Fankult schlägt Wellen : Wer ist Fan von „Gott of Schlager“ Christian Steiffen – und warum?

Schloßgarten-Open-Air 2019:  Christian Steiffen und das Original Haseland Orchester. Foto: André Havergo
Schloßgarten-Open-Air 2019: Christian Steiffen und das Original Haseland Orchester. Foto: André Havergo

Seit zehn Jahren macht der Osnabrücker Sänger Christian Steiffen die Bühnen der Nation als „Gott of Schlager“ unsicher - mit immer größerem Erfolg. Mehrere tausend Fans hängen bei Konzerten an den Lippen des Kult-Stars. Wir wollten wissen, warum seine spezielle Form des deutschen Schlagers so beliebt ist – und fragten Fans und Prominente wie Oliver Kalkofe und Regisseur Ed Herzog.

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13. Dezember 2019, 07:54 Uhr

Osnabrück | „Wie gut, dass ich hier bin.“ Das ist ein Statement, mit dem Christian Steiffen gern seine Konzerte eröffnet und mit dem er bereits brandenden Applaus erntet. Ob in Amsterdam oder in Wien, in München oder in Osnabrück: Er wird gefeiert, der selbsternannte „Gott of Schlager“. Mit Liedern wie „Ich fühl mich Disco“ oder „Sexualverkehr“ schafft er es, seine Fans förmlich aus dem Häuschen geraten zu lassen. Ob Männlein oder Weiblein, im Saal wird ausgelassen gesungen, getanzt, getobt.

Fans campieren vor den Clubs und Hallen

„Christian hat Fans, die bei nahezu allen Konzerten dabei sind. Egal, ob sie in Berlin oder in Frankfurt wohnen, sie reisen ihm hinterher, nehmen sich sogar Urlaub, um dabei sein zu können. Das sind dann schon großer Verehrerinnen und Verehrer“, erklärt Steiffens Managerin Sabine Ganske. Sie erzählt von Fans, die schon mittags vor den Clubs und Hallen campieren und darauf hoffen, den Sänger kurz abfangen zu können, um ein Selfie mit ihm zu machen. Während der Konzerte hängen sie förmlich an den Lippen ihres Stars.

Dabei ist Christian Steiffen alles andere als die männliche Ausgabe von Helene Fischer. „Ich bin kein Schlagerfan, aber ich bin Christian Steiffen-Fan“, sagt beispielsweise Lisa Engelker. Die 24-jährige Studentin aus Osnabrücker erklärt, warum das so ist: „Was mir am meisten gefällt, ist die Selbstironie, die in seinen Liedern immer wieder durchkommt. Wenn ich seine Videos sehe und seine Lieder höre, bekomme ich das Gefühl, dass er in dem, was er macht, unglaublich authentisch ist. Das macht ihn so sympathisch.“

Auftritte im Kult-Krimi

Ähnlich denkt wohl auch ein Filmemacher, der für die Eberhofer-Krimis im Kino und im Fernsehen verantwortlich zeichnet. Die Musik von Christian Steiffen ist regelmäßig in den Soundtracks zu hören und es gab auch schon kurze Steiffen-Auftritte in den Kult-Krimis. Auf Anfrage bei der Constantin Film AG erfahren wir, dass es Regisseur Ed Herzog ist, der ein Faible für den „Schlagergott“ hat. „Seit "Winterkartoffelknödel", also seit 2014, verwenden wir Songs von Christian Steiffen, weil ich Fan bin. Nach meinem Verständnis passt seine Musik sehr gut zu den Filmen“, betont er und fügt hinzu: „Ich habe 2013 ein Feature auf Deutschlandradio Kultur über Christian Steiffen gehört und war sofort begeistert. Er nennt seine Musik zwar Schlager, aber da steckt ganz viel ironische Distanz zum Schlager-Genre drin. Und trotzdem finde ich, dass die Songs einen ernsten Kern haben. Er singt von Liebe, Schmerz und Einsamkeit, von Rausch und Ernüchterung."

„Christian Steiffen ist für mich die Erweckung"

Noch differenzierter äußert sich ein bekannter Satiriker zu dem Phänomen Christian Steiffen. Kein anderer als Oliver Kalkhofe lässt sich zu folgendem Kommentar hinreißen: „Christian Steiffen ist für mich die Erweckung, die einzig wahre Wiederbelebung des deutschen Schlagers. Seine Lieder sind schöner, authentischer und wahrhaftiger, als es der Schlager selbst je war. Steiffen ist Parodie und Reinkarnation, Satire und Lobpreisung, Dekonstruktion und Wiederaufbau – und das alles in nur einer Person. Er singt den Schlager, wie er eigentlich gemeint war, mit den Inhalten, die er uns eigentlich immer vermitteln wollte, sich aber durch seine bürgerliche Verklemmtheit nicht traute.“ Sein Urteil endet mit einem Stoßseufzer: „Endlich darf man dank Christian Steiffen den Schlager wieder mit ganzem Stolz feiern und mitsingen, ohne sich schämen zu müssen.“

Nach solch einer Lobeshymne darf die Einschätzung von Tobias Richter nicht fehlen, einem 29-jährigen Osnabrücker, der gern mit seinem Freunden bei Steiffen-Konzerten abfeiert. „Seine Texte provozieren und trotzdem sind sie partytauglich“, sagt er. Er hält Hardy Schwetter, der hinter der Figur Christian Steiffen steckt, für einen großartigen Entertainer.

"Arbeiter der Liebe"

Dennoch darf man nicht außer Acht lassen, dass der „Arbeiter der Liebe“ polarisiert: Entweder versteht man seine Art der Unterhaltung und liebt ihn - oder man lehnt sie kategorisch ab. Zur ersten Sorte gehören sicherlich die Fans, die dafür sorgen, dass die Shows von Christian Steiffen in seinem Hauptquartier, dem Osnabrücker Rosenhof, im kommenden Februar gleich an drei Abenden hintereinander ausverkauft sind. Nur für das vierte Konzert am 12. Februar .gibt es noch Tickets!

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