinen abwesenden Vater, sondern auch das verlorene Glück der Familie vermisst. Trotzdem schlägt er, wenn er vor dem Schultor gemobbt wird, nicht zurück. Dann kommt Christian in die Klasse, er steht ihm bei, lehrt ihn handfesten Widerstand. Dadurch gerät Elias in Konflikt mit seinem prinzipientreuen Vater, der seine Kinder zu Pazifisten erziehen will.

Als Elias und Christian erleben, wie Anton bei dem Schlichtungsversuch auf dem Kinderspielplatz von einem Fremden geohrfeigt wird, sind sie erschüttert. Denn Anton lebt Gewaltlosigkeit vor und wehrt sich nicht. Doch seine Botschaft wirkt fatal. Um ihn zu rächen, bauen die Freunde eine Rohrbombe, um den Wagen des Prüglers zu sprengen. In einer besseren Welt läge das Schießpulver dafür nicht bereit, aber diese Welt ist nicht in Sicht.

Die biblische Maxime Auge um Auge führt in die Katastrophe, wie der Oscar-prämierte Film zeigt. Mikael Persbrandt verkörpert glaubhaft den uneigennützigen Mediziner, der für seine Überzeugung einsteht. Seine Ehefrau spielt die dänische Darstellerin Trine Dyrholm, die in dem Welterfolg „Das Fest“ zu sehen war. Besonders beeindrucken auch Markus Rygaard und William Jøhnk Nielsen in den Rollen der beiden auf sich gestellten Jungs.

In ihrem Melodram stellt die dänische Erfolgsregisseurin Susanne Bier existenzielle Grundfragen über Moral und Gewaltverzicht. Ungeschönt werden Bürgerkriegsszenen aus Afrika mit der dänischen Postkarten-Idylle konfrontiert. Der Zuschauer kann die Gegensätze kaum so schnell verkraften, wie sie präsentiert werden.

In diesem Wechselbad der Gefühle entfaltet sich das emotionale Panorama der heutigen Gewissensfragen. Susanne Bier, die ihre Filmkarriere mit den „Dogma“-Regeln begann, hat keine Scheu vor großen Emotionen, zwischen Pazifismus und brutaler Gewalt erzählt sie ungeschönt eine dänische Geschichte von der Globalisierung und ihren Gefahren in einer Sprache, die jeder versteht.




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