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Serie “Brüssel“ : „Wer nicht betrügt, wird betrogen“

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Aus der Onlineredaktion

Eine niederländische Produktionsfirma verwandelt die EU-Zentrale in Belgien zur Szenerie einer packenden Serie mit dem Titel „Brüssel“

svz.de von
erstellt am 05.Jan.2017 | 11:45 Uhr

Im Zentrum Europas „dreht sich alles um Macht und politische Intrigen“ – so zumindest zeigt sich „Brüssel“ in der gleichnamigen Serie, die ab 20. Januar zunächst nur im niederländischen Fernsehen ausgestrahlt wird: „Wer nicht in Brüssel lebt, tut alles, um dorthin zu kommen – legal oder illegal, mit Geld oder mit Charme, durch Betrug oder Mord.“ So dramatisch bewirbt der niederländische Telekomanbieter KPN seine neue TV-Serie, in dessen Fokus die inoffizielle Hauptstadt der EU steht.

Gestrickt ist die fiktive Geschichte aus verschiedenen Erzählsträngen: Die ehrgeizige Geschäftsfrau Moniek van Dalen (gespielt von Johanna ter Steege), die für den imaginären Ölkonzern Transoil arbeitet, kämpft in Brüssel um die Zustimmung für einen großen Deal mit dem russisch-ukrainischen Milliardär Viktor Petrenko (Alexander Lazaret). Beide hatten früher ein Verhältnis, van Dalen wird mit Bildern intimer Momente erpresst.

Dabei ist sie schon mit einem Fuß in der Tür der EU-Kommission: „Ich habe deinen Namen ins Spiel gebracht. Wenn du willst, kannst du nach ganz oben kommen“, sagt ihr ein Vertrauter. Es sind Szenen wie diese, von denen „Brüssel“ lebt.

„Ich wollte eine Serie machen, die anders ist“, sagt der niederländische Autor Leon de Winter. Der 62-Jährige hatte vor vier Jahren die Idee dazu: Er sprach mit Politikern, Denkfabriken, Lobbyisten – und strickte ein Geflecht politischer Machenschaften, Komplotte und Intrigen.

Sein roter Faden im Drehbuch: „Wer nicht betrügt, wird betrogen. Spiel das Spiel mit, oder du verlierst.“ Der Vergleich mit der US-Erfolgsserie „House of Cards“ um das Weiße Haus in Washington liegt nahe, greift nach Auffassung des jüdischen Schriftstellers und Kolumnisten aber zu kurz.

Denn ihm geht es um etwas ganz anderes: „Das alles ist nur Dekor. Dahinter steht eine bildgewaltige Geschichte über das, was auf der Straße geschieht. „In vielen Städten in der EU spricht man über Radikalisierung“, erklärt er. In „Brüssel“ verzweifelt der Nato-Offizier Mohammed de Vries daran, dass sein Sohn sich über die Mitglieder seiner Moschee zu radikalisieren droht. „Die Welt wird sich völlig verändern“, sagt der Junge seinem Vater geheimnisvoll.

Während „House of Cards“ fast nur im und ums Weiße Haus und dem Capitol spielt, zeigt „Brüssel“ die Stadt selbst. „100 Meter hinter dem Europäischen Parlament steht man in Afrika. Die Welten liegen nebeneinander und haben doch nichts miteinander zu tun“, erklärte de Winter.

In seine Geschichte flechtet er die riskante Reise eines Flüchtlings über das Meer. Schlepper, illegaler Waffenhandel, die Planung eines Anschlags – „Brüssel“ greift aktuelle Themen auf. Dennoch versucht die Serie nicht, ein Abbild der Wirklichkeit zu sein – vielmehr bedient sie sich einiger Klischees um das „Machtzentrum“ der EU.

Auch deshalb kommt die Serie nicht ohne die notwendige Prise unerfüllter Liebe, Hass, Rachedurst und Verzweiflung aus – verkörpert durch eine internationale Besetzung aus den Niederlanden, Belgien, Rumänien und Russland.

Die niederländische Firma Endemol Shine hat das TV-Spektakel produziert, der flämische Regisseur Arno Dierickx filmte die insgesamt zehnstündige Serie an 80 Drehtagen und 92 Orten. Etwa fünf Millionen Euro hat das Projekt nach Angaben eines KPN-Sprechers gekostet. Wann die Serie im deutschen Fernsehen startet, ist noch nicht bekannt.

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