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Das erstaunliche Leben des Walter Mitty : Vom Tagträumer zum Superhelden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ben Stiller wächst als Walter Mitty über sich hinaus / Großartige Inszenierung mit grandiosen Landschaftsaufnahmen

Träumer haben es gut. Wenn das Leben zu langweilig, anstrengend oder vielleicht auch nur befremdlich ist, entziehen sie sich einfach der Realität, indem sie zu Superhelden werden auf ihrem ganz eigenen Stern. Walter Mitty (Ben Stiller) ist so ein Fantast, der schon mal die Welt rettet, während er auf die U-Bahn wartet. Ben Stiller hat die Kurzgeschichte von James Thurber aus dem Jahr 1939 als wahnwitzig-optimistische Fabel inszeniert - mit sich selbst als Tagträumer, der über sich hinaus wächst - und das ganz real.

Seit Jahren arbeitet Walter als Fotoredakteur bei dem Kult-Magazin „Live!“. Ansonsten verzieht er sich am liebsten in seine penibel aufgeräumte Wohnung, regelt die Finanzen und den Konzertflügeltransport für seine Mutter (Shirley MacLaine) und versucht per Online-Partneragentur Kontakt zu seiner Kollegin Cheryl (Kristen Wiig) aufzunehmen - letzteres ohne Erfolg.

Das führt dazu, dass er in ständigem Telefonkontakt zu dem Portal-Mitarbeiter Todd (Patton Oswalt) steht, der ihn das ganze knapp zweistündige Abenteuer begleitet. Das ist urkomisch, da Walter zu Beginn in seinem Profil keinerlei außergewöhnliche Erlebnisse oder Eigenschaften auflisten kann, Todd ihn im Laufe des Films aber an den entlegensten Orten bei den ungewöhnlichsten Aktionen erreicht.

Doch der Reihe nach: Eines Tages verkünden unsympathische Anzugträger, dass das Magazin künftig nur noch online erscheinen wird, die letzte Printausgabe aber das Nonplusultra werden soll. Dumm nur, dass das Titelfoto des legendären, aber auch eigenbrötlerischen Fotografen Sean O’Connell (Sean Penn), für das Walter verantwortlich ist, verschwunden ist. Plötzlich nimmt Walter all seinen Mut zusammen und macht sich auf die Suche nach dem rastlosen Weltenbummler Sean – und startet in das Abenteuer seines Lebens, das ihn nach Grönland und Island und schließlich bis in das Himalaya-Gebirge führt.

Stillers Remake des Komödienklassikers von Danny Kaye aus dem Jahr 1947 beginnt etwas lau, entpuppt sich aber im Laufe des Films als eine turbulente und wirklich witzige und zugleich liebevolle Geschichte über einen unverbesserlichen Tagträumer, der über sich hinaus wächst. Die Geschichte mag etwas banal und die Wandlung Walters vom Loser zu coolen Pfadfinder absehbar sein, die filmische Umsetzung aber mit wenigen Ausnahmen ist grandios. Walters Traumsequenzen als Superheld, die irgendwann den realen Actionszenen weichen – etwa wenn Walter seine Skateboard-Künste irgendwo in der Pampa demonstriert, immer auf der Suche nach dem ominösen Fotografen und dessen Bild.

Das Foto und sein Schöpfer als treibendes Motiv und Mysterium zugleich hält lange Zeit die Spannung, auch wenn der Zuschauer irgendwann ahnt, wo es verschwunden ist. Sean Penn als schrulliger Eigenbrötler ist genial ebenso die Landschaftsbilder, die Stuart Dryburgh so großartig einfängt und in langen Einstellungen komponiert.

„Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ist ein charmanter Film, der trotz allem Aktionismus seiner Hauptfigur alles andere als laut daher kommt, sondern melancholisch optimistisch. Die zarte Liebesgeschichte zwischen Walter und Cheryl köchelt zwar auf Sparflamme. Doch genau damit beweist Stiller die Zurückhaltung, die auch seinem Protagonisten zu eigen ist. Ein schönes Märchen, elegant und unterhaltsam.


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