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«Ihre Figuren sind zeitlos» : Vor 200 Jahren starb Jane Austen

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Um Jane Austen ranken sich viele Mythen. Zum 200. Todestag der britischen Schriftstellerin geht die Suche nach der «wahren» Jane Austen weiter.

svz.de von
erstellt am 16.Jul.2017 | 10:01 Uhr

Der kleine runde Tisch im Esszimmer, an dem Jane Austen (1775-1817) ihre weltberühmten Romane schrieb, hat noch heute etwas Geheimnisvolles an sich.

Die Schriftstellerin wählte das Kaminzimmer, weil seine Tür knarrte - für sie ein Signal, sich ihre Manuskripte schnell in den Ausschnitt zu stopfen. Jane Austen, seinerzeit als «die Lady, die schrieb» bekannt, wird zu ihrem 200. Todestag am 18. Juli 2017 weltweit geehrt.

Im heutigen Jane Austen's House Museum, dem Wohnhaus in Hampshire (Südengland), wo sie arbeitete, und an vielen anderen Orten steht die Suche nach der «wahren» Jane Austen und ihrer Relevanz bis heute im Vordergrund.

In dem Haus in der Ortschaft Chawton, in dem Jane mit ihrer Mutter und der geliebten Schwester Cassandra lebte, arbeitete sie an den ersten Romanen «Sense and Sensibility» («Verstand und Gefühl»), «Pride and Prejudice» («Stolz und Vorurteil») und «Northanger Abbey» («Kloster Northanger») und schrieb «Mansfield Park», «Emma» und «Persuasion» («Überredung»).

Ihre Werke, die meist von Liebe, Anstand und Geld handeln, gehören zu den Klassikern der englischsprachigen Literatur und wurden zum Teil mehrfach verfilmt. «Ich glaube, ich kann von mir sagen, mit aller möglichen Eitelkeit, das am wenigsten gebildete und informierte weibliche Wesen zu sein, das es jemals wagte, Schriftstellerin zu werden», schrieb Austen in einem ihrer zahlreichen Briefe mit dem für sie typischen Understatement, mit Witz und Ironie. Ihre Rolle als scharfe Beobachterin und analytische Gesellschaftskritikerin im georgianischen England um 1800 ist zementiert.

Auffallend ist und bleibt, wie Austen das Material für ihre Romane aus ihrem täglichen Leben schöpfte: ihre Kindheit als das siebte von acht Sprösslingen eines anglikanischen Landpfarrers, die Nähe zum früh verstorbenen Vater, der sie heimlich förderte, die enge Bande zu zwei Brüdern in der seinerzeit mächtigen Royal Navy, die enge Bindung an Cassandra, während alle anderen Frauen in der Familie ein Baby nach dem anderen gebaren, und das schwierige Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem älteren Bruder Edward, der von einem wohlhabenden Verwandten adoptiert wurde und alles erbte. Er gab Jane, Cassandra und ihrer Mutter Wohnraum, hinterließ sie jedoch in bescheidenen Verhältnissen.

«Chawton ist wie ein Bühnenset, und Austens letzte Jahre dort lesen sich wie eine Geschichte aus ihren Büchern», kommentierte der «Daily Telegraph» zu dem Gedenktag. Die Autorin und TV-Historikerin Lucy Worsley, Verfasserin eines neuen Buchs zu Austen, befand: «Austen ist vor allem persönlich. Jedes ihrer Worte ist mit Integrität, Überzeugung und Liebe geschrieben.»

Austens 200. Todestag wird mit zahlreichen Neuerscheinungen und Sonderausgaben ihrer Romane und Briefe gewürdigt.

Laut Museumsführer Andrew Constantine verstand es Jane Austen perfekt, das «soziale Netzwerk» um die mächtige Kirche der damaligen Zeit geschickt zu nutzen. «Sie kannte einfach jeden und verpasste keine einzige Unterhaltung unter Erwachsenen oder mit ihren älteren Brüdern. Dann ging sie auf ihr Zimmer und schrieb die Geschichten auf», sagte Constantine der Deutschen Presse-Agentur. So entstanden Charaktere wie Mr Darcy, Elizabeth Bennet und Emma Woodhouse.

In der benachbarten Chawton House Library, dem Herrenhaus von Bruder Edward, wo heute das Werk von Austen archiviert ist, versucht die Direktorin Gillian Dow mit einem weiteren Mythos aufzuräumen. Stolz präsentiert sie Manuskripte von frühen Theaterstücken, die durchgestrichen, korrigiert und mit Anmerkungen versehen waren. «Die Familie hat den Mythos verbreitet, dass sie eine höchst perfekte Schreiberin war und fließend schrieb, aber sie hat an allen Texten hart gearbeitet und herumgefeilt.»

Laut Dow besteht Austens Bedeutung heute darin, dass sie Charaktere schuf, in denen wir uns alle wiedererkennen, und die nicht fehlerfrei waren. «Ihre Figuren sind zeitlos, ihre Sprache wunderschön.» Während Austens Errungenschaften im 19. Jahrhundert «vergessen» wurden, sei die Autorin «heute beliebter als je seit ihrem Tod», sagt Dow.

Ähnliches ist von Louise West zu hören, die in Winchester die Ausstellung «The Mysterious Miss Austen» (Die mysteriöse Miss Austen) kuratiert hat. «Es war damals für Frauen keineswegs ungewöhnlich zu schreiben. Aber Austen war ein Genie, ihre Kenntnis der menschlichen Psyche war phänomenal - und das lange vor Sigmund Freud», sagte West der Deutschen Presse-Agentur.

Jane Austen starb im Alter von nur 41 Jahren. In der Kathedrale von Winchester, wo sie - nicht wegen ihrer Berühmtheit, sondern wegen der engen Beziehungen zur Kirche - beigesetzt wurde, wird sie in diesem Jahr vielfach geehrt. Erst Jahrzehnte nach ihrem Tod wurde eine Gedenktafel angebracht, auf der steht: «Jane Austen war vielen durch ihre Schriften bekannt.» In diesem Herbst wird ihr Abbild auf neuen Zehn-Pfund-Scheinen und Zwei-Pfund-Münzen der britischen Notenbank geprägt.

Museum

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