Der kleine Muck : Zauberpantoffeln und Wunderstab

Der kleine Muck (Thomas Schmidt) weiht Prinzessin Armazah (Silja Lesny) in das Geheimnis des Zauberstabes ein.
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Der kleine Muck (Thomas Schmidt) weiht Prinzessin Armazah (Silja Lesny) in das Geheimnis des Zauberstabes ein.

Das Märchen „Der kleine Muck“ von Wilhelm Hauff wurde vor 60 Jahren von der DEFA verfilmt – es wurde ein Publikumsrenner

Märchen haben in der Weihnachtszeit Hochkonjunktur. Da entfalten sie seit alters her ihren besonderen Reiz. Im 19. Jahrhundert, als die Brüder Grimm ihre berühmten Märchensammlungen veröffentlichten, wurden die überlieferten Sagenschätze durch Kunstmärchen erweitert.

Von besonderer Faszination waren die Geschichten von Wilhelm Hauff (1802-1827). Sie spielen an phantasievollen Orten, in denen die Herrscher in prächtigen Palästen mit Palmengärten wohnen und wo es immer warm ist. „Der kleine Muck“, „Kalif Storch“ oder „Zwerg Nase“ sind die Helden, von deren Abenteuern Hauff in seinem Märchenbuch „Karawane“ berichtet.

Darin geht es um eine Karawane, die mit schwer beladenen Kamelen die Wüste durchquert. Die Kaufleute fürchten sich vor Räubern, zur Ablenkung erzählen sie sich abends am Lagerfeuer Geschichten, so auch die vom kleinen Muck. Der ist mit einem Buckel zur Welt gekommen. Wegen seiner krummen Gestalt wird er von allen verspottet.

Als seine Eltern ihn verstoßen, findet er bei einer alten Zauberin Unterschlupf. Doch auch sie jagt ihn bald davon. Muck nimmt heimlich die Zauberpantoffeln mit, mit denen der Besitzer schneller als alle Menschen rennen kann, und auch den Stab, der geheime Schätze aufstöbert. Damit ausgerüstet, erlebt der pfiffige Junge im Garten des Sultans sein erstes Abenteuer. Er findet nämlich einen Schatz. Doch die neidischen Diener vertreiben ihn. Nun plant der kleine Muck eine böse Rache, in der Eselsohren eine Rolle spielen.

Wilhelm Hauff, 1802 in Stuttgart geboren, besuchte die Lateinschule und studierte dann in Tübingen Theologie. Doch statt Pfarrer zu werden heiratete er seine Cousine und wurde Schriftsteller. Viele Zeitschriften und Jahrbücher wollten seine Geschichten drucken. 1827 veröffentlichte er sein zweites Märchenbuch „Der Scheich von Alexandria“ und unternahm ausgedehnte Reisen. Im November 1827 erkrankte er an einer Gehirnentzündung und verstarb im Alter von nur 25 Jahren. Sein dritter Märchenband „Das Wirtshaus im Spessart“ erschien erst nach seinem Tode.

Die aufwendigste Verfilmung der Geschichte vom kleinen Muck wurde von der DEFA, der Filmgesellschaft der DDR, produziert. Genau vor 60 Jahren feierte sie glanzvolle Premiere. Am 23. Dezember 1953 war das Berliner Kino Babylon wie ein Palast aus 1001 Nacht geschmückt, die Kinoangestellten trugen orientalische Gewänder, die Zuschauer waren begeistert und feierten Filmemacher und Darsteller.

Regisseur war der bekannte Filmemacher Wolfgang Staudte, der eigentlich „Mutter Courage und ihre Kinder“ in Szene setzen wollte. Weil es aber Streit mit dem Autor Bertolt Brecht gab, kam der Film nicht zustande. Zum Ausgleich bot die DEFA dem namhaften Künstler den Märchenfilm an, zu ebenfalls märchenhaften Konditionen. Er konnte den „ganzen Orient“ im Babelsberger Filmstudio aufbauen, bekam das neue Agfa-Farbfilmmaterial und 140 Drehtage. So wurden für die Tierszenen 160 Tiere herbeigeschafft, die zum größten Teil aus dem Leipziger Zoo entliehen wurden. Elefanten, Kamele, Araberpferde, Affen und Papageien belebten die prächtig ausgestattete Filmszenerie.

Als kleiner Muck kam Thomas Schmidt, der Sohn des Drehbuchautors, zu ersten schauspielerischen Lorbeeren. Ursprünglich war Peter Buchholz für die Rolle des guten Prinzen vorgesehen, der lehnte jedoch ab.

„Die Geschichte vom kleinen Muck“ wurde ein Publikumsrenner. Schon drei Tage nach der Premiere hatten ihn über 50 000 Zuschauer gesehen. Heute zählt der in über 60 Länder verkaufte Streifen mit rund 13 Millionen Zuschauern zu den DEFA-Klassikern. Und noch immer geht die Erfolgsgeschichte weiter. Die Firma Icestorm bietet den Film als DVD (8,99 Euro) und als Blu-Ray an. Zudem hat Icestorm zusammen mit der Zeitschrift „Superillu“ das Märchen neu erzählt, Sprecher ist der Schauspieler Stefan Kaminski. Das Hörbuch soll im nächsten Frühjahr erscheinen.

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