Neue Austellung im Barberini : „Welttheater“ mit Clowns

Das Triptychon „Schauspieler“ von Max Beckmann im Barberini
Das Triptychon „Schauspieler“ von Max Beckmann im Barberini

Max Beckmann zählt zu den bedeutenden Künstlern der Moderne. Das Barberini widmet ihm eine Ausstellung

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23. Februar 2018, 05:00 Uhr

Mit theatralischer Geste und abwesendem Blick richtet der Mann einen Dolch gegen sich selbst, auf dem Kopf eine Krone, aus dem Herz fließt Blut. Die Figur steht im Mittelpunkt des Gemälde-Triptychons „Schauspieler“, das der Expressionist Max Beckmann (1884-1950) Anfang der 40er-Jahre geschaffen hat. Es ist eines von 112 Werken des Künstlers, die das Potsdamer Museum Barberini in seiner neuen Ausstellung „Welttheater“ zeigt. Heute Abend wird sie eröffnet.

Präsentiert werden Leihgaben aus deutschen und internationalen Museen und Sammlungen, darunter aus der Berliner Nationalgalerie, der Londoner Tate Gallery of Modern Art und dem Kölner Museum Ludwig. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Schauspieler-Triptychon aus dem Fogg Art Museum der Harvard-Universität in den USA.

Die Ausstellung wurde gemeinsam mit der Kunsthalle Bremen konzipiert, wo sie bereits zu sehen war. Das Bremer Museum verfüge über einen „wunderbaren Schatz von Kunstwerken“ Beckmanns, zu dem auch das Gemälde „Selbstbildnis mit Saxofon“ von 1930 gehört, das in der Ausstellung gezeigt wird, sagte Barberini-Direktorin Ortrud Westheider am Donnerstag in Potsdam. Auf dem Bild zeige sich der Künstler auf ganz ungewohnte Weise im Künstlergewand, das wie ein Morgenrock daherkommt.

Das Werk sei Ausdruck „größter malerischer Freiheit“, betonte Westheider: „Man kann bis auf den Grund der Leinwand sehen.“ In dem Werk, das teil schwarz, teils weiß grundiert sei, stecke viel Arbeit, sagte Mayen Beckmann, Enkelin des Künstlers und Verwalterin seines Nachlasses. Trotzdem sehe es aus, „als wäre es mal gerade mit links hingewischt“ worden.

Ausgangspunkt der Ausstellung sei die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, in der sich Max Beckmann von der spätimpressionistischen Malerei abgewandt habe, sagte Westheider. Das „Familienbild“ von 1920, eine Leihgabe des Museum of Modern Art in New York, steht für diese Wende im Schaffen. Der Künstler habe darauf seine Familie auf einer Art Bühne inszeniert, sagte die Barberini-Direktorin.

Die Szene sei Ausdruck „der menschlichen Nicht-Kommunikation“, betonte Mayen Beckmann: „Es zeigt eine Sprachlosigkeit, die dreht einem die Seele um.“

Großes Thema der Ausstellung sei das Zurschaustellen anderer und der eigenen Person, betonte Westheider: „Es geht um das In-Szene-Setzen, das Beleuchten.“ Motive des Zurschaustellens von Varieté- und Jahrmarktkünstlern, Akrobaten, Clowns und Schauspielern hätten das Werk Max Beckmanns seit den frühen 20er- Jahren geprägt, hieß es. Viele seiner Gemälde, Skulpturen und Druckgrafiken zeigten Szenen, die auf oder hinter der Bühne spielen. Hinzu kommen Selbstportraits, in denen sich Beckmann, der 1933 seinen Lehrauftrag als Professor verlor, von den Nazis als „entarteter Künstler“ diffamiert wurde und 1937 ins Exil ging, als Clown oder Artist präsentiert. Das „Sich-Zeigen“ ziehe sich durch das ganze Werk, betonte Westheider.

Parallel zur „Welttheater“-Ausstellung stellt das Museum den Künstler Klaus Fußmann vor. Unter dem Titel „Menschen und Landschaften“ werden anlässlich von dessen 80. Geburtstags 39 Gemälde gezeigt. Sie begleiteten den Museumsstifter Hasso Plattner seit den Anfängen seiner Sammeltätigkeit, hieß es. Der Mitbegründer der Software-Firma SAP, Milliardär und Mäzen hat das im Januar 2017 in einem Nachbau des historischen Potsdamer Palais Barberini eröffnete Museum finanziert.

Die Ausstellung ist bis zum 10. Juni mittwochs bis montags von 10 bis 19 Uhr, an jedem ersten Donnerstag im Monat bis 21 Uhr zu sehen: Mehr auf www.museum-barberini.com

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