zur Navigation springen

Neuer Film über Ötzi : Wie starb der Gletschermann?

vom
Aus der Onlineredaktion

Um Ötzis Leben und Tod wird viel spekuliert – ein neuer Film mit Jürgen Vogel und ein Krimi des Rostocker Autors Frank Schlößer erzählen mögliche Versionen.

svz.de von
erstellt am 09.Aug.2017 | 12:00 Uhr

Mord in der Steinzeit, auseinanderbrechende Familien in der Gegenwart, Einsamkeit, Lebensangst, Konkurrenzdruck: Das Publikum des 70. Internationalen Filmfestivals in Locarno ist oft starkem Tobak ausgesetzt. Der deutsche Schauspielstar Jürgen Vogel rauft und mordet sich beispielsweise durch die Steinzeit.

In „Iceman“ („Der Mann aus dem Eis“) spielt Jürgen Vogel den als „Ötzi“ bekannt gewordenen Steinzeitmenschen, dessen mumifizierte Leiche 1991 nach mehr als 5000 Jahren aus dem Eis der Ötztaler Alpen in Südtirol geborgen wurde. Der spannungsgeladene Film von Autor und Regisseur Felix Randau („Die Anruferin“) erzählt eine erfundene Geschichte um den Tod des Mannes.

Das aufwendige Historienepos fasziniert weniger mit der an zahllose Western erinnernden Story um Rache und Vergeltung, als durch die Rekonstruktion des Lebens vor Jahrtausenden. Der Film erreicht eine große emotionale Intensität, was vor allem dem wuchtigen Spiel von Jürgen Vogel zu verdanken ist.

Jürgen Vogel verwandelt sich bei den Dreharbeiten zu „Iceman“ in den Steinzeitmenschen Ötzi.
Jürgen Vogel verwandelt sich bei den Dreharbeiten zu „Iceman“ in den Steinzeitmenschen Ötzi. Foto: Felix Hörhager

Und er beeindruckt auch damit, dass mit dem Blick zurück aktuelle Fragen gestellt werden: Was macht die Würde des Menschen aus? Wie können Menschen unterschiedlichster Herkunft wirklich miteinander leben? Worin liegt der Sinn des Lebens?

„Iceman“ gehört zum Programm der abendlichen Freiluftaufführungen auf der Piazza Grande von Locarno für oft mehr als 8000 Zuschauer. Am Wettbewerb um den „Goldenen Leoparden“ nimmt er nicht teil. Er hat aber die Chance, den begehrten Publikumspreis zu gewinnen.

Auch den Rostocker Autor Frank Schlößer hat die Ötzi-Geschichte fasziniert. Als er im Jahre 2012 im Ötztal Urlaub machte, wollte er nicht nur Fachliteratur lesen. Er glaubte, dass es auch jede Menge Romane über die Eiszeit-Mumie geben müsste. „Es gab aber keinen einzigen Krimi“, erzählt Frank Schößer.

Frank Schlößer ließ sich von Ötzi zu einem Krimi inspirieren.
Frank Schlößer ließ sich von Ötzi zu einem Krimi inspirieren. Foto: Hinstorff
 

Schon im Jahre 2001 hatten die Experten entdeckt, dass Ötzi eine Pfeilspitze im Körper hatte. „Ich nahm die Idee mit nach Hause, aus diesem Umstand eine Krimigeschichte zu formen.“ So entstand das Buch „Der letzte Pfeil“. Darin erzählt der Mörder selbst die Geschichte. Seine Sippe lebt auf einer fruchtbaren Hochebene in den Alpen. Als die Männer eines Tages auf der Jagd einen Verletzten finden, den ein Rudel junger Wölfe bedroht, schleppen sie ihn in ihre Siedlung. Die Schamanin soll entscheiden, was mit ihm geschieht. Die weise Frau nimmt ihn in ihrem Langhaus auf. Niemand kann sich darauf einen Reim machen.

Nach der Ankunft des Fremden, des „Schmieds“, ändert sich jedoch viel, denn er kennt das Geheimnis des „Sonnensteins“, aus dem Kupfer gewonnen wird. Das revolutioniert das Zusammenleben der Steinzeit-Sippe, denn mit Kupfer können bessere Werkzeuge und Waffen hergestellt werden.

Schlößer erzählt seine Geschichte, die Hintergründe und Motive, die zur Tat führen, mit viel Fantasie. So bleibt Raum, um ein Panorama des steinzeitlichen Alltags in einem Alpental zu entwickeln. Das Leben in Abhängigkeit von den Jahreszeiten, die Arbeitsteilung innerhalb der Sippe, die Sitten und Gebräuche hat der Autor sich größtenteils ausgedacht. „Wir können heute nur vermuten, welche Umgangsformen damals herrschten, wie weit die Sprache schon war. Die Technik des Kupferschmelzens ist bekannt“, meint Schlösser. „Doch über die religiösen Riten und die Besiedlung im Tal gibt es kaum Überlieferungen.“

Schlößer, geboren 1966, studierte bis 1998 Journalistik und Afrikanistik in Leipzig. Danach zog er nach Rostock und arbeitete für den Ostsee-Anzeiger. Außerdem war er als freier Autor für den Deutschlandfunk und diverse Tageszeitungen tätig. Derzeit arbeitet er als Fremdsprachenlehrer für verschiedene Institute.

„Der letzte Pfeil“ ist eine echte Überraschung. Wer sich auf die Grundidee einlässt, erlebt ein opulentes Sittengemälde der Steinzeit. Für den originellen und spannenden Thriller wurde der Autor im Mai mit dem Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte „Bester Debüt-Kriminalroman“ geehrt. Der Preis wird vom „Syndikat“, der Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur, vergeben.

Während das Buch „Der letzte Pfeil“ bereits im Buchhandel erhältlich ist, müssen Filmfans auf „Iceman“ in den deutschen Kino noch warten – dort ist er erst ab 30. November zu sehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen